Der Münsteraner Paulus van Husen
Katholik im Widerstand

Paulus van Husen (1891-1971) aus Münster gehört zu den weniger bekannten Widerstandskämpfern während der NS-Diktatur, auch wenn er nach 1945 wichtige Ämter bekleidete: Zwischen 1949 und 1959 war er als Präsident des Oberverwaltungsgerichtes und des Verfassungsgerichtshofes von Nordrhein-Westfalen in Münster. Adenauer wollte ihn sogar als Staatssekretär nach Bonn lotsen, doch van Husen war skeptisch, dem vereinnahmenden Kanzler und der Aufgabe gewachsen zu sein.

Freitag, 05.04.2019, 17:40 Uhr
Der Münsteraner Paulus van Husen: Katholik im Widerstand

Überall vernehmbar hat Bestseller-Autor Manfred Lütz , im Hauptberuf Psychiater und Chefarzt des Alexianerkrankenhauses in Köln, die Werbetrommel für sein neues Buch gerührt. Dabei ist die Geschichte des Paulus van Husen längst publiziert und nicht, wie auf dem Schutzumschlag des Buches steht, „erst kürzlich entdeckt“ worden. Bereits 2010 veröffentlichte der Historiker Karl-Joseph Hummel eine wissenschaftliche Ausgabe der Memoiren van Husens im Verlag Schöningh, einen dicken Wälzer mit fast 700 Seiten und für den Liebhaberpreis von 99 Euro.

Lütz, der die Memoiren bereits 1996 im Haus seines Großonkels in Münster entdeckt hatte, legt eine Auswahl der Erinnerungen – sozusagen ein „Best of“ – vor, die einen breiteren Leserkreis ansprechen soll. Ein ähnliches Verfahren wandte Lütz schon mit dem Buch „Toleranz und Gewalt“ des Kirchenhistorikers Arnold Angenendt an. Er fasste dessen Erkenntnisse geschickt zusammen und motzte das Buch mit dem reißerischen Titel „Der Skandal der Skandale. Die geheime Geschichte des Christentums“ und einer Bombenkugel auf dem Umschlag auf.

Lütz hat nun zu dieser Textausgabe mit den Erinnerungen seines Großonkels Paulus van Husen nur ein 15-seitiges Vorwort verfasst, seinen eigenen Namen auf dem Umschlag aber dreimal so groß geschrieben wie den seines Großonkels. Um diesen und seine Memoiren geht es aber.

Der Leser begleitet van Husen durch Rechtsstudium, Husarenzeit im Ersten Weltkrieg und erste Verwaltungsämter in den Landkreisen Warendorf und Lüdinghausen. Der überzeugte Katholik ist der richtige Mann für die heikle Aufgabe in der Gemischten Kommission des Völkerbunds in Oberschlesien, wo die Belange der deutschen und polnischen Bevölkerung geregelt werden.

Hochdramatisch wird die Gratwanderung für van Husen, als er in der NS-Zeit zum Oberkommando der Wehrmacht abkommandiert und in den Kreisauer Kreis und dessen Widerstandsplanungen eingebunden wird. Nach dem Stauffenberg-Attentat ist van Husen auf alles gefasst, doch erst im Oktober 1944 schlägt die Gestapo zu. Das zermürbende Warten auf Urteil und drohenden Galgen oder das Ende des Krieges beginnt. Van Husen kommt mit knapper Not davon. Eine Geschichte, wie sie spannender nicht sein kann.

Zum Thema

Manfred Lütz/Paulus van Husen: Als der Wagen nicht kam. Eine wahre Geschichte aus dem Widerstand. Herder, Freiburg, 376 Seiten, 25 Euro.

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