Heinz Mundt hat als Kontrabassist im Sinfonieorchester Münster viel erlebt
„Auf ein Bier mit Jopi Heesters“

Münster -

Heinz Mundt war viele Jahre Kontrabassist im Sinfonieorchester Münster. Da hat der heute in Havixbeck lebende Musiker prägende Zeiten und Begegnungen mit Weltstars erlebt. Darüber berichtet er im Interview mit Arndt Zinkant.

Freitag, 05.07.2019, 17:42 Uhr aktualisiert: 06.07.2019, 11:20 Uhr
Der Kontrabassist Heinz Mundt an seinem Flügel in seiner Wohnung in Havixbeck.
Der Kontrabassist Heinz Mundt an seinem Flügel in seiner Wohnung in Havixbeck. Foto: Arndt Zinkant

Musikschule, Musikhochschule und Sinfonieorchester werden in diesem Jahr 100 und präsentieren sich in Feierlaune, wie zuletzt beim Open Air zu Pfingsten eindrucksvoll erlebt. Über die Hälfte dieser langen Zeitspanne hat Heinz Mundt miterlebt: Vier Generalmusikdirektoren und legendäre Aufführungen fallen in seine aktive Zeit. Aber Mundt kennt Münsters Musikleben nicht nur aus dem Orchestergraben, sondern hat auch als Dirigent und Pädagoge gewirkt. Und: Der reiselustige Musiker traf über die Jahre viele Prominente – und saß mit ihnen an der Theke.

Herr Mundt, kürzlich wurde das 100-jährige Orchesterjubiläum mit Orffs „Carmina Burana“ gefeiert – mit Hunderten von Laiensängern. Haben Sie in Ihrer Zeit als Kontrabassist im Orchester auch eine besondere Aufführung des Werkes erlebt?

Heinz Mundt: Ja – mir ist noch gut im Gedächtnis, wie wir es im Beisein von Carl Orff gespielt haben. Ich sehe ihn noch unter frenetischem Beifall in der Halle Münsterland die Treppe hinabsteigen; das muss 1965 oder kurz danach gewesen sein. In jenem Jahr spielte ich erstmals hier in Münsters Sinfonieorchester.

Das war noch in der Ära von GMD Reinhard Peters (1961-1970). Was war das Besondere an ihm?

Mundt: Einmal seine großartige Dirigiertechnik. Ebenso war er ein exzellenter Pianist und Geiger, übrigens Pfarrerssohn wie ich selber. Peters brachte es fertig, an einem einzigen Mozart-Abend die Jupiter-Sinfonie zu dirigieren und außerdem eins seiner Violinkonzerte und noch eins der Klavierkonzerte als Solist zu spielen! Wer kann so was heute noch?

Welche von Münsters prägenden Dirigenten haben Sie bis zur Pensionierung 2001 erlebt?

Mundt: Reinhard Peters, Alfred Walter , Lutz Herbig und Will Humburg. Am stärksten hat mich die Ära Walter geprägt. Während dieser Zeit erhielt ich auch 1977 meine feste Orchester-Stelle. Walter nahm für sich ein durch seine bescheidene Art und hohe Bildung, er hatte ja auch Philosophie studiert. Seine charmant auf Österreichisch moderierten Neujahrskonzerte waren legendär.

Und er hat das Orchester auch zu Ehren in Sachen Mahler geführt …

Mundt: Wir erhielten 1981 die Gustav-Mahler-Medaille für die Aufführung aller Sinfonien, ausgenommen die Achte. Die holte Lutz Herbig dann später nach – und er zählte immer so laut! (lacht)

Oft wird gesagt, dass die Orchester über die Jahrzehnte immer emanzipierter wurden, die Dirigenten dafür weniger autoritär. Stimmt’s?

Mundt: Das ist grundsätzlich richtig – für Münster stimmt es nur teilweise. Denn Will Humburg gab sich deutlich autoritärer als Al­fred Walter. Mit manchem Orchestermusiker verband ihn eine Art Hassliebe. Aber ohne seine Genialität hätten wir den noch immer legendären „Ring des Nibelungen“ Ende der 90er wohl nicht so gut gemeistert.

Wie kam es, dass Sie gelegentlich selbst dirigierten?

Mundt: Ich hatte schon in frühen Jahren Dirigierkurse belegt, später sogar bei Sergiu Celibidache. Das meiste habe ich mir jedoch bei Al­fred Walter abgeschaut. 1986 dirigierte ich dann erstmals Musiker unseres Sinfonieorchesters im Kammer­ensemble. Bereits nach zwei, drei Schlägen haben sie mich zum Glück akzeptiert (lacht). Unser Geiger Muharrem Cenker spielte eines der Bach-Konzerte.

Und in den 90er Jahren dirigierten Sie ein Benefizkonzert zugunsten von Unicef?

Mundt: Kurt Masur hatte diverse Musiker und Orchester dazu aufgerufen. Und hier brachte ich dann den berühmten Geiger Saschko Gawriloff mit unserm tollen zweiten Konzertmeister Mihai Ionescu bei Bachs Doppelkonzert zusammen. Ich hatte auf meinen Reisen viel Elend gesehen, besonders in Indien. Deshalb wollte ich musikalisch mein Scherflein Hilfe leisten. Heinz Mundt am Kontrabass in der Humburg-Ära. Foto: Britta Schulte

Sie haben Ihre Kollegen in Münster nicht nur dirigiert, sondern ja über die Jahre auch gezeichnet.

Mundt: Ja, zum Teil Por­träts, zum Teil aber auch „Kopf-Stenogramme“, wie ich es gern nenne. Schnelle Skizzen mit wenigen Strichen, die während der Proben entstanden. Die meisten hängen nun im Kellerbereich des Theaters, wo sich auch die Stimmzimmer befinden. Ich habe jetzt zum Orchesterjubiläum einen kleinen Bildband davon produziert, den man bei der Christlichen Theatergemeinde (Bergstr. 6) bekommen kann.

Heinz Mundt

Der 79-jährige Kontrabassist ist ein Multitalent. Anfangs spielte der Pfarrerssohn aus Fürstenau die Kirchenorgel bei seinem Vater, wurde später dann Klavierpädagoge (Martin Henning, Leiter des Philharmonischen Chors Münster, gehörte einst zu seinen Schülern). Sein Berufsinstrument aber wurde der Kontrabass, den er zunächst in Osnabrück und ab 1965 im münsterschen Sinfonieorchester spielte; bis zur Pensionierung 2001. Der Bassist gehört zu den wenigen Orchestermusikern, die ihre Kollegen dirigieren durften. Mundt hat vom romantischen Klavierstück bis zum Karnevalsschlager auch vieles komponiert, ist begeisterter Zeichner und hat als Hobby-Tischler schon so manche antike Truhe restauriert.

...

Wie hat sich Münsters Orchester verändert?

Mundt: Als ich 1965 hier erstmals spielte, gab es nur zwei weibliche Kollegen: die Harfenistin Clothilde Depenheuer-Oelmüller und die Geigerin Liligret Keil-Mohr. Heute liegt der Frauen-Anteil etwa bei der Hälfte. Diese Entwicklung haben die meisten Orchester genommen. Und: Früher wurde mehr gescherzt. Nach der Anspannung des Konzerts ging man meist noch auf ein Bier zusammen weg. Heute wirkt alles irgendwie ernsthafter.

Sie haben auch mit mancher Berühmtheit an der Theke gesessen, oder?

Mundt: Mit vielen! Ich lernte auf meinen Reisen etwa den berühmten Jazz-Bassisten Ray Brown kennen, ebenso René Kollo oder auf Mallorca Norbert Schultze, der „Lili Marleen“ komponiert hat. Mit Jopi Heesters habe ich in Osnabrück 1963 so manches Bier getrunken - Heesters war damals schon fast 60. Als wir „Hochzeitsnacht im Paradies“ aufführten, kam er immer mit zwei Tänzerinnen im Arm aus dem Theater. Und dann wurde gebechert! (lacht) Heinz Mundt und Tenor René Kollo in den 1980er Jahren Foto: Theater Münster

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