Varusschlacht: In Kalkriese wird wieder gegraben
Römer geben immer neue Rätsel auf

Bramsche/Kalkriese -

Auf dem vermuteten Gelände der Varus-Schlacht in Kalkriese bei Bramsche wird wieder gegraben. Die Archäologen suchen nach einer Bestätigung danach, ob sich hier ein provisorisches Marschlager als Teil der Schlacht befand. Die Römer geben immer neue Rätsel auf.

Donnerstag, 26.09.2019, 18:30 Uhr
Grabungsstelle auf dem Gelände der Varusschlacht im Osnabrücker Land in Kalkriese: Hier laufen in einem rund 60 Quadratmeter großen Schnitt bis Mitte Oktober neue Grabungen. Befand sich an dieser Stelle ein römisches Marschlager? Mittels geoarchäologischer Untersuchungen soll die Landschaftsgeschichte des Ortes besser verstanden werden. Natürlich kommen auch Metallsonden (kl. Bild) zum Einsatz.
Grabungsstelle auf dem Gelände der Varusschlacht im Osnabrücker Land in Kalkriese: Hier laufen in einem rund 60 Quadratmeter großen Schnitt bis Mitte Oktober neue Grabungen. Befand sich an dieser Stelle ein römisches Marschlager? Mittels geoarchäologischer Untersuchungen soll die Landschaftsgeschichte des Ortes besser verstanden werden. Natürlich kommen auch Metallsonden (kl. Bild) zum Einsatz. Foto: dpa

Es ist erst zwei Jahre her, da stießen die Archäologen unter der Leitung von Prof. Salvatore Ortisi bei einem Probeschnitt auf dem Oberesch in Kalkriese auf einen typischen römischen Spitzgraben. Plötzlich geriet eine alte These ins Wanken – die nämlich von einer von den Germanen vor 2000 Jahren angelegten Wallanlage, hinter der sich die Mannen unter Cheruskerfürst Arminius im Jahre 9 nach Christus verschanzten, um die vorbeiziehenden Römer in einem Defilee-Gefecht zwischen Wald und Sumpfgelände niederzumetzeln.

Die Grabungen 2018 und auch die jetzt wieder auf dem Oberesch durchgeführten großflächigen Grabungsfelder wurden angelegt, um die Fortsetzung des Spitzgrabens zu finden und die These von einem Marschlager der Römer im Kontext der Varusschlacht zu überprüfen. Das allerdings ist, wie Sammlungsleiter Dr. Stefan Burmeister im Gespräch erläutert, bislang nicht gelungen. Weil, wie der Fachmann erklärt, bestimmte Bleichsandhorizonte und Schichtabfolgen bislang nicht zu der These einer geschlossenen Marschlagerbefestigung passen.

Für die künftige museale Arbeit im Museum und Park Kalkriese sind die neuerlichen Grabungen von fundamentaler Bedeutung. Denn bislang war die Präsentation des Schlachtengeländes mit Aussichtsturm, nachgebildeter Wallanlage und schweren Metallplatten, die den Weg der Varus-Truppen andeuten, auf ein hier konkret vermutetes Schlachtenszenario ausgerichtet. Da würde ein nachgewiesenes Marschlager einen gewaltigen Strich durch die Rechnung machen. Aber auch ein solches möglicherweise unter dem Eindruck der Schlacht asymmetrisch errichtetes Marschlager wäre kein Widerspruch zu der These, dass hier am Fuße des Wiehengebirges im Jahre 9 nach Christus jene legendenumwobene Varusschlacht tobte, in deren mehrtägigem Verlauf drei Legionen zerrieben wurden.

Auch Metallsonden kommen zum Einsatz.

Auch Metallsonden kommen zum Einsatz. Foto: Friso Gentsch

Der Fundhorizont verdichtet sich jedenfalls bei den Grabungen ständig, wie Stefan Burmeister erläutert. Auch jüngst sind wieder Gewandfibeln und Reste eines größeren Truhenschlosses zum Vorschein gekommen. Auch eine reich verzierte Gürtelschnalle bringt den Restauratoren gute Laune. Denare und Asse finden sich beim Schürfen und Sieben ständig. In der weiteren Umgebung rund um den Museumspark sind die Archäologen permanent als Baustellenbegleiter unterwegs, etwa dann, wenn Grundstücke ausgehoben oder Glasfaserkabel verlegt werden. Nichts soll den Archäologen am Fuße des Wiehengebirges durch die Lappen gehen.

In einem von Volkswagen unterstützten Forschungsprojekt und einer damit verbundenen Doktorarbeit werden zurzeit auch Buntmetallfunde untersucht. Sie sollen Aufschluss darüber gehen, welche Legion am Kalkrieser Berg unterging. Ob Varus seine Finger hier im Spiel hatte oder vielleicht doch der wenige Jahre später hier aufkreuzende Feldherr Germanicus.

Die aktuelle Grabungskampagne

iel der aktuellen Grabungskampagne, die noch bis Oktober dauert, ist es, weitere Erkenntnisse zu den bisher entdeckten Wall-Graben-Anlagen zu gewinnen und die Befunde in einen Gesamtzusammenhang zu bringen.Dazu hat das Kalkrieser Archäologie-Team in Kooperation mit der Universität Osnabrück und in Zusammenarbeit mit der Ludwig-Maximilians-Universität München auf dem Oberesch einen rund 60 Quadratmeter großen Schnitt und eine 30 Meter lange Sondage angelegt.Die diesjährigen Ausgrabungen sind eine Fortführung der Grabungen der letzten Jahre. Auf der nördlichen Seite des Museumsparks ist vor drei Jahren eine weitere Wall-Graben-Anlage entdeckt worden. Es soll überprüft werden, ob die beiden Wälle zu einer gemeinsamen Anlage gehören.Perspektivisch wollen die Forscher ein durchgehendes Profil des Obereschs erstellen und so ein zusammenhängendes Bild von diesem Ort erhalten.

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Die Perspektiven für Kalkriese als Geschichts-, Forschungs- und Museumsort sehen glänzend aus. In diesen Kontext passt auch der jüngste Besuch des niedersächsischen Finanzministers Reinhold Hilbers in seiner Funktion als Grabungspate. „Kalkriese bleibt ein spannendes wissenschaftliches Projekt. Die langjährige Kooperation des Museums mit der Universität Osnabrück im Bereich der Forschung hat sich bewährt und bietet unseren Studierenden spannende Ansatzpunkte in der Lehre“, freut sich die designierte Präsidentin der Universität Osnabrück, Prof. Dr. Susanne Menzel-Riedl. Dr. Joseph Rottmann, Geschäftsführer Varusschlacht im Osnabrücker Land, bilanziert zuversichtlich: „Seit mehr als 30 Jahren wird in Kalkriese geforscht; seit über 20 Jahren im Rahmen von staatlichen Grabungen. Hier ist noch lange nicht alles eindeutig geklärt – genau das macht das Projekt so spannend und ich bin zuversichtlich, dass hier noch Arbeit für viele Generationen von Archäologen ist.“ Die Grundfinanzierung der Archäologie in Kalkriese sei auf der Basis der Regelungen mit dem Land Niedersachsen und dem Landkreis Osnabrück für die kommenden Jahre gegeben, so Rottmann. Es liefen Gespräche mit der Politik, die Fördermittel zu erhöhen.  

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