Zum Tod des großen Museumsmannes
Klaus Bußmann - Freund der Kunst und der Künstler

Münster -

Trauer um einen großen Museumsmann: Der ehemalige Direktor des Westfälischen Landesmuseums für Kunst und Kulturgeschichte, Prof. Dr. Klaus Bußmann, verstarb am Samstag im Alter von 77 Jahren nach schwerer Krankheit in Münster. 

Montag, 29.04.2019, 14:45 Uhr aktualisiert: 29.04.2019, 18:39 Uhr
Zum Tod des großen Museumsmannes: Klaus Bußmann - Freund der Kunst und der Künstler
Prof. Dr. Klaus Bußmann Foto: LWL / Wakonigg

Sein bekanntestes Buch wird von einem Foto geziert, das die prächtigen Türme der Kathedrale von Notre-Dame in Paris zeigt: ein Kunst-Reiseführer über „Paris und die Ile de France“. In der französischen Metropole lebte Klaus Bußmann viele Jahre, seine Frau Brigitte stammte aus Frankreich.

„Er war Westfale, und er war weltoffen“, bringt Dr. Hermann Arnhold , Direktor des LWL-Landesmuseums, die Charakterzüge seines Vorgängers auf den Punkt. „Ich habe am Samstagabend erfahren, dass Klaus Bußmann gestorben ist, und bin sehr traurig“, sagt Arnhold im Gespräch mit unserer Redaktion. „Wir haben lange Zeit sehr eng zusammengearbeitet und uns auch in den letzten Jahren immer mal wieder getroffen.“

Gründer der Skulptur Projekte

Bußmann, am 8. Juni 1941 in Aachen geboren und im zerstörten Münster aufgewachsen, hat unter anderem in Münster und Paris studiert, promovierte über den Barockarchitekten Wilhelm Ferdinand Lipper und war von 1968 bis 1977 Kurator am Westfälischen Landesmuseum – zunächst für mittelalterliche Kunst, später für die Kunst der Moderne. In diese Zeit fällt nach einem heftigen Kulturkampf gegen „Drei rotierende Quadrate“ von George Rickey die Entscheidung, in Münster eine Überblicksausstellung zur modernen Skulptur auszurichten, woraus die „Skulptur-Projekte“ wurden.

Der kleinste Teil der Eröffnungsschau, in dem Künstler eingeladen wurden, Kunst für die Stadt zu schaffen, hat zwar die längste Erfolgsgeschichte. Aber es sei nicht vergessen, dass Bußmann für die „klassischen“ Ausstellungsteile Werke von Weltrang ins und ums Landesmuseum herum holte: Der Ausstellungskatalog liest sich wie ein Who is Who der Moderne: Ob Archipenko oder Arp, ob Brancusi oder Picasso – alles, was im Bereich Skulptur wegweisend ist oder war, wurde gezeigt: von Rodin bis Reineking.

 

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Prof. Dr. Klaus Bußmann (re.) im Gespräch mit Eduardo Chillida 1987. Foto: LWL


„Wer heute in Europa oder Amerika über Münster und Kultur spricht, hört sofort die Bezeichnung ,City of Sculpture-Project‘“, erzählt Hermann Arnhold und erinnert daran, dass es Bußmann war, der den Ausstellungsmacher Kasper König nach Münster holte. Und dass Bußmann auch später, nachdem er im Jahr 1985 Museumsdirektor wurde, dem Haus am Domplatz durch seine Ausstellungen zu großer Strahlkraft verholfen hat.

Künstlerisches Bespielen des Lichthofes

„Als Landesmuseum hat das Haus sein regionales Standbein, aber bei den Ausstellungen hat Bußmann es international ausgerichtet.“ Wozu auch die Geschichte um das gewaltige Werk „Unschlitt / Tallow“ gehört, das Joseph Beuys für Münster schuf und für das er so viel Wachs kaufen ließ, dass die katholische Kirche bei ihren Kerzen in Not geriet. Bußmann wurde im Jahr nach der 1977er Schau gezwungen, das ungeliebte Werk wieder aus Münster zu entfernen – was ihn laut Arnhold zum zwischenzeitlichen Abschied vom Landesmuseum veranlasste. „Und heute steht dieses Werk im Hamburger Bahnhof in Berlin!“

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Zwei große Kunstfreunde: Klaus Bußmann (l.) gemeinsam mit Kasper König bei den Skulptur-Projekten 2017 Foto: Oliver Werner

Auch das künstlerische Bespielen des Lichthofes, in dem das Beuys-Werk gezeigt wurde, war ein Einfall Klaus Bußmanns. Der Landschaftsverband erinnert zudem an die Arbeit Bußmanns im Rat der Stadt Münster, sein Mitwirken in Kommissionen, in denen er sich – oft unter Protest – für die Entwicklung der Stadt eingesetzt hat. „Er war streitbar nach außen hin, wehrte sich gegen die Vereinnahmung der Kunst durch die Politik“, erklärt Hermann Arnhold und nennt als Beispiel die Auseinandersetzungen, die Klaus Bußmann gemeinsam mit dem damaligen Landesdirektor Wolfgang Schäfer um das Fortbestehen der Landschaftsverbände gegen Ministerpräsident Wolfgang Clement führte.

Monografie über Chillida

Als Chef seiner Museumsmitarbeiter war Bußmann sehr beliebt, unterstreicht Arnhold, der 1993 ins Team kam – und der das Wort „Team“ bewusst verwendet, weil Direktor Bußmann sich stets mit den Kollegen austauschte und die jungen Mitarbeiter, etwa Volontäre wie Arnhold, förderte. „Ich hatte ebenfalls in Paris studiert und durfte, auch dank der Sprachkenntnisse, Museumsreisen nach Frankreich unternehmen – zum Teil mit ihm zusammen.“ Bußmann sei Mentor von drei Generationen junger Kunsthistoriker gewesen, denen er beispielsweise im Rahmen seines Lehrauftrags ermöglichte, Seminare abzuhalten.

Kasper König formuliert Bußmanns menschliche Haltung grundsätzlich: „Er hat nie von oben nach unten geguckt, sondern immer nach links und rechts.“ Bußmann habe „aus dem Geiste der Aufklärung“ heraus gearbeitet, sei ein Vermittler, ein „fantastischer Gesprächspartner“ gewesen, kannte sich in Architektur und Geschichte bestens aus. „Ich habe viel von ihm gelernt“, sagt König als einer der weltweit einflussreichsten Kuratoren über Bußmann: „Wir sind Freunde geworden.“

Zum Thema

Im Landesmuseum wird ein Kondolenzbuch ausgelegt.

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Eine besondere Eigenschaft Klaus Bußmanns: Er war nicht nur Kunst-, sondern auch Künstlerfreund. Claes Oldenburg, der Schöpfer der Aaseekugeln, oder Eduardo Chillida, dessen Bank den Rathausinnenhof prägt, sind Beispiele für den Nutzen, den das Münsterland von diesem Engagement des Museumsdirektors zog. Eine Monografie über Chillida hat Klaus Bußmann ebenfalls verfasst – und einen zweiten Kunst-Reiseführer. Über das Burgund, dessen Landschaft und Geschichte er ebenso liebte wie die ganze Kultur Frankreichs.

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