Interview
Mirijam Contzen kommt immer gern zurück ins Münsterland

Münster -

Drei Musikinstitutionen Münsters feiern ihr 100-jähriges Bestehen: Musikschule, Musikhochschule und Sinfonieorchester. Zum Jubeljahr schildern herausragende Musiker, Theaterleute und Schauspieler ihre prägenden Erfahrungen mit der Musik in Münster. Heute die berühmte Geigerin Mirijam Contzen.

Sonntag, 28.04.2019, 14:30 Uhr aktualisiert: 28.04.2019, 15:00 Uhr
Für Konzerte mit Musik vor 1800 verwendet Mirijam Contzen, die in Münster geboren wurde und heute in Berlin lebt, einen anderen Geigenbogen – aber stets die historische Violine von Carlo Bergonzi.
Für Konzerte mit Musik vor 1800 verwendet Mirijam Contzen, die in Münster geboren wurde und heute in Berlin lebt, einen anderen Geigenbogen – aber stets die historische Violine von Carlo Bergonzi. Foto: MolinaVisuals

Wer im Internet nach Mirijam Contzen sucht, erfährt, dass Sie in Münster geboren wurden, aber in Detmold studiert haben. Was verbindet Sie denn musikalisch mit dem Münsterland?

Mirijam Contzen: Mit Münsters Musikhochschule war ich schon früh verbunden. Ich bin dort jahrelang ein und aus gegangen, habe mich mit den anderen Studenten ausgetauscht. Studiert habe ich zwar bei Tibor Varga in Detmold, aber immer in Ascheberg gewohnt, wo ja auch meine Eltern leben.

Ihr heutiger Lebensmittelpunkt jedoch ...

Contzen: ... ist Berlin, wo ich mit meiner Familie wohne und an der Universität der Künste unterrichte. Seit 2016 habe ich dort eine Professorenstelle für Violine.

Wie verträgt sich diese Lehrtätigkeit mit Ihrer eigenen Solistenkarriere?

Contzen: Sie nimmt viel Platz ein, aber die Arbeit mit den Studenten macht mir große Freude. Und es ist interessant, durch das Unterrichten die Musik auch aus anderen Perspektiven zu sehen.

Wie muss man sich das vorstellen: Ist es eine Art Widerstand, den man als Unterrichtender überwinden muss?

Contzen: Es hat einen großen Einfluss, wenn man Dinge analysieren und erklären muss. Das ist faszinierend, weil man ja vieles in der musikalischen Interpretation unbewusst macht. Durch das Unterrichten muss man sich neu entscheiden.

Als Solistin sind Sie gerade mit den Duisburger Philharmonikern aufgetreten und haben ein Violinkonzert von Franz Clement gespielt. Nicht zum ersten Mal in Ihrer Laufbahn ein Werk jenseits des üblichen Repertoires ...

Contzen: Genau, bei solchen Stücken merkt man, wo die berühmten Werke wie Beethovens Violinkonzert herkommen. Clement hat es uraufgeführt, nachdem er sein eigenes erstes Violinkonzert geschrieben hatte, das auch in D-Dur steht. Man kann sagen, dass das altbekannte Beethoven-Konzert durch diese Querverbindung aufgewertet wird. So etwas reißt geradezu Fenster im Hirn auf. Nach Beethoven hat Clement dann sein zweites Violinkonzert geschrieben, eine Art Reaktion darauf: Es ist noch länger, hat eine noch größere Einleitung.

Sie musizieren oft gemeinsam mit dem Dirigenten Reinhard Goebel, der einst als Geiger das legendäre Ensemble „Musica Antiqua Köln“ gründete und mit dem Sie auch schon CDs aufgenommen haben. Ein bevorzugter musikalischer Partner?

Contzen: Ja, es wird so um die neun Jahre her sein, dass wir die ersten gemeinsamen Aufnahmen machten – der Kontakt kam über die Plattenfirma zustande. Dabei hat sich gezeigt, dass es mit der Zusammenarbeit gut klappt.

Hat sich durch diese Zusammenarbeit mit einem der profiliertesten Musiker historischer Aufführungspraxis auch Ihr Musizieren verändert?

Contzen: Mein Geigenspiel hat sich schon sehr verändert. So benutze ich für dieses Repertoire, etwa bis zum Jahr 1800, auch einen anderen Bogen als für später entstandene Werke. Es ist ja genau der historische Scheitelpunkt, an dem der moderne Geigenbogen entstanden ist.

Zu Ihren besonderen Vorlieben gehört die Kammermusik. Die künstlerische Leitung des Festivals auf Schloss Cappenberg verlangt doch sicherlich auch einigen Einsatz?

Contzen: Ja, das ist sehr zeitintensiv, da braucht es schon einige Hingabe. Ich mache das aber sehr gerne, suche gerne Programme aus. Das Festival hat eine lange Geschichte: Es ist aus einer gemeinsamen Schulfreundschaft in Werne heraus entstanden. Vergangenes Jahr Pfingsten hatten wir schon die elfte Ausgabe.

Wie ist denn eigentlich Ihr Kontakt zum Sinfonieorchester Münster, das in diesem Jahr, wie Musikschule und Musikhochschule, 100. Geburtstag feiert?

Contzen: Wir haben in der Vergangenheit schon zwei sehr schöne Programme zusammen gespielt, einmal das Mendelssohn-Doppelkonzert für Violine und Klavier, das andere Mal, unter der Leitung Fabrizio Venturas, ein Mozart-Konzert.

Aber momentan kann man Sie eher in Berlin, Budapest oder München hören als im Münsterland?

Contzen: Ja, in Berlin mache ich natürlich viel an der Hochschule, es gibt Termine mit dem Budapest Festival Orchestra, in Israel, in München ... Aber im Herbst spiele ich in Steinfurt, in der Bagno-Konzertgalerie. Es wird ein Abend mit dem Pianisten Tobias Bredohl – auch das eine große Freundschaft aus Münster.

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