„Rita will’s wissen“ im Boulevard Münster
Das wirkt wie ein Lebenselixier

Münster -

Rita hat Herz und Schnauze auf dem rechten Fleck. Als sie staunend in die urige Bücherstube des Literaturdozenten Frank stolpert, sprudelt die Begeisterung aus der 29-jährigen Friseuse nur so heraus. In einem fröhlich derben Arbeiter-Jargon, den der professorale Feingeist nicht alle Tage hört. Aber genau diese Sprache will Rita nun loswerden – mittels Kenntnis der hohen Literatur. So eine Studentin hat dem trinkfesten Griesgram gerade noch gefehlt!

Sonntag, 16.06.2019, 16:20 Uhr
Literaturprofessor Frank (Marcus Angenvorth) und seine Schülerin Rita (Maria Goldmann) kommen sich langsam näher.
Literaturprofessor Frank (Marcus Angenvorth) und seine Schülerin Rita (Maria Goldmann) kommen sich langsam näher. Foto: Pittermann

Der doppelte Boden in puncto Bildung ist Willy Russells Komödie „Rita will’s wissen“ bereits eingebaut – ist sie doch eine hübsche Variation des „Pygmalion“-Stückes von George Bernard Shaw, das wiederum als Musical „My Fair Lady“ legendär wurde (dessen berühmte Hits denn auch kurz im Boulevardtheater erklingen). Das Stück spielt also mit genau jenem Bildungsdünkel, der nicht wenige Snobs von leichten Stoffen oder Boulevard-Bühnen fernhält. Die tolle Inszenierung von Klaus Dieter Köhler hätte bei der Premiere mehr Publikum verdient, erntete aber umso lauteren Applaus.

Für die Schauspieler ist die Sache knifflig: Krachlederner Slapstick verbietet sich hier ebenso wie zu hohes Pathos – obwohl Michael Caine in der Filmversion 1983 seinen Frank teils als zerknautschten Schmerzensmann gespielt hatte. Markus Angenvorth setzt dagegen auf melancholischen Sarkasmus, der zur Bühne des Boulevardtheaters besser passt. Und Maria Goldmann lotet als Rita sämtliche Facetten dieser sympathischen Figur aus. Ihre erste Rolle im Boulevard Münster und hoffentlich nicht die letzte.

Apropos sympathisch: Der Intellektuelle Frank ist ob der naiven Begeisterung des Working-Class-Girls sofort hingerissen – was ihn in die Bredouille bringt: Durch sein pädagogisches Wirken beschädigt er jenen Teil ihres Wesens, in den er sich immer mehr verliebt (während Shaws kalter „Prof. Higgins“ das Blumenmädchen Eliza wie eine Statue formen wollte). Für Rita ist das Ganze eine Emanzipationsgeschichte. Aus eigenem Antrieb will sie nicht nur dem tumben Ehemann, sondern vor allem ihrem Milieu entfliehen – wo man im Pub „Atemlos durch die Nacht“ grölt –, auf dass sie nicht mehr Oscar Wilde mit Gina Wild verwechsle. Die (oft aktuellen) Anspielungen machen Spaß, und vom Beatles-Song bis zu Jürgen Klopp wird Liverpool Reverenz erwiesen. Ein Boulevard-Stück, das Shakespeare und Co. wie ein Lebenselexier preist, sollte man sich nicht entgehen lassen.

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