Fritz-Winter-Haus
Die Lesbarkeit der Abstraktion

Ahlen -

Das Fritz-Winter-Haus in Ahlen zeigt ab Samstag, 5. Oktober, eine Retrospektive von Hans Jaenisch – ein sehenswerter Gang durch alle Schaffensphasen.

Freitag, 04.10.2019, 18:00 Uhr aktualisiert: 05.10.2019, 11:44 Uhr
Helga Gausling haben es die Werke Hans Jaenischs angetan. Schon seit den 70er Jahren sei sie ein „Fan“, berichtet die Leiterin des Fritz-Winter-Hauses (hier mit der Skulptur Stier, Bronze, 1950-52).
Helga Gausling haben es die Werke Hans Jaenischs angetan. Schon seit den 70er Jahren sei sie ein „Fan“, berichtet die Leiterin des Fritz-Winter-Hauses (hier mit der Skulptur Stier, Bronze, 1950-52). Foto: Sabine Tegeler

Hans Jaenischs künstlerische Welt ist in weiten Teilen eine abstrakte. Allerdings nicht so abstrakt, dass alles Figürliche fehlt. Im Gegenteil. Der Künstler, geboren 1907 und ein Zeitgenosse Fritz Winters, macht es dem Betrachter meist leicht, in den Werken zu lesen. Vorausgesetzt, man lässt sich auf das Spiel von Linien, Flächen und Farben ein.

Helga Gausling, Leiterin des Fritz-Winter-Hauses, präsentiert ab dem heutigen Samstag eine Jaenisch-Retrospektive und umschreibt die Jaenische Kombination von Abstraktion und Figürlichkeit ganz charmant und mit einem Zwinkern: „Jaenisch lässt die unschönen Details weg, die Falten im Gesicht zum Beispiel“, deutet sie auf den schlanken Violine spielenden Engel – oder ist es doch nur ein von der Sonne beschienenes Mädchen? – im Werk „Chanson“ von 1948.

Alle Schaffensphasen

Helga Gausling ist von Hans Jaenischs Kunst begeistert – von seiner Malerei und seinen Skulpturen. Die Retrospektive ist bereits die fünfte Jaenisch-Ausstellung im Fritz-Winter-Haus , aber die erste, die sich allen Schaffensphasen des Künstlers widmet – von ganz frühen figürlichen Werken, über die lebendig-schwungvollen Bronzen bis zur ab­strakten Nordsee-Phase, in der die sogenannten Amrum-Bilder entstanden, die den Einfluss der Natur auf die Malerei sichtbar machen.

Capriccio, 1953, Öltempera auf Karton.

Capriccio, 1953, Öltempera auf Karton. Foto: Sabine Tegeler

Dass Adelheid Jaenisch den künstlerischen Nachlass ihres Mannes 2010 in die Hände der Ahlenerin Helga Gausling legte, kommt nicht von ungefähr. Denn die Fritz-Winter-Nichte hatte die Jaenisch-Werke schon in den späten 70er Jahren für sich entdeckt, sie gefielen ihr einfach: „Ich war schnell ein Fan“, sagt sie heute.

Nachdem sie einige Bilder erworben hatte, nahm Adelheid Jaenisch Kontakt auf. Und die beiden Frauen wurden Freundinnen. „Leider habe ich Hans Jaenisch selbst nie kennengelernt“, sagt Helga Gausling. Er verstarb 1989 auf „seiner“ Insel, auf Amrum.

Nachlasspflege ist viel Arbeit

Helga Gausling ist sich der Verantwortung, die die Nachlassverwaltung mit sich bringt, bewusst. „Und es ist wahnsinnig viel Arbeit“, berichtet sie von der Rahmung der Bilder, der sachgerechten Lagerung, der Pflege. Aber Adelheid Jaenisch habe da auch gute Vorarbeit geleistet.

Rund 80 Werke sind in der Retrospektive zu sehen, sie bieten eine visuelle Wanderung durch die Schaffenszeit von den 1920ern bis in sein Todesjahr 1989. Sie thematisieren Geburt und Sterben, bestechen mal durch ihre Dunkelheit und mal durch einen fast schon poppigen Farbenrausch. Sie sind mal von kleinster Kleinteiligkeit und mal von vereinnahmende Größe. Wandelbarer, wunderbarer Hans Jaenisch.

Zum Thema

„Hans Jaenisch – Retrospektiv“: Eröffnung Samstag, 5. Oktober, 15 Uhr, Dauer bis 16. Februar, geöffnet Dienstag, Mittwoch, Samstag von 15 bis 18 Uhr und nach Vereinbarung, Fritz-Winter-Haus, Südberg 72-74

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