Michael Stockhausen eröffnete Ausstellung von Jobst Tilmann
Malerei so aktuell wie künstliche Intelligenz

Ahlen -

„Anfang ohne Ende“ ist der Titel der neuen Ausstellung im Kunstmuseum. Und die hält beeindruckende Werke mit erstaunlicher Aktualität vor.

Montag, 09.03.2020, 15:55 Uhr aktualisiert: 09.03.2020, 16:00 Uhr
Der Bonner Kunsthistoriker Michael Stockhausen eröffnete die Ausstellung „Anfang ohne Ende“ am Samstag im Kunstmuseum mit einer bemerkenswerten Rede.
Der Bonner Kunsthistoriker Michael Stockhausen eröffnete die Ausstellung „Anfang ohne Ende“ am Samstag im Kunstmuseum mit einer bemerkenswerten Rede. Foto: Dierk Hartleb

Zur Eröffnung der Ausstellung „Anfang ohne Ende“ am Samstag im Kunstmuseum hatte Michael Stockhausen neben seinem Redemanuskript ein kleines Büchlein mit dem Titel „Altern als Problem für Künstler“ mitgebracht. Es rekurriert auf einen Vortrag Gottfried Benns aus dem Jahr 1954, in dem sich der Dichter und Arzt mit dem Leben als Künstler beschäftigt.

Dass sich Stockhausen auf Benn bezog, der mit diesem Vortrag das sehr persönliche Ziel verfolgt hatte, sich von seinen in der NS-Zeit vertretenen Positionen zu entlasten, war nicht etwa eine Despektierlichkeit gegenüber Jobst Tilmann , sondern eine Verbeugung vor dem Künstler, der sich als Maler eines klassischen Mediums bediene. Und der nicht der Versuchung erliege, in der Ausstellung Algorithmus gesteuerte Roboter agieren zu lassen, um eine Aussage über die Jetztzeit zu treffen. Tilmanns Malerei, die Grenzen ziehe und zugleich öffne, sage weitaus mehr über die tagesaktuellen Themen aus, als es auf den ersten Blick erscheine.

Umbrüche und Metamorphosen

Der Kunsthistoriker, der am Kunsthistorischen Institut der Universität Bonn lehrt, wertete es als besondere Stärke, dass der Künstler für die Ausstellung nicht die Werke, die die glänzenden Seiten seiner Kunst zeigten, ausgewählt habe, sondern jene, die Umbrüche und Metamorphosen zeigten. Über Brüche und Wandlungen im Leben in Leben und Werk hatte Benn gesagt: „Versuch und Irrtum werden also zu Voraussetzungen einer Kontinuität des produktiven Ich.“ Es komme nur auf die Kraft an, die zugemuteten Zwangslagen „auszuhalten“ – mit Härte und Kälte gegen das eigene Werk.

Die Wortwahl entspricht zwar nicht der Diktion Jobst Tilmans, aber im Ergebnis beschreibt sie, wie der Künstler sein Werk selbst reflektiert. Im Vorgespräch zur Ausstellung hatte er eingeräumt, wie schwer es ihm manchmal falle, die beim Zerlaufen der Farben entstandenen Verläufe ihrer ästhetischen Wirkung durch Übermalung zu berauben. Die dabei neu entstehenden Farbformen könnten an Inseln erinnern. Letztlich sind die „Protagonisten“, wie der Künstler sie bezeichnet, aber einzelne Elemente mit einer organischen Form, die sich auf der Fläche oder im Raum harmonisch begegnen. Damit erhält seine Malerei eine zutiefst humane Dimension.

Künstlerisch auf der Hut

Wer fortfährt wie zu seinen besten Zeiten, müsse sich vorhalten lassen, zu Entwicklung und Reife nicht fähig zu sein, hat Benn weiter gesagt. Und wer sich im Alter mäßige, gelte als senil. Jobst Tilman widersteht dieser Gefahr, indem er stets vor sich selbst künstlerisch auf der Hut ist.

Zuvor hatte sich Dr. Stephan Trescher als neuer künstlerischer Leiter des Museums vorgestellt und sich darauf beschränkt, allen am Zustandekommen der Ausstellung Beteiligten zu danken – an erster Stelle dem Künstler, der selbst gehängt hatte, der Mitkuratorin Dagmar Schmidt sowie dem bewährten Museumsteam und der Theodor-F.-Leifeld-Stiftung für ihre finanzielle Unterstützung.

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