„Hide and See(k)“ von KompleX KapharnaüM im Hansaviertel
Hinter die Fassaden geschaut

Münster -

„Hansaviertel?“ fragen die Neuankömmlinge. „Das ist schön!“, entgegnet eine männliche Stimme. Eine von vielen, die das französische Künstlerkollektiv KompleX KapharnaüM eingesammelt hat, um daraus ein mosaikhaftes Bild des Kiezes zwischen Hauptbahnhof und Hafen zu entwerfen.

Sonntag, 23.06.2019, 18:08 Uhr aktualisiert: 24.06.2019, 18:26 Uhr
Auf den Wänden ein Blick hinter die Fassaden: „Hide and See(k)“ stellte Menschen aus dem Hansaviertel vor.
Auf den Wänden ein Blick hinter die Fassaden: „Hide and See(k)“ stellte Menschen aus dem Hansaviertel vor. Foto: Gunnar A. Pier

„Es fühlt sich an, als würden wir ein neues Sonnensystem betreten“, tragen die Künstler nach ihrer Ankunft in einen Blog ein, der neben Fotos von Einwohnern, Textauszügen aus Interviews und Grafiken an die Hauswände projiziert wird. Von der profanierten Elisabeth-Kirche aus folgen ihnen auf den vier Inszenierungen ihrer stadtteilanthropologischen Exkursion Trauben von je über hundert Menschen. Mehrere Beamer lenken die Blicke kreuz und quer, aus Lautsprechern ertönen vielfältige Kommentare zum ebenso vielfältigen Leben vor Ort. Besonders zu den in den vergangenen Jahren spürbaren Veränderungen. Immer wieder klingen Sorgen um die soziale Balance an, aus der das Hansaviertel seine Attraktivität schöpft. Eine junge Mutter, die sich freut, dass ihre Kinder nicht in einer behüteten Blase aufwachsen, benennt die zwei Pole, die die Umgebung aktuell unter Druck setzen: „Vor fünf Jahren war‘s noch nicht so hip. Und gleichzeitig auch nicht so dreckig.“ Die Steigerung der Mieten sei krass, die Probleme am Bremer Platz nagen, auch an denen, die sich dort aufhalten, wie am porträtierten „Kind reicher Eltern“, das im Drogenkonsumraum ein Refugium findet.

Hinter glänzenden Marketing-Fassaden entdecken die Künstler eine „Silhouette voller Ängste und Träume“, die sie mit Empathie und Humor füllen, etwa als sich drei Männer mit Migrationshintergrund vorstellen: aus dem Iran, aus Tunesien, aus Lüdinghausen. Oder als am Ende Zukunftswünsche erklingen: ein Lamborghini (von einem kleinen Jungen), mehr sozialer Zusammenhalt, weniger Konfrontation. Dass Letzteres leicht zu haben ist, mussten die Veranstalter am ersten Abend zur Kenntnis nehmen, als Anwohner das städtische Ordnungsamt herbeiriefen.

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