„Dance Lab“ bot faszinierende Vielfalt bis hin zum Slapstick
Aufwachen, Anspringen, Abtanzen

Münster -

Das Tanztheater Münster experimentiert gerne. Ausschließlich eigene Arbeiten des Tanzensembles standen jetzt in der Produktion „Dance Lab“ auf dem Programm, teils Neubearbeitungen, teils Erstaufführungen, die eine große kreative Bandbreite der Akteure zeigten.

Freitag, 14.02.2020, 16:23 Uhr
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K Foto: Oliver Berg

Als das Publikum die Plätze einnimmt, schläft das Ensemble noch. Aber es ist ein unruhiger Schlaf. Arme und Beine zucken, Körper winden sich. Plötzlich springen alle auf und formieren sich zu einem Menschenknäuel. In der Mitte eine Tänzerin, den Mund zu einem stummen Schrei verzerrt. Dann löst sie sich von der Gruppe, wirbelt als Solistin über die Bühne, kämpft sich an sich selbst und an ihren Kollegen ab. Dramatische Zweier- und Dreierkonstellationen folgen, irgendwann verschwinden die anderen hinter dem Vorhang, um dann wie aus der Tiefe der Nacht wieder aufzutauchen und die Solistin erneut heimzusuchen.

„Quiet Tongues“ nennt Keelan Whitmore seine albtraumhaft anmutende Choreografie, mit der am Donnerstag das Dance Lab im Ballettsaal des Theater Münsters begann. Ausschließlich eigene Arbeiten des Tanzensembles standen auf dem Programm, teils Neubearbeitungen, teils Erstaufführungen, die eine große kreative Bandbreite zeigten.

Beispielsweise die von Kana Mabuchi und Adrián Plá Cerdán entwickelte und getanzte Choreografie „ESC RST“: Tänzer und Tänzerin turnen auf einer Stehleiter und versuchen sich dabei gegenseitig aus dem Spiel zu kicken. Mit einer Taschenlampe jagen sie sich dann über die Bühne. Das Licht wird zum Geigerzähler, mit dem sie den Körper des Gegenübers abpiepsen. Ein Zweikampf mit Anspringen und Abwerfen folgt. Spiegel machen aus dem Paar eine Gruppe, dann wieder ein Paar, das sich ans Klavier setzt und in der Art eines alten Barpianisten Lou Reeds „Vanishing Act“ zum Besten gibt.

In die Tiefe der Erinnerung taucht Leander Veizi mit „Kthehem“, was auf Albanisch so viel wie „Rückkehr“ heißt. Mal verträumt, mal verängstigend gestaltet sich die Rückschau, frühe Weggefährten tauchen auf und verschwinden wieder im Meer des Vergessens.

Tarah Malaika Pfeiffer erzählt in „Delirium“ von einer Frau, die im Tapetenmuster ihres Zimmers ihr eigenes Bild als gebrochene Frau zu erkennen glaubt. Höhen und Tiefen ihres Lebens, Aufbegehren und Kapitulation bestimmen das von Charla Tuncdoruk getanzte Stück.

Lustiger geht es bei María Bayarri Pérez zu. Ihr „Dinner4Two“ präsentiert zwei junge Beaus, die sich zu nostalgischer Swingmusik durch die Morgentoilette tanzen und dann an einem Tisch allerlei Kapriolen bis hin zum feinen Slapstick aufführen.

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