„Rembrandt und Saskia“: Spektakuläre Schau in Leeuwarden und demnächst in Kassel
Frieslands prominentestes Ehepaar

Leeuwarden -

Leeuwarden, das 2018 als Europäische Kulturhauptstadt glänzte, präsentiert sein berühmtestes Brautpaar. Das Maler-Genie und seine junge Frau bilden den roten Faden der Ausstellung „Rembrandt & Saskia: Liebe im Goldenen Zeitalter“. In Kürze wandert die Schau mit ihren kostbaren Gemälden nach Kassel.

Mittwoch, 13.03.2019, 16:09 Uhr
Auge in Auge mit Rembrandt: Das Selbstporträt ist auf 1634 datiert.
Auge in Auge mit Rembrandt: Das Selbstporträt ist auf 1634 datiert. Foto: Johannes Loy

Das niederländische Friesland grüßt mit Mühlen, Poldern und Kuhwiesen. Es ist flach, aber präsentiert sich doch so reizvoll im ersten Frühlingslicht. Vor allem deshalb, weil die Region um Leeuwarden, das 2018 als Europäische Kulturhauptstadt glänzte, nun bis weit ins neue Jahr hinein sein berühmtestes Brautpaar vorzeigt. Das Maler-Genie und seine junge Frau bilden den roten Faden der Ausstellung „Rembrandt & Saskia : Liebe im Goldenen Zeitalter“.

Durch dieses Paar entdecken die Besucher, die sich diese Woche noch im Stundentakt durch das moderne „Fries Museum“ schlängeln, wie es damals zuging bei einer Gesellschaftsheirat im 17. Jahrhundert. Da dreht sich vieles um Brautschau und prunkvolle Hochzeitsfeiern. Es geht um Familiengründung bis zu den dunklen Seiten des Familienlebens wie Kindersterblichkeit und Ehebruch. Hochzeitsporträts, teils intime Skizzen und persönliche Gegenstände erzählen, wie Liebe und Leid im Goldenen Jahrhundert geteilt wurden.

Das Gemälde „Saskia im Profil mit reichem Kostüm“ entstand zwischen 1633 und 1642.

Das Gemälde „Saskia im Profil mit reichem Kostüm“ entstand zwischen 1633 und 1642. Foto: Johannes Loy

Wer die spektakuläre Schau nicht mehr in Leeuwarden im schönen Friesland sehen kann, der sei getröstet; denn sie wandert weiter nach Kassel. Dort, im Schloss Wilhelmshöhe, trägt sie dann den Namen „Liebe und Ehe in Rembrandts Zeit“. Zwei besonders spektakuläre Leihgaben stammen nämlich aus Kassel und bilden den Schlussakkord der Schau in Leeuwarden. Es handelt sich um Rembrandts (1606-1669) „Selbstbildnis mit Sturmhaube“ von 1634 und das Porträtbild „Saskia im Profil in reichem Kostüm“, das Rembrandt bereits um 1633/34 kurz nach der Hochzeit mit der aus Leeuwarden stammenden Saskia Uylenburgh (1612-1642) begonnen und wohl erst kurz nach ihrem frühen Tod vollendet hat.

Die Friesin Saskia Uylenburgh war Rembrandts erste Frau. Sie heirateten 1634 in dem kleinen Ort Sint Annaparochie in Friesland und waren acht Jahre verheiratet, als Saskia 29-jährig starb. Rembrandt behielt das Gemälde lange in seinem Besitz. Geldmangel zwang ihn allerdings, das Porträt 1652 an den befreundeten Sammler Jan Six zu verkaufen. Um 1750 wurde es vom Kurfürsten von Hessen-Kassel gekauft. Seit dieser Zeit ist das Gemälde niemals mehr in die Niederlande zurückgekehrt. Bis jetzt.

Kostbare Hochzeitsgeschenke

Kostbare Hochzeitsgeschenke Foto: Johannes Loy

Zwei weitere Porträts von Rembrandt und seiner jungen Frau bilden das Entree der Schau. Rechts der junge Rembrandt 1632 im Selbstporträt (eine Leihgabe aus Glasgow), rechts Saskia mit Perlenkette auf einem Bild von Govert Flinck um 1636. Wie ein fester Leitfaden ziehen sich Stiche des Meisters, auf denen vielfach er und seine Frau zu sehen sind, durch die Ausstellung. Dann sind da in Vitrinen die für jene Zeit gängigen Hochzeitsgeschenke zu sehen. Bilder mit biblischen und weltlichen Motiven aus dem Goldenen Zeitalter der Niederlande präsentieren junge Damen und Herren beim Werben. Die Hochzeit wurde festlich, tanzend und tafelnd gefeiert. Geld spielte im reichen Friesland, das über die See längst die Finger in ferne Kolonien ausgestreckt hatte, offenbar keine Rolle. „Wachset und mehret Euch“, das nahmen die jungen Hochzeiter damals nolens volens wörtlich, was zu jährlichen Geburten und häufig früh im Kindbett sterbenden Müttern führte. Auf der Höhe des Lebens und Wohlstandes entstehen repräsentative Großporträts – wie jenes der Familie van der Dussen 1640 von Hendrick Cornelisz van Vliet, auf dem ein arriviertes Paar mit der herausgeputzten Kinderschar sich dem Betrachter zuwendet – Flötenspiel, Früchtekorb und Notenständer als Rankenwerk inklusive. Aber auch auf separaten Kinderporträts wirken die dargestellten Jungen und Mädchen jener Zeit wie kleine Erwachsene im feinsten Sonntagsstaat und mit eher ernster Miene.

Porträtgemälde der Familie van der Dussen, gemalt von Hendrick Cornelisz van Vliet.

Porträtgemälde der Familie van der Dussen, gemalt von Hendrick Cornelisz van Vliet. Foto: Johannes Loy

Die Zeiten erlaubten keine Planungen über Jahre. Infektionen, Krankheiten und Tod waren allgegenwärtig. Doch entwickelten sich die niederländischen Provinzen in jener Zeit durch gelebte religiöse Toleranz, weltweiten Handel und Wandel zu Oasen des Wohlstands. Auch wenn die furchtbaren kriegerischen Auseinandersetzungen jener Zeit, die erst 1648 zur Unabhängigkeit von Spanien führte, stets im Hintergrund drohten und vor allem die deutschen Lande in die Apokalypse führten.

Zum Thema

„Rembrandt & Saskia. Liebe im Goldenen Zeitalter“. Fries Museum Leeuwarden, bis zum 17. März. Wegen starken Andrangs in der letzten Woche Online-Anmeldung ratsam. „Liebe und Ehe in Rembrandts Zeit“. Schloss Wilhelmshöhe, 12. April bis 11. August, der reich bebilderte Katalog kostet 24.95 Euro.   | www.friesmuseum.nl  | www.museum-kassel.de

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