Sinfoniekonzert mit zwei sehr unterschiedlichen Werken
Mehr als ein schönes Adagietto

Münster -

Ein Trauermarsch, wuchtig und dunkel, der sich zu einem großen Klageruf steigert – so beginnt Gustav Mahlers fünfte Sinfonie und lässt direkt danach, als eigentlichen Eröffnungssatz, einen vehementen dramatischen Sturm aufziehen. Wie daraus am Ende ein Choral hervorbricht, der aber wieder in die dunkle Grundstimmung zurückgeführt wird und so nur als Vorschein einer kommenden Erlösung wirkt: Das ist einer der stärksten Momente in der Geschichte der Sinfonie – und ein Beleg für Mahlers dramaturgisches Gespür.

Mittwoch, 10.07.2019, 16:14 Uhr
Münsters Generalmusikdirektor Golo Berg
Münsters Generalmusikdirektor Golo Berg Foto: Oliver Werner

Von dem hätte man Franz Wüllner auch etwas mehr gewünscht. Denn das „Te Deum“ des 1832 in Münster geborenen Musikers, der als Dirigent in München zwei Musikdramen Richard Wagners uraufführte, fühlt sich wie ein halbstündiges „Halleluja“ mit Pauken und Trompeten an. Diesen Eindruck vermittelte es jedenfalls als Eröffnungsstück des letzten Sinfoniekonzerts dieser Spielzeit in Münster. Im Bestreben, das Jubiläumsjahr des Orchesters mit möglichst viel Münster-Musik auszustatten, hatte Golo Berg das Werk – es ist Kaiser Wilhelm II. gewidmet – seiner Aufführung der fünften Mahler-Sinfonie vorangestellt. Aber wie soll der rechtschaffene Handwerker Wüllner gegen das Genie Mahler bestehen? Orchester und Konzertchor gaben sich alle notwendige Mühe mit dem Stück. Aber über den Uraufführungsort Köln und die Verwendung kontrapunktischer Techniken haben diese beiden Kompositionen wenig gemein.

Bei Mahlers Fünfter hingegen war am Dienstag im Großen Haus schon die erste knapp halbstündige „Abteilung“ bis zum Vorschein des Choralthemas ein mitreißendes und bewegendes Erlebnis. Weil Dirigent Golo Berg so streng verfuhr, wie Mahler es zu Beginn vorschreibt, und den Spannungsbogen bis zum Trompetenglanz des Choralthemas wölbte, und weil das Orchester sich hier in glänzender Verfassung präsentierte.

Dass Berg als Mahler-Interpret auch ein Freund der flexiblen Agogik ist, zeigte sich im ausgedehnten Scherzo, dessen anfängliche Harmlosigkeit sich im weiteren Verlauf als trügerisch erweist. Geradezu graziös gestalteten die Streicher die Walzer-Episode, und Berg kostete die von Mahler vorgegebenen Tempo-Varianten in den Horn-Passagen hingebungsvoll aus. Wer diesen zentralen Satz bislang für den schwächsten Teil der Sinfonie hielt, durfte sich hier eines Besseren belehren lassen.

Und doch wartet bei Mahlers Fünfter natürlich jeder auf das berühmte Adagietto, das dem Komponisten als Liebesbrief an Alma diente: Streicher und Harfe gaben dem Satz kitschfreie Klangfülle, und Berg akzentuierte mit winzigen Verzögerungen den schmerzlich-schönen Duktus. Dem sanften Verklingen folgte ohne Zäsur der Finalsatz, an dessen Beginn sich die Bläser mit zen­tralen Themenfragmenten zurückmelden – und Golo Berg hütete sich, die ohnehin mächtige Wirkung des am Ende glorios gesteigerten Choralthemas durch Tempoverbeiterung zu übertreiben, sondern wählte auch hier eine strenge Gangart. Was die Zuhörer im Großen Haus mit jubelndem Beifall honorierten, der natürlich besonders den Solisten an Horn und Trompete galt.

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