Dr. Stephan Trescher hat zu Beginn des Jahres offiziell die Leitung des Kunstmuseums Ahlen übernommen
Auf dem Weg zu neuen Horizonten

Ahlen/Münster -

Dr. Stephan Trescher (55) ist angekommen. Seine Leidenschaft für Kunst mündete zu Beginn des neuen Jahres ganz offiziell in den attraktiven Direktorenposten als Leiter des angesehenen Kunstmuseums in Ahlen. Der gebürtige „Kurpfälzer“ aus Mannheim hat eine lange, durchaus beschwerliche, aber auch höchst kreative Reise im Kunst- und Kulturbetrieb hinter sich. Wir trafen Stephan Trescher an seiner neuen Wirkungsstätte.

Freitag, 07.02.2020, 18:08 Uhr
Dr. Stephan Trescher im Kunstmuseum Ahlen vor einer Arbeit des Lichtkünstlers Adam Barker-Mill
Dr. Stephan Trescher im Kunstmuseum Ahlen vor einer Arbeit des Lichtkünstlers Adam Barker-Mill Foto: Kunstmuseum Ahlen

Dr. Stephan Trescher (55) ist angekommen. Seine Leidenschaft für Kunst mündete zu Beginn des neuen Jahres ganz offiziell in den attraktiven Direktorenposten als Leiter des angesehenen Kunstmuseums in Ahlen. Der gebürtige „Kurpfälzer“ aus Mannheim hat eine lange, durchaus beschwerliche, aber auch höchst kreative Reise im Kunst- und Kulturbetrieb hinter sich. Die Freude darüber, jetzt, mit Mitte 50, eine Synthese von Beruf und Berufung zu erleben, ist ihm beim Rundgang durch Alt- und Neubau des Museums in der Ahlener Innenstadt anzumerken. „Ein Traumjob“, sagt er. „Hier habe ich den Gestaltungsspielraum, von dem man als Kunsthistoriker nur träumen kann.“

Sehgewohnheiten durchbrechen

Als Nachfolger von Burkhard Leismann, der das Museum als Gründungsdirektor durch die ersten 25 Jahre führte, freut sich Trescher über die ihm nun übertragene Verantwortung. Dynamischen Schrittes begleitet er seinen Gesprächspartner durch die derzeitige Ausstellung mit Lichtkunst des Briten Adam Barker-Mill , der mit seinen Installationen aus illuminierten Kästen, getönten Scheiben und erleuchteten Behältnissen aus dem Alltagsgebrauch ganz neue, zuweilen gar verwirrende Schau-Erlebnisse schafft. Es sind Präsentationen wie diese, die Trescher auch künftig vor Augen hat. Er möchte mit zeitgenössischer Kunst Sehgewohnheiten durchbrechen, Horizonte erweitern. Und auch den Münsteranern im Oberzentrum rät er selbstbewusst, den Promenadenring und die Stadtgrenze zu überschreiten und auch mal den Blick ins südliche Münsterland, nach Ahlen also, schweifen zu lassen.

Die Arbeit des Kunstmuseums Ahlen unter seinem neuen Leiter ruht dabei auf drei bewährten Standbeinen, wie Trescher ausführt. Da ist zunächst die kleine, feine Sammlung der Theodor F. Leifeld-Stiftung, die auch Trägerin des Ahlener Kunstmuseums ist. Sie besteht vor allem aus Werken renommierter Künstler der frühen klassischen Moderne wie etwa Helmuth Macke (1891-1936), einem Vetter von August Macke, sodann aus Vertretern der Nachkriegsmoderne wie die Krefelder Künstler Herbert Zangs (1924-2003) oder Adolph Luther (1912-1990) und dann natürlich aus Werken der Gegenwartskunst, die mit einem breiten Spektrum von der Installation über die Malerei bis zur Lichtkunst um die geschätzte Aufmerksamkeit des kunstinteressierten Publikums wirbt.

Stephan Trescher

 

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Wenn es um das Thema Schauen und Begreifen geht, wie gerade jetzt in der Lichtkunstausstellung, bietet das Museum zur Freude seines neuen Direktors auch breiten Raum für schulpädagogische Ansätze. Und so ist die schmucke alte Villa, 1883 erbaut und nach der Bauherrin Baronin von Kalckstein benannt, mit ihrem markanten Museumsanbau in diesen Wochen immer auch wieder Anlaufstelle für Schulklassen und Kunsterzieher.

Kunstvermittlung als Anliegen

Da ist Stephan Trescher auch schon beim Thema Kunstvermittlung. Und bei diesem Aspekt seiner Arbeit hat der 55-Jährige eine Menge auf der Pfanne; denn der in Münster lebende Trescher produzierte in einem Vierteljahrhundert als weitgehend frei schaffender Ausstellungsmacher, Kurator und Publizist Vorträge, Katalogbeiträge, Artikel sowie fachgerecht getextete Audioguides – und übrigens auch den höchst erfolgreichen Kunstführer „Schnellkurs Kunst der Gegenwart“ im Verlag Dumont.

Frisch im Amt, freut sich der gebürtige Mannheimer nun auf die auf ihn wartenden Herausforderungen im neuen Jahrzehnt. Nach der Retrospektive mit Adam Barker-Mill, die noch bis zum 16. Februar läuft und an dieser Stelle ausdrücklich empfohlen wird, steht ein runder Geburtstag an. Anlässlich des 70. Wiegenfestes des Künstlers zeigt das Kunstmuseum Ahlen nämlich vom 8. März bis zum 24. Mai eine retrospektiv angelegte Ausstellung mit rund 100 Werken von Jobst Tilmann.

Im Sommer übrigens wird das Museum im Altbau modernisiert und erhält einen Parkettboden dort, wo jetzt noch weitgehend graue Auslegeware dominiert. Und danach wird Stephan Trescher einen guten alten Bekannten ehren: Timm Ulrichs, der „Totalkünstler“, Documenta-Teilnehmer und langjährige Professor an der Kunstakademie Münster wird am 31. März 80 und soll im Kunstmuseum Ahlen ab Mitte August bis November mit einer Ausstellung ausführlich gewürdigt werden.

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