„Flurstücke“ in Münster mit großer Bandbreite zwischen Feuerwerk und akustischer Intervention
Fröhlicher Ausnahmezustand

Münster -

Die Stadt Münster war auf den Beinen, und das bis spät in die Nacht. Die dritte Ausgabe der „Flurstücke“, alle vier Jahre in Münster zu erleben und zu bestaunen, bildete auch diesmal die ganze künstlerische Bandbreite ab und begeisterte rund 30 000 Zuschauer und Zuhörer. Vom Wortbeitrag über minimalistische Akustik-Interventionen bis hin zum tosenden Fässer-Finale.

Sonntag, 23.06.2019, 17:10 Uhr
Am Aasee machten die Besucherinnen und Besucher des Flurstücke-Festivals Bekanntschaft mit einem Nilpferd. Es war aber nicht den Untiefen des Sees entstiegen, sondern zählte zum „Punch-Agathe-Panoptikum“.
Am Aasee machten die Besucherinnen und Besucher des Flurstücke-Festivals Bekanntschaft mit einem Nilpferd. Es war aber nicht den Untiefen des Sees entstiegen, sondern zählte zum „Punch-Agathe-Panoptikum“. Foto: Wilfried Gerharz

Ein Dutzend grimmig gestaltete Akteure der französischen Gruppe „Générik Vapeur“ schoben und trugen blaue Fässer am späten Samstagabend durch die nächtliche Innenstadt, begleitet von wummernder Musik, Böllerschüssen und Feuerwerk. Von der Salzstraße aus bahnte sich die gespenstische Parade, der mehrere Tausend Menschen folgten, ihren Weg durch die City. Auf dem Domplatz dann das Finale: Eine aufgestapelte Fässerpyramide fiel wie auf ein geheimes Zeichen hin krachend in sich zusammen. Tosender Applaus für die Franzosen.

Am Nachmittag bevölkerten ungewöhnliche Wesen Aasee-Terrasse und Aa-Seitenweg bei der LBS. „Punch Agathe“, die riesige Kasperle-Figur, lümmelte im Gras, während ein Hippo oben auf der Brücke für Aufregung sorgte und in der Aa zwei Wasserwesen Klagegesänge zur Wasserorgelmusik anstimmten.

Tanz und Artistik in feiner Kombination bot „Motionhouse & NoFit State Circus“ aus Großbritannien. Besonders hintersinnig kam die Zungenbrecher-Aktion von Friederike Koch und Christof Debler daher. Von Plattdeutsch bis Polnisch und von Arabisch bis Französisch waren da regelrechte Sprechkonzerte zu erleben. Eine ganz andere künstlerische Variation bot die raffinierte Zucker-Aktion von Angie Hiesl und Roland Kaiser. Sie lieferten „Fat Facts“, dabei ging es um Ernährung, Körperempfinden und ganz viel verschütteten Zucker. Das bot Diskussionsstoff.

Eher eine Enttäuschung war hingegen die „Intervention“ mit dem Titel „Die Kurve“ (The Curve) der amerikanischen Künstlerin Adrian Williams. Das Vier-Minuten-Konzert verklang am Freitagabend zur Sonnenuntergangszeit unspektakulär im weiten Rund des altehrwürdigen Preußenstadions, und Musikschulleiterin Friedrun Vollmer fragte lachend und zu Recht: „So viel Aufwand für einen Fingernagel Musik?“

Vielleicht war das aber auch gerade der Gag dieser Intervention, angesetzt zur Sonnenuntergangszeit, und möglicherweise haben sich an diesem Mittsommerabend einige gefühlt wie jene, die solche Zeiten schon an den Externsteinen oder in Stonehenge verbracht haben. Ein magischer, kosmischer Moment mit der untergehenden Sonne? Vier Minuten tönt und tutet die sechsköpfige Kapelle mit Schlagwerk, Tuba und Posaunen, verstärkt durch die Lautsprecher durchs Stadion.

Etwas ratlos verharrte das Publikum danach auf den Treppenstufen, dann klatschte es zaghaft, bevor es sich mehr oder minder amüsiert oder frustriert wieder auf den Weg nach Hause oder zur nächsten Performance begab. Merke: Flurstücke-Gäste nehmen auch noch den kleinsten kulturellen Anstoß gerne mit.

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