Gintersdorfer/Klaßen: Institut für unvorhergesehene Zusammenarbeit
Dauerschnellproduktionstheater

Münster -

Plötzlich habe jemand vor ihm gestanden, schmunzelt Knut Klaßen, und gesagt: „Institut für unvorhergesehene Zusammenarbeit? Hey, hier bin ich!“ Ein gutes Omen für die Partizipationsfreude der Besucher des am ehemaligen Lindenhof errichteten Pavillons.

Sonntag, 23.06.2019, 18:08 Uhr aktualisiert: 24.06.2019, 18:26 Uhr
Bauhaus-Gymnastik: Carlos Gabriel Martínez windet sich um zwei Stühle, die Knut Klaßen entworfen hat.
Bauhaus-Gymnastik: Carlos Gabriel Martínez windet sich um zwei Stühle, die Knut Klaßen entworfen hat. Foto: Wolfgang A. Müller

Der skelettöse Bau (gestaltet nach einer 1942 in Mexiko errichteten Konstruktion des ehemaligen Bauhaus-Leiters Hannes Meyer ) ist Basis wie Manifestation des „Dauerschnellproduktionstheaters“. Eine dinglich gewordene Idee, in der die gegenseitige Befruchtung zweier verschiedener gestalterischer Ansätze stattfindet: Neben dem am Kollektiv orientierten Geist des Hannes Meyer spukt hier der seines Bauhaus-Kollegen Josef Albers, eines eher unpolitischen Formenforschers.

Vier Tage lang hat das rund zehnköpfige Ensemble Gintersdorfer/ Klaßen in offenen Proben Ideen gesammelt, mit „unvorhergesehenen“ Mitarbeitern wie Studierenden der Kunstakademie kooperiert und in jeweils fünf Stunden Performances auf die Beine gestellt. Immer im Sinne Meyers, der postulierte, ein Kollektiv sei umso leistungsfähiger, je unterschiedlicher die Talente der Mitwirkenden sind.

Und jeden Tag um 17 Uhr wurde zur Show geladen. Da gibt es einen Tanz mit von amerikanisch-indigener Kultur inspirierten Papp-Masken. Danach lädt Monika Gintersdorfer zum launigen Ballwerfen mit anschließenden Körperschwüngen zum Landeplatz des Projektils. Sie erzählt von einer Frau, die das für sie Nötigste so beschrieb: ein Bett, ein Tisch, zwei Stühle, Schutz vor Gewalt. Und während Knut Klaßen die Ideen der beiden Bauhaus-Pioniere im Pavillon erläutert, schnappt sich Carlos Gabriel Martínez zwei der weißen Stühle, die Klaßen selbst entworfen hat und von denen Bausätze zum Selbstschrauben in einer Ecke lagern. Er windet sich geschmeidig auf, an und unter dem bestechend einfachen und bequemen Mobiliar, das unter seinem Einsatz zu einem multifunktionalen Gerät, zu Bett, Tisch, Dach wird. Praktische Formvollendung!

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