Poesiepreis in Münster vergeben
Piratenschatz aus Rhythmen und Reimen

Münster -

Der russischstämmige US-Amerikaner Eugene Ostashevsky und seine deutschen Übersetzerinnen, die Schriftstellerinnen Uljana Wolf und Monika Rinck, standen zum Abschluss des Lyrikertreffens in Münster im Mittelpunkt. 

Sonntag, 26.05.2019, 15:46 Uhr aktualisiert: 26.05.2019, 16:56 Uhr
Monika Rinck, Eugene Ostashevsky, Uljana Wolf und Beate Vilhjalmsson (v. l.) bei der Preisverleihung im Erbdrostenhof.
Monika Rinck, Eugene Ostashevsky, Uljana Wolf und Beate Vilhjalmsson (v. l.) bei der Preisverleihung im Erbdrostenhof. Foto: pn

Sie erhielten zu gleichen Teilen den mit 15 000 Euro dotierten, nun zum 14. Mal vergebenen Preis der Stadt Münster für internationale Poesie. Dann gab es noch eine Überraschung: Hermann Wallmann gibt die Leitung des Lyrikertreffens ab.

Blumen und herzlicher Applaus noch vor der eigentlichen Ehrung? Die Befürchtung von Bürgermeisterin Beate Vilhjalmsson, dass sich die Preisverleihung womöglich in eine Abschiedswürdigung verwandeln könne, war nicht unberechtigt. Denn als die Rednerin ihren Dank an Hermann Wallmann, den langjährigen künstlerischen Leiter des münsterischen Lyrikertreffens, mit der Nachricht von dessen Ankündigung verband, die Traditionsveranstaltung in diesem Jahr zum letzten Mal begleitet zu haben, da war die Bestürzung in manchen Gesichtern erkennbar. So lange, sagte Vilhjalmsson am Sonntagmorgen im Erbdrostenhof, habe er das Lyrikertreffen federführend geprägt. „Wir haben uns alle so an dich gewöhnt, Hermann“, bekannte die Rednerin unter dem Applaus des Auditoriums.

Danach standen der Literat Eugene Ostashevsky und seine deutschen Übersetzerinnen, die Schriftstellerinnen Uljana Wolf und Monika Rinck, im Mittelpunkt. Sie erhielten zu gleichen Teilen den mit 15.000 Euro dotierten, nun zum 14. Mal vergebenen Preis der Stadt Münster für internationale Poesie für den Gedichtband „Der Pirat, der von Pi den Wert nicht kennt“ (2017).

Vilhjalmsson beschrieb ihren Eindruck von der Preisträgerlesung aus dem Werk am Vorabend als „amüsant und sehr hintergründig“. Oder, wie Jurorin Dr. Maren Jäger ausführte: Eugene Ostashevskys prämiertes Werk sei ein „veritabler Piratenschatz immer neuer Rhythmen und Reime.“

Lautmalerisch-sprudelnder Wortstrom

Jäger würdigte die „polyphone und polyglotte Sprachakrobatik und den Formenreichtum des Autors, der virtuos alle Gattungsregister zieht – vom Kinder- und Piratenlied über Traktat und Ballade bis zu Hip-Hop und Rap“. Den beiden Übersetzerinnen bescheinigte die Jury, „dem sprachspielerischen Parforceritt Osta-shevskys mit einem Höchstmaß an Geist und Witz die Tore der deutschen Sprache geöffnet zu haben“.

Als „echte Meisterleistung“ lobte Laudator Ulf Stolterfoht die Leistung der beiden. Dem aus Leningrad stammenden, seit 1979 in New York lebenden und an der dortigen Uni lehrenden Os-tashevsky bescheinigte er, ein „sehr gutes Buch“ verfasst zu haben mit „Gedichten voller dissonanter Rhythmen, dröhnender Reime, multilingualer Sprachspiele und einem gesunden Interesse an Mathematik“ – deswegen auch das Pi im Werktitel.

Zum Thema

Im Daedalus-Verlag Münster ist anlässlich der diesjährigen Preisverleihung die 84-seitige Dokumentation „Komplementäre Stimmen“ erschienen, herausgegeben von Hermann Wallmann. Preis: 10 Euro.

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Belegte Stolterfoht seine Belobigung der „idealen Preisträger“, die bei dieser Vergabe gefunden werden konnten, schon mit vielen Textbeispielen aus dem Buch, in dem ein philosophierender Pirat und ein kritischer Papagei gewitzt über Sprache, Verstehen und Irrfahrten räsonieren, so lieferten die drei Preisträger nach der Verleihung in amerikanischem Englisch und in Deutsch den lautmalerisch-sprudelnden Beweis für Ostashevskys rasanten Wortstrom. Er selbst dankte auf Deutsch für den Preis, der im Sinne seiner Gedichte als „Schiff, das von Piraten erobert ist“, verstanden werden könne.

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