„Tiny to go“ im Charivari
Mit dem Duschkopf Pizza bestellen

Münster -

„Guten Morgen, Sonnenschein“, spielt die Musik, als Paula ihre neue Wohnung bezieht. Aber was heißt Wohnung? Eigentlich ist es nur ein Grundstück.

Montag, 16.03.2020, 15:08 Uhr aktualisiert: 18.03.2020, 17:20 Uhr
„Tiny to go“ mit Paula Zweiböhmer heißt das neue Erwachsenenstück des Charivari-Theaters – eine gelungene Mischung aus Schauspiel, Puppenspiel und Materialtheater.
„Tiny to go“ mit Paula Zweiböhmer heißt das neue Erwachsenenstück des Charivari-Theaters – eine gelungene Mischung aus Schauspiel, Puppenspiel und Materialtheater. Foto: Helmut Jasny

„Guten Morgen, Sonnenschein“, spielt die Musik, als Paula ihre neue Wohnung bezieht. Aber was heißt Wohnung? Eigentlich ist es nur ein Grundstück, stolze zwölf Quadratmeter groß und in der Körnerstraße gelegen. Darauf will sie für sich und ihre Ziege ein sogenanntes Tiny House errichten. Wohnen auf engstem Raum – das ist hip, das hat man jetzt so. Und angesichts der ständig steigenden Immobilienpreise geht es auch gar nicht anders . . .

„Tiny to go“ heißt das neue Erwachsenenstück des Charivari-Theaters, das am Wochenende Premiere feierte. Unter der Regie von Babette Winter steht Paula Zweiböhmer als Darstellerin auf der Bühne – zusammen mit Esmeralda, einer plüschigen Ziegenpuppe, die sie souverän mit einer Hand spielt, während sie mit der anderen unentwegt ordnet und hantiert, kurz: ihr neues Zuhause errichtet.

Dazu hat sie einen Einkaufswagen mit allerlei Utensilien mitgebracht. Ein zerzauster Regenschirm bildet so etwas wie ein Dach, und der Duschvorhang lässt sich auch prima als Kleid zur Einweihungsparty verwenden. Mit dem Duschkopf kann man nicht nur duschen, sondern auch telefonieren – eine Pizza bestellen beispielsweise, deren aufgeklappter Karton anschließend als Laptop dient, um im Internet weiteres Baumaterial zu ordern. An Fantasie mangelt es dem Stück nicht. Und durch Zweiböhmers charmantes Spiel überträgt sie sich auch auf den Zuschauer.

War das Tiny House für sie eine Art Notwendigkeit, ist es für Esmeralda nichts weniger als eine Weltanschauung. Die Ziege entpuppt sich nämlich als „Tiny-Guru“ und stellt die philosophisch nicht ganz unbedeutende Frage, was man im Leben wirklich braucht? Essen und trinken, klar. Ein Dach über dem Kopf ebenso. Aber eine Sofaecke, wie ihre Zimmergenossin sich eine wünscht? Auch darauf hat das Tier eine Antwort: „Die Ecke, ja. Das Sofa, nein.“

Es ist eine gelungene Mischung aus Schauspiel, Puppenspiel und Materialtheater, die das Charivari hier zur Aufführung bringt. Grundlegende Fragen werden angerissen und mit viel Fantasie, aber ohne Dogmatik durchexerziert. Puppe und Spielerin ergänzen sich prima, auch wenn es manchmal zu kleinen Rangeleien kommt. Dann macht es Spaß, Zweiböhmer dabei zuzuschauen, wie ihre rechte, mit der Puppe bestückte Hand gegen ihre linke kämpft. Kleine Lieder und ein Tango mit einem Herrenhemd runden die knapp einstündige Aufführung ab.

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