Ruhrfestspiele: „Wer hat Angst vor Virginia Woolf?“
Ehe-Duelle unter Alkohol

Recklinghausen -

Auch Hamburgs Schauspielhaus-Intendantin Karin Beier kann mit dem alten Bühnen-Schlachtross „Wer hat Angst vor Virginia Woolf“ kein neues Terrain erobern, sondern es bestenfalls hübsch aufzäumen. Dies gelingt bei den Ruhrfestspielen in Recklinghausen mit bestens disponierten Schauspielern.

Sonntag, 26.05.2019, 15:44 Uhr
Klassiker in feiner Besetzung: Maria Schrader, Josefine Israel, Matti Krause und Devid Striesow in Aktion.
Klassiker in feiner Besetzung: Maria Schrader, Josefine Israel, Matti Krause und Devid Striesow in Aktion. Foto: Arno Declair

Die schönen Warnhinweise im Programmheft weisen den Weg: „Wir möchten Sie darauf hinweisen, dass in dieser Vorstellung exzessiv geraucht wird“, liest man da, und am Schluss: „Wir danken für Ihr Verständnis und versichern Ihnen, dass dafür unter keinen Umständen Nackte zu sehen sein werden.“ Ein Ironie-Vorbehalt, der auch mit dem Hinweis auf „nicht gendergerechte Sprache“ den etwas musealen Charakter der Aufführung akzentuiert.

Denn auch Hamburgs Schauspielhaus-Intendantin Karin Beier kann mit dem alten Bühnen-Schlachtross „Wer hat Angst vor Virginia Woolf “ kein neues Terrain erobern, sondern es bestenfalls hübsch aufzäumen. Die riesige, nur von einem großen Podest geprägte Bühne (Thomas Dreissigacker) setzt den Rahmen für zwei Stars, die der Aufführung großes Interesse auch bei den Ruhrfestspielen sichern: Für die Auftritte von Maria Schrader und Devid Striesow in Recklinghausen waren die Karten schnell verkauft.

Schrader als Ehefrau Martha, die es genießt, in halbtrunkenem Zustand ihrem mäßig erfolgreichen Dozenten-Gatten den Einfluss ihres übermächtigen Vaters vorzuhalten, ist eine lustvolle, durch den Raum tänzelnde Kratzbürste, die die Tragik ihrer Figur nicht überhöht, sondern funkelnd vorführt. Noch dankbarer ist die Rolle des George für Devid Striesow: Wie der sich in die Rollenspiele hineinbeißt, mit denen das Paar seine jungen Gäste (Josefine Israel und Matti Krause) irritiert, das hat man selten in einer so perfekten Mischung aus Wut und Witz erlebt. Schrader und Striesow machen aus dem Stück Edward Albees eine zweistündige Abfolge großer Arien und Ensembles – als wäre der große Baumstamm im Bühnenhintergrund eine Huldigung an Wagners „Walküre“.

Ist er natürlich nicht, sondern Symbol für jenen Baum, an dem der im Spiel behauptete Sohn des Ehepaares mit dem Auto verunglückt. Schrader und Striesow sind auch in dieser tragischen Pointe, mit der eine gemeinsame Lebenslüge zerstört wird, so überzeugend wie zuvor im alkoholgeschwängerten Seelen-Sadismus. Dass daraus beim Festspiel-Publikum keine Betroffenheit, sondern unmittelbare Begeisterung resultiert, hat eben mit dem schon leicht musealen Charakter des Stücks zu tun. Und mit der Lust, zwei starken Schauspielern beim Rauchen, Trinken und Streiten zuzuschauen. 

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