„Unsere wunderbaren Jahre“: Opulenter Dreiteiler im Ersten
Lust und Last der Nachkriegszeit

Der ARD-Dreiteiler „Unsere wunderbaren Jahre“ spielt in der Jahren unmittelbar nach dem Zweiten Weltkrieg im sauerländischen Altena. Ein gutes Stück Fernsehkultur, das man in Zeiten der Corona-Krise vielleicht auch mit ganz anderen Augen sieht.

Mittwoch, 18.03.2020, 17:06 Uhr
Ulla Wolf (Elisa Schlott) freut sich über eine Lieferung Stahlhelme. Die Firma ihres Vaters wird Kochsiebe daraus fertigen..
Ulla Wolf (Elisa Schlott) freut sich über eine Lieferung Stahlhelme. Die Firma ihres Vaters wird Kochsiebe daraus fertigen.. Foto: WDR

In Zeiten der Corona-Krise und der empfohlenen Kasernierung in den eigenen vier Wänden kommt dem klassischen Fernsehen wieder eine größere Bedeutung zu. Steigende Zuschauerzahlen beweisen es. Und wenn dann noch ein Dreiteiler gesendet wird, der mit jungen, überwiegend weniger bekannten, aber überzeugenden Schauspielern, vielen Emotionen und historischem Hintergrund aufwartet, ist das in diesen Tagen Balsam für die Seele. Weil sich der Zuschauer hier zumindest für 90 Minuten aus der Corona-Info-Befeuerung ausblenden kann.

Der ARD-Dreiteiler „Unsere wunderbaren Jahre“ spielt in der Jahren unmittelbar nach dem Zweiten Weltkrieg im sauerländischen Altena. Im Zentrum steht die Unternehmerfamilie Wolf , die sich der Lähmung angesichts des Untergangs Deutschlands mit Aufbauwillen und Lebenslust entgegenstemmt – wie auch den Liedzeilen von Hans Albers zu entnehmen ist, die den ersten Teil des Filmepos an diesem Mittwoch einleiten.

Der Film erzählt nach den ersten Kapiteln von Peter Pranges Bestsellerroman „Unsere wunderbaren Jahre“ (2016) von Schuld und Leid, Liebe und Leidenschaft in der Nachkriegszeit. Das Wirtschaftswunder im Westen ist ebenso Thema wie der Arbeiteraufstand 1953 im Osten. Historisches Hauptereignis ist hier aber der 20. Juni 1948 in den drei Westzonen mit der Ausgabe von 40 D-Mark an jeden Bürger – in Scheinen. Hartgeld wurde, was heute wenige wissen, erst später geprägt – am alten Metallindustriestandort Altena im Sauerland. Die Degeto-Produktion schildert die Lebenswege der fiktiven dortigen Unternehmerfamilie Wolf.

Thomas Sarbacher und Katja Riemann spielen Eduard und Christel Wolf, die Eltern dreier höchst unterschiedlicher Töchter. Mit Elisa Schlott als Tochter Ulla, die vom Vater als künftige Firmenchefin protegiert wird, obwohl sie lieber Medizin in Tübingen studieren möchte, erscheint ein junges, vielversprechendes Talent auf dem Bildschirm. Nicht weniger interessant: Vanessa Loibl als Schwester Gundel, die Ambitionen als Nachfolgerin hat, aber stets hinter Schwester Ulla zurückstecken muss. Anna Maria Mühe spielt die ältere Schwester Margot, die auf die Rückkehr ihres Ehemannes, der einst als SS-Mann Angst und Schrecken verbreitete. Allein schon aus dieser Schwesternkonstellation saugt der kurzweilige Dreiteiler viel Konfliktpotenzial.

Denn natürlich geht es auch um große Gefühle. Mit David Schütter, der hier mit großen James-Dean-Attitüde des Draufgänger Tommy gibt, und mit Franz Hartwig, der den bodenständigen, mit guten Manieren und kreativer Energie ausgestatteten Freund Benno verkörpert, trifft der Zuschauer auf zwei weitere unbekanntere Darsteller, die ihre Rollen überzeugend ausfüllen.

Ein melodramatisches Panorama vor allem Westdeutschlands entsteht in dem Werk mit beeindruckender historischer Ausstattung. „Es ist die Grundidee meines Romans, dass die Entwicklung des Geldes der politischen und gesellschaftlichen Entwicklung immer einen Schritt vorausgeht“, erläuterte Peter Prange der Deutschen Presse-Agentur. Sein Werk reicht in voller Länge von der Währungsreform bis zur Einführung des Euro im Jahr 2002. Der Film umfasst einen deutlich kleineren Spielraum und zeichnet auch Figuren wie Margot, die im Buch unter Ruth firmiert, aus dramaturgischen Gründen deutlich krasser.

„Unsere wunderbaren Jahre“, am 18., 21. und 25. März jeweils um 20.15 Uhr im Ersten

https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/7333299?categorypath=%2F2%2F84%2F61%2F93%2F3825912%2F
Nachrichten-Ticker