Ostwestfälische Punktlandung für Olga Tokarczuk
Nobelpreis-Wirbel in Bielefeld

Bielefeld -

Oberbürgermeister Pit Clausen hatte den schwierigen Namen geübt. So begrüßte er die frisch gekürte Literatur-Nobelpreisträgerin Olga Tokarczuk, angetan mit der goldenen Amtskette, am Donnerstagabend formvollendet vor der Bielefelder Stadtbibliothek. Das nämlich ist der Ort, an dem sich die 57-Jährige erstmals nach der Bekanntgabe der Nobelpreisträger der Öffentlichkeit stellte. Nein, sie habe nicht daran gedacht, ihre Lesung im Rahmen der Literaturtage abzusagen, versichert Olga Tokarczuk. Die Lesung war mit 313 Zuhörern ausverkauft.

Freitag, 11.10.2019, 16:10 Uhr
Oberbürgermeister Pit Clausen (M.) und Kulturdezernent Udo Witthaus geleiten die frischgebackene Nobelpreisträgerin Olga Tokarczuk in die Bielefelder Stadtbibliothek.
Oberbürgermeister Pit Clausen (M.) und Kulturdezernent Udo Witthaus geleiten die frischgebackene Nobelpreisträgerin Olga Tokarczuk in die Bielefelder Stadtbibliothek. Foto: Bernhard Pierel

Klaus-Georg Loest , stellvertretender Leiter der Stadtbibliothek und Organisator der Bielefelder Literaturtage, hatte bereits am Wochenende erfahren, dass Olga Tokarczuk zum engsten Kreis der Nobelpreis-Anwärter gehöre. Nach Rücksprache mit dem Kampa-Verlag, der die Tokarczuk-Titel auf Deutsch heraus gibt, wurden die Chancen dafür aber als „eher gering“ eingestuft. Begründung: Olga Tokarczuk sei zu jung für einen solchen Preis.

Für die Literaturtage verpflichtet hatte Loest die Schriftstellerin aus Polen bereits vor Monaten, damit diese ihr neues Buch „Die Jakobs-Bücher“ vorstellt. Dieses Buch passe zum Untertitel der Literaturtage 2019, die der „Kunst des Erzählens“ gewidmet sind.

Nach Bekanntgabe des Nobelpreis-Komitees am Donnerstag um 13 Uhr führte Loest mehr als 30 Interviews mit TV-Sendern und polnischen Radiostationen. Der WDR-Übertragungswagen rückte an, um für alle ARD-Sender zu berichten, das ZDF war da, die BBC, Presseagenturen auch aus Polen und Schweden. Medienrummel eben. Pit Clausen gratulierte dem Bibliotheksteam für das „wunderbare Timing“, Olga Tokarczuk genau für diesen Tag verpflichtet zu haben. Ausnahmsweise wurde die Stadtbibliothek um 18 Uhr geschlossen, um des Andrangs Herr werden zu können. Ruhig und gelassen blieb wohl einzig Olga Tokarczuk selbst: „It is my pleasure, es ist mir ein Vergnügen!“ Nur eines ließ sie sich nicht nehmen: Sie wollte sich vor der Lesung noch unbedingt umziehen.

Literaturliebhaber, die sich am Donnerstag bereits ein Buch der neue Literaturnobelpreisträgerin sichern wollten, hatten kaum Glück. Die wenigen Exemplare, die die Buchhandlung Eulenspiegel vom Titel „Unrast“ (2009) auf Lager hatten, waren sofort verkauft, auch anderswo mussten Kunden vertröstet werden. Die Buchhandlung Mondo dagegen hatte frühzeitig drei Titel geordert, denn Mondo betreut den Büchertisch bei den Literaturtagen.

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