„Picasso und die Nachkriegsmoderne“
Im Kino und am Kaffeetisch

Münster -

Kunst über Café-Tischen: Das klingt ein wenig nach gefälliger Umwelt-Verhübschung. Doch dem legendären Documenta-Gründer Arnold Bode schwebte etwas anderes vor, als er 1955 in der Espressobar des Fridericianums neue Lithografien von Pablo Picasso aufhängte. Er wollte – zehn Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs – die zeitgenössische Kunst in den Alltag integrieren, erklärt Alexander Gaude, der die hauseigene Ausstellung im Kunstmuseum Pablo Picasso kuratiert hat. Picassos schon 1932 entstandenes „Mädchen vor einem Spiegel“ hingegen diente dem Ausstellungsmacher Bode wohl als moderner Klassiker, der sich im zentralen Malersaal von den neuen abstrakten Gemälden aus Frankreich abhob. Ihnen ist ja derzeit die Haupt-Ausstellung in Münster gewidmet.

Dienstag, 28.05.2019, 17:22 Uhr
Picasso in seinem Atelier vor einigen Skulpturen
Picasso in seinem Atelier vor einigen Skulpturen Foto: David Douglas Duncan

Dass die Schau „ Picasso und die Nachkriegsmoderne“ auch die ersten Documenta-Ausstellungen in den Blick rückt, mag auf den ersten Blick überraschen: Man hat sich so sehr an den Großmeister Picasso gewöhnt, dass man ihn in diesem Kontext kaum noch erwartet. Doch das Gegenteil ist wahr: Im Jahr 1959 lieferte er mit seiner Skulpturengruppe „Die Badenden“ einen der Höhepunkte in Kassel. Ein bekanntes Foto von David Douglas Duncan zeigt ihn bei der Arbeit an solchen Werken.

Andere Fotografien, die das Museum extra für diese Schau in Auftrag gegeben hat, dokumentieren eine weitere originelle Facette im Nachkriegs-Werk Picassos: Die Begegnung mit dem norwegischen Bildhauer Carl Nesjar , einem Experten der Betongravur, ermöglichte es Picasso, sein Oeuvre um Monumentalskulpturen zu erweitern. Sie wurden von Nesjar ausgeführt und finden sich vorwiegend im skandinavischen Raum. Kurator Alexander Gaude korrigiert in diesem Kontext die Legende, Picasso habe Nesjar einfach ein paar seiner „normalen“ Skulpturen übergeben und ihn dann die großen Betonversionen machen lassen: Es war vielmehr ein künstlerischer Austausch, weil Picasso bei den Werken für den öffentlichen Raum auch die Plätze einbezog, an denen sie aufgestellt wurden. In der Realität gesehen aber hat er sie nie.

Wie Picasso auch das Kino beeinflusst hat, wird am Ende der Schau mit zwei Ausschnitten dokumentiert: In Truffauts „Jules et Jim“ sind Gemälde früher Perioden zu sehen, die auf die Handlungszeit des frühen 20. Jahrhunderts hinweisen. Godard, der ebenfalls Picasso-Werke zeigt, verwendet in „Pierrot le Fou“ gar farbliche Versatzstücke eines Gemäldes für seine Kino-Bildsprache. Das spanische Genie mischt einfach überall mit.

Zum Thema

Picasso und die Nachkriegsmoderne. Kunstmuseum Pablo Picasso Münster, bis 29. September, Di bis So 10 bis 18 Uhr

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