Literarischer Abend mit Cees Nooteboom im Landesmuseum
Ein Gipfeltreffender Nomaden

Münster -

Es ist ein Gipfeltreffen der Nomaden, das am Montagabend im Foyer des Landesmuseums stattfindet. Cees Nooteboom, der große europäische Schriftsteller, trifft auf J.M.W. Turner, den großen britischen Maler.

Dienstag, 17.12.2019, 18:52 Uhr
Cees Nooteboom, einer der ganz großen europäischen Schriftsteller, war am Montagabend im Foyer des Landesmuseums zu Gast. Der 86-Jährige las unter anderem seinen Essay über J. M. W. Turner vor, dessen Werke zurzeit im Landesmuseum zu sehen sind.
Cees Nooteboom, einer der ganz großen europäischen Schriftsteller, war am Montagabend im Foyer des Landesmuseums zu Gast. Der 86-Jährige las unter anderem seinen Essay über J. M. W. Turner vor, dessen Werke zurzeit im Landesmuseum zu sehen sind. Foto: KAL

Es ist ein Gipfeltreffen der Nomaden, das am Montagabend im Foyer des Landesmuseums stattfindet. Cees Nooteboom , der große europäische Schriftsteller, trifft auf J.M.W. Turner, den großen britischen Maler.

Seit mehr als sechs Jahrzehnten bereist der 86-jährige Niederländer die Welt. Ohne die Eindrücke, die er in dieser Zeit gesammelt hat, sähe sein Werk völlig anders aus. Auch Turner (1775- 1851) hielt es nicht in seiner Heimat, das Ergebnis seiner europäischen Expeditionen ist derzeit im Landesmuseum zu bewundern.

„Reisen ist für mich die Normalität“, sagt Nooteboom. Mit Anfang 20 brach er zum ersten Mal auf, die Welt zu erkunden – „und ich bin nie wieder zurückgekommen“. Im Landesmuseum stellt er seinen neuen Essay vor, in dem er sich mit Turner und dessen Kunst beschäftigt. Nooteboom zeichnet das Bild eines mal schrulligen, mal exzentrischen Künstlers, der sich ein Leben lang treu blieb.

Bereits mit 14 Jahren zog es Turner an die Royal Academy of Arts. War er ein Wunderkind? „Ich weiß es nicht“, sagt Nooteboom. „Zumindest hatte er eine enorme Disziplin.“ Der Niederländer porträtiert den Briten mit großer Sympathie, einer Portion Humor – und Bewunderung. „Die Natur forderte ihn ständig heraus, er stellte sich der Herausforderung mit seinen Waffen“ – Pinsel und Staffelei. Die Frage „Wer war Turner?“ lässt Nooteboom am Ende offen. Immerhin dies steht für ihn fest: Er war einer der ganz Großen.

So wie Nooteboom, der als Zugabe mehrere Gedichte vorliest – und zwischendurch mit Daniel Müller- Hofstede vom LWL-Museum über die Kunst und das Leben spricht. Nooteboom berichtet von einem Treffen mit dem früheren spanischen König Juan Carlos. „Ich habe gehört, dass Sie ein großes Buch über unser Land geschrieben haben“, habe ihm der König zugeraunt – und dann gesagt: „Schickt mir das!“ Was Nooteboom tat. „Ein paar Monate später bekam ich einen Brief von irgendeinem Adeligen. Das Buch sei sehr schön gewesen.“

Nooteboom erzählt weitere Anekdoten. Aus China, wo ein Verlag kürzlich einen neuen Vertrag mit ihm abgeschlossen hat – ohne dass er aus dem Land jemals eine Reaktion auf sein Werk erhalten habe. „Keine Kritiken, nichts. Aber irgendwo müssen meine Bücher doch geblieben sein. Wo sind sie?“ Er berichtet von einer Podiumsdiskussion in Japan, auf der über sein Buch „Allerseelen“ nur ein Satz fiel: „Es ist sehr kompliziert.“

Nooteboom reist inzwischen weniger – doch zwei große Ziele hat er noch: Er möchte noch einmal ein japanisches Kloster besuchen, in dem er vor vielen Jahren war, und nach China. Ein anderes Reiseziel steht im Mittelpunkt seines neuen Buches: Venedig. Die Worte, mit denen er auf seine erste Begegnung mit der Serenissima zurückblickt, rühren zu Tränen. Gäbe es doch, gerade in diesen Zeiten, mehr Schriftsteller, Nomaden, Europäer wie Nooteboom!

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