Der Jahrhundertschauspieler Kirk Douglas ist mit 103 Jahren gestorben
Der erste Held des Wahnsinns

Los Angeles/Münster -

Der Schauspieler Kirk Douglas, Jahrgang 1916 (!), ist tot. Eine unglaubliche Karriere, die nach dem Zweiten Weltkrieg begann und in der Nacht zum gestrigen Donnerstag endete, als er im Alter von 103 Jahren starb. Welch ein erfülltes Leben!

Donnerstag, 06.02.2020, 16:16 Uhr
Der Pinsel muss gequält werden: Kirk Douglas als Maler in „Vincent van Gogh – Ein Leben in Leidenschaft“, 1956
Der Pinsel muss gequält werden: Kirk Douglas als Maler in „Vincent van Gogh – Ein Leben in Leidenschaft“, 1956 Foto: imago images/Prod.DB

Man kennt ihn aus Western, Melodramen und Kriegsfilmen, die mehr als fünfzig Jahre Kinogeschichte umfassen – eine unglaubliche Karriere, die nach dem Zweiten Weltkrieg begann und in der Nacht zum gestrigen Donnerstag endete, als Schauspieler Kirk Douglas im Alter von 103 Jahren starb.

Als Issur Danielovitch Demsky, Sohn russischer Juden in Amsterdam im Staat New York geboren, war Kirk Douglas von Anfang an ein typischer Kämpfer. Schule, Universität, Ausbildung, Schauspielschule – Douglas mit dem kantigen Kinn und dem Grübchen darin schaffte das alles, ging im Jahre 1941 zur Marine und heiratete seine erste Frau Diana Hill, mit der er vier Söhne hatte, darunter Sohn Michael, heute selbst so bekannt wie er und als Produzent noch erfolgreicher.

Der Kämpfer Douglas war stets ein schwieriger Schauspieler, einer, der riskante Rollen liebte, so den trunksüchtigen Staatsanwalt in seinem Debüt „Die seltsame Liebe der Matha Ivers“ (1946). Das war die Zeit des „Film noir“, in der sich traumatisierte Helden, zwielichtige Gestalten und ambivalente Charaktere auf der Leinwand tummelten: Boxer „Zwischen Frauen und Seilen“ und in einer Glanzleistung Billy Wilders „Reporter des Satans“ (1951), eine bitterböse Studie über die Sensationspresse.

So ein Typ konnte einfach keine Normalos spielen und so wurde Douglas der erste Held des Wahnsinns. Einer, der immer getrieben, gehetzt und gequält wirkt, hinter dessen Augen Abgründe lauern und dessen Obsessionen mit Verbitterung einhergehen. Klar, so einer spielte nicht in Komödien, so einer war in der vielleicht besten Rolle seiner Karriere der titelgebende Maler in „Vincent van Gogh – Ein Leben in Leidenschaft“ (1956), der sich – übrigens im selben Alter wie Douglas damals – von seinem Ohr messerscharf verabschiedete. Diese Darstellung hat bis heute keiner übertroffen.

Regisseur war damals Vincente Minnelli , mit dem Douglas in Melodramen wie „Stadt ohne Illusionen“ und „Zwei Wochen in einer anderen Stadt“ zusammenarbeitete. Minnelli, der Schauspielerinnen und Regisseure terrorisierte, gilt heute als früher Vorläufer des unter Anschuldigungen stehenden Harvey Weinstein.

Kirk Douglas war Cowboy in „Mit stahlharter Faust“, liebte eine Indianerin (Elsa Martinelli in „Zwischen zwei Fronten“) und stand nach dem Western „Zwei rechnen ab“ (1957) noch sieben Mal mit Burt Lancaster, einer anderen Hollywood-Legende, vor der Kamera. Mit Lancaster gründete Douglas eine eigene Produktionsgesellschaft, um dem Druck der Studios zu entkommen.

Nicht immer mit Erfolg, aber im Fall des Monumentalfilms „Spartacus“ besonders geschichtsträchtig. Der unbequeme Douglas engagierte nicht nur Stanley Kubrick als Regisseur, er holte Künstler, die in der Zeit der „Hexenjagd“ auf Kommunisten in den 1950er Jahren verfolgt wurden, vor und hinter die Kamera, darunter Drehbuchautor Dalton Trumbo. Da bewies er Rückgrat. Privat war Douglas’ Leben ebenso außergewöhnlich. Mehrere Ehen, ein Familienclan, zu dem auch Catherine Zeta-Jones, Michaels Ehefrau, gehört, und der Hubschrauberabsturz, den er im hohen Alter überlebte, sowie ein Schlaganfall sprechen Bände.

Zurück zu seinen Qualitäten. „Der Zorn ist meine Energiequelle“, sagt er einmal, und dazu gehört jenes physische Schauspiel, das Emotionen in Körperbewegungen überführt. Soziales Engagement (Kinderkrankenhaus, Geld für alte Hollywood-Schauspieler) und Verdienste um die jüdische Kultur (Teddy-Kollek-Preis) gingen dabei stets Hand in Hand. Welch ein Leben!

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