Erstes Sinfoniekonzert der neuen Saison in Münster
Wenig Platz für Schwelgerei

Münster -

Golo Berg dirigierte im ersten Sinfoniekonzert der Saison in Münster die vierte Sinfonie von Johannes Brahms

Mittwoch, 02.10.2019, 15:46 Uhr
Shengzhi Guo
Shengzhi Guo Foto: Philippe Ramakers

„Die Kunst, ohne Einfälle zu komponieren, hat entschieden in Brahms ihren würdigsten Vertreter gefunden“, ätzte Hugo Wolf über seinen älteren Komponistenkollegen. Und der Kritiker und Brahms-Freund Eduard Hanslick fühlte sich angeblich „von zwei schrecklich geistreichen Menschen durchgeprügelt“, als er die vierte Symphonie hörte. Der geistreiche Musik-Konstruktivist Johannes Brahms, den Schönberg und seine Schüler zurecht als fortschrittlich ansahen, stand im Mittelpunkt des ersten Sinfoniekonzerts der Saison.

Schönbergs Schüler Anton Webern lieferte den Auftakt, er hatte das sechsstimmige Ricercar aus Bachs „Musikalischem Opfer“ einst für Orchester bearbeitet. Und Münsters Orchestermusiker zeigten unter der Leitung von Golo Berg , wie kunst- und gefühlvoll zugleich Webern das „königliche Thema“ durch die Instrumente wandern lässt – vom Beginn der gedämpften Solo-Blechbläser bis zum paukenwirbelnden Finale. Die Kombination von struktureller Durchhörbarkeit und orchestraler Sinnlichkeit machte diese rund zehn Minuten Musik zum frühen Höhepunkt des Abends.

Virtuosenfutter

Über Bernhard Rombergs neuntes (!) Cellokonzert lässt sich das nicht unbedingt sagen. Der aus Münster stammende Komponist und Cellovirtuose hatte sich mit dem 1824 uraufgeführten Werk ein üppiges Virtuosenfutter-Menü geschaffen, und Shengzhi Guo, der Solocellist des Sinfonieorchesters, nahm die Herausforderung mit überlegenem Zugriff an, brillierte im Wirbel der Ecksätze und sorgte mit fein dosiertem Rubato dafür, dass immerhin der Andante-Mittelsatz hörenswert geriet. Großer Applaus und viele Blumen für den Solisten – und der Wunsch, ihn beim nächsten Mal mit etwas Gewichtigerem zu hören. Wie wäre es denn mit dem Doppelkonzert von Johannes Brahms?

Dessen vierte Sinfonie, die er noch vor dem besagten Konzert komponierte, wurde zum bejubelten Ausklang des Abends, obwohl Golo Berg nicht gerade auf spätromantische Schwelgerei setzte. Gerade im ersten Satz richtete er den Blick auf jenen fortschrittlichen Brahms, der aus kleinen Motivbausteinen einen sinfonischen Bau errichtet. Die rhythmischen Gegensätze waren penibel herausgearbeitet, nachgiebige Tempi oder geheimnisvolles Raunen hatten hier ebenso wenig Platz wie in weiten Teilen des langsamen Satzes – bis dort gegen Ende das Gesangsthema in den Streichern aufblühen durfte.

Das Sinfonieorchester Münster setzte diese Interpretation auf zwingende Weise um und durfte dafür im dritten Satz lustvoll lospfeffern: Fast schien es, als hätte es der Dirigent mit dem knackig aufgeputzten Tschingderassa auf den (zaghaft versuchten) Zwischenapplaus angelegt. Und im Finale schließlich, dessen konstruktive Bach-Huldigung den programmatischen Bogen zu Webern schlug, durften die Musiker neben Tutti-Wucht auch individuelle Klangschönheit im Mittelteil ausbreiten, etwa beim schönen Flötensolo und den satten Blechchorälen. Das war eben doch geist- und einfallsreich zugleich.

Zum Thema

Noch eine Aufführung am Sonntag um 18 Uhr im Großen Haus

...
https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/6974285?categorypath=%2F2%2F84%2F61%2F93%2F3825912%2F
Legenden, Freaks und coole Socken
Kinder der Kita St. Peter und Paul in Nienborg singen im Karaoke-Studio „Däpp Däpp Däpp, Johnny Däpp Däpp“ . . .
Nachrichten-Ticker