Theater der freien Szene machen sich Sorgen
„Die sind alle verzweifelt“

Montag, 16.03.2020, 18:36 Uhr aktualisiert: 18.03.2020, 17:20 Uhr
Das Kammertheater „Kleiner Bühnenboden“ will als „Theater auf Augenhöhe“ nicht aufs Internet ausweichen und könnte es auch nicht, weil dafür die technische Infrastruktur fehlt.
Das Kammertheater „Kleiner Bühnenboden“ will als „Theater auf Augenhöhe“ nicht aufs Internet ausweichen und könnte es auch nicht, weil dafür die technische Infrastruktur fehlt. Foto: Gerhard H. Kock

Boulevard Münster: „Es ist furchtbar.“

Für Angelika Ober vomBoulevardist die Situation „furchtbar“. Das private Theater in der Königspassage bekommt keine öffentlichen Zuschüsse. „Die Eintrittsgelder sind unsere einzigen Einnahmen.“ Sie benötige für die ausfallenden Vorstellungen der nächsten vier Wochen 35 000 Euro. „Da muss die Stadt helfen“, fordert Ober: „Man muss mir helfen.“ Schließlich müsste sie eigentlich jetzt das Geld erwirtschaften, um finanziell über den Sommer zu kommen. Die Schauspieler des neuen Stücks habe sie nach Hause schicken müssen: „Die sind alle verzweifelt.“

Boulevard

„Freuynde und Gaesdte“: „Wir brauchen ein Nothilfeprogramm.“

Das freie Theater„Freuynde und Gaesdte“ist bekannt für seinen vielen ausverkauften Vorstellungen. Das hilft Theatermacher Zeha Schröder nichts: „Null Einnahmen.“ Und er denkt dabei vor allem an die freien Schauspieler, die er verpflichtet hat. „Wir arbeiten auf Honorarbasis, da trägt jeder den Schaden selbst.“ Den würde er für seine Leute gerne klein halten. Denn er als Theatermacher mache sich Gedanken, wie er seinen Leuten Arbeit verschaffen könne. Die bislang vorgeschlagenen Lösungen wie Kurzarbeitergeld oder unkomplizierte Kredite würden hier nicht helfen.

„Freuynde und Gaesdte“

Zwei große Wünsche hat Schröder: Erstens sollte der Staat darauf verzichten, die für die Produktionen bereits verbrauchten Fördergelder zurückzufordern. Und zweitens müssten Modelle gefunden werden, um die jetzigen Einbußen zu kompensieren. „Wir brauchen ein Nothilfeprogramm, das zur Lebensrealität der freien Künstler passt.“ Schröders Sorge: „An die Elefanten wird sofort gedacht. Wir sind das Insektenreich.“ Und die kleinen Käfer würden schnell übersehen. Was Schröder bislang vermisst, sind beruhigende Worte von staatlicher Seite.

Freuynde und Gaesdte haben immerhin ein solidarisches Stammpublikum: „F+G“ hat als Spendenaktion einen „Vorverkauf für unsere Sonderaufführung ‚200 Jahre Corona’ begonnen, die am 13. März 2220“ aufgeführt wird“. Schröder: „Die Resonanz war wunderbar.“ Am Wochenende wurden 300 Tickets verkauft. Der Erlös soll nur für Künstler-Honorare verwendet werden. Und von den Zuschauern kam viel Aufmunterndes: „Wir freuen uns, unseren Ururururenkeln diese Tickets vererben zu können.“ Humor ist immerhin noch vorhanden.

Pumpenhaus: „Free-Lancer nicht im Regen stehen lassen.“

Ludger Schnieder fragt sich als Geschäftsführer desPumpenhauses: „Was ist mit unseren Künstlern, unseren Mitarbeiten und dem bunten Haufen unseres Teams, das aus Free-Lancern und 450 Euro Kräften besteht? Sie haben sich auf uns verlassen, und plötzlich hab ich keine Arbeit mehr für sie, weil wir ‚Closed’ sind. Was brauchen die in der jetzigen Krisensituation und was kann ich da bewerkstelligen? Die Leute sind sehr prekär aufgestellt, und da muss ich mir was einfallen lassen, dass die nicht im Regen stehen und ihre Mieten nicht mehr bezahlen können.“

Pumpenhaus

Charivari: „Verluste durch Absagen.“

Wilfried Plein vomCharivarisieht „keine große Gefährdung der Existenz unseres Theaters“, aber man habe finanzielle Verluste durch Absagen von einigen Sonderveranstaltungen in und außerhalb des Theaters. „Wir werden ab Samstag unsere im Spielplan angekündigten Vorstellungen ins Internet stellen und dabei um eine Spende auf ein noch einzurichtendes Spendenkonto bitten.“

Charivari
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