Sonia Kacems „Between the scenes“ beim Kunstverein
Geheimnisse hinter Markisen

Münster -

Eine große Geste: Die tunesisch-schweizerische Künstlerin Sonia Kacem verwandelt den Ausstellungsraum des Westfälischen Kunstvereins.

Freitag, 18.10.2019, 17:14 Uhr aktualisiert: 25.10.2019, 15:26 Uhr
Links vier Kugelelemente, an der Decke vier weitere, die eine Halbkugel bilden – und hinten die großen Markisen.
Links vier Kugelelemente, an der Decke vier weitere, die eine Halbkugel bilden – und hinten die großen Markisen. Foto: Thorsten Arendt

Nähme man ein großes Kugelobjekt und schälte die Außenhaut ab, so fände man im Inneren womöglich jene Konstruktionselemente, die die tunesisch-schweizerische Künstlerin Sonia Kacem im Raum des Westfälischen Kunstvereins verwendet hat. Vier solcher Elemente hängen zur Halbkugel gefügt an der Decke, die anderen vier dieser Achtelkugeln liegen ineinandergeschichtet auf dem Boden.

Wer sich nun zu ihnen stellt und die Augen zum hängenden Objekt richtet, hat zugleich den optimalen Blick auf jene riesigen Stoffbahnen, die den noch größeren Teil der Installation „Be­t­ween the scenes“ bilden: dunkelrote Horizont-Streifen links, rotweiße senkrechte Streifen rechts, die so hübsch heimelig anmuten, als wären sie einer Eiscreme-Werbung entnommen. Auch einen Zeltplatz oder einen Zirkus mag man assoziieren.

Aufenthalt in Kairo

Die 1985 geborene Sonia Kacem stammt aus der Schweiz, die arabische Welt hat sie sich jetzt erst durch einen halbjährigen Arbeitsaufenthalt in Kairo angeeignet. Farben und Formen der Gebäude haben es ihr angetan (wovon Skizzen und Dias im Kabinett des Kunstvereins künden), besonders fasziniert war sie von den mit Stoffbahnen verhängten Balkonen der Menschen in den Hoch- und Reihenhäusern. Sie geben Schatten, nehmen aber auch mal durch Wind und Schwerkraft seltsame, reliefartige Formen an und verbergen, was hinter ihnen geschieht. Durch zwei Kunstgriffe schafft Sonia Kacem diese Erlebnisse nach: Seltsame Ausbeulungen in den Stoffflächen suggerieren, dass sich dahinter etwas abspielt. Und auf beiden Seiten ist die Ecke des Raumes „überspielt“, einmal durch eine Wölbung der Stoffbahn in den Raum hinein, das andere Mal durch die Kurve, zu der der Stoff sich spannt.

Eine „große Geste für den ganzen Raum“ hat die Künstlerin nach Kunstvereins-Direktorin Kristina Scepanski geschaffen, was offenbar eine besondere Herausforderung war: „Oh, das ist groß!“ entfuhr es Sonia Kacem, als die den Raum erstmals betrat. Was sie in Kairo als Skizzen und Materialsammlung anlegte und verwendete, lässt sich an den Farbmustern im Vorraum und den Objekten im kleinen Kabinett entdecken. Übrigens steckt auch ein bisschen Münsterland in der Installation: der Stoff wurde von „Schmitz Textiles“ in Emsdetten zur Verfügung gestellt.

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Eröffnung heute um 19 Uhr, zu sehen bis zum 19. Januar dienstags bis sonntags von 11 bis 19 Uhr

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