„Big Brother“-Bewohner wissen nun von Corona
Tränen in Großaufnahme

Münster -

Wer im Container sitzt, bekommt von der Wirklichkeit draußen nicht so ganz viel mit. Den Teilnehmern der Big-Brother-Show wurde jetzt eröffnet, dass die Welt draußen wegen Corona aus den Fugen gerät. Das gab Tränen. Und die wurden natürlich auch wieder groß ins Bild gerückt. Eine neue, abgeschmackte Umdrehung in Sachen Trash-TV.

Mittwoch, 18.03.2020, 17:10 Uhr
Jochen Schropp (l.) und Andreas Kaniewski informieren – hinter Glas – die „Big Brother“-Kandidaten
Jochen Schropp (l.) und Andreas Kaniewski informieren – hinter Glas – die „Big Brother“-Kandidaten Foto: dpa

 

Mal angenommen,. man säße in diesen Zeiten in einem Camp, abgeschottet von der Außenwelt, und bekäme von Corona nichts mit. So ist den Kandidaten der aktuellen „Big Brother“-Staffel offenbar bis zum Dienstagabend ergangen. Erst jetzt hat der Sender Sat 1 ihnen reinen Wein eingeschenkt – in einer der wohl abgeschmacktesten Live-Sendungen dieser Tage.

Nach Wochen der Ahnungslosigkeit haben die neun Kandidaten, die seit Anfang Februar auch in einer „Nachrichten-Quarantäne“ sitzen, vom Coronavirus-Ausbruch und den weltweiten Folgen erfahren. Moderator Jochen Schropp und „Big Brother“-Arzt Andreas Kaniewski überbrachten ihnen, hinter einer Glasscheibe hockend, live die für sie offenbar überraschenden Neuigkeiten. Händchenhalten und Tränen in Großaufnahme inklusive.

Die Reaktionen pendelten zwischen Fassungslosigkeit, Wissbegier und Angst – auch wenn sich Schropp bemühte, die neue Weltlage behutsam zu erklären. „Erst mal: Bitte keine Panik. Ihr müsst euch keine Sorgen machen“, sagte er. Dennoch flossen Tränen, unter anderem bei Kandidatin Michelle. Ihre Mutter sei 55 Jahre alt und leide schon an einer Lungenerkrankung. „Das hat mir jetzt einfach Angst gemacht“, sagte die Altenpflegerin. Studentin Rebecca schaute fassungslos, Konkurrent Cedric löcherte den Arzt mit Fragen: „Man kann der Person nicht helfen? Außer zuschauen?“ Der Mediziner ordnete die Behandlungsmöglichkeiten sachlich ein: „Man muss einfach nur unterstützend wirken.“

Im Schnellverfahren wurden all die Vokabeln und Verhaltensregeln erklärt, die draußen schon total üblich, bei den „Big Brother“-Kasernierten aber komplettes Neuland sind. Vermutlich. Denn einem Sender, der den Schrecken der Unwissenden zur besten Sendezeit um 19 Uhr via Bildschirm verbreitet, wäre es auch zuzutrauen, eine solche Szenerie als Fake auf Sendung zu schicken, um Quote zu machen.

An den TV-Bildschirmen verfolgten 1,09 Millionen Zuschauer (3,8 Prozent) die Reaktionen der Kandidaten, die danach noch Grußbotschaften ihrer Familien und Freunde erhielten.

Wie genau die Bewohner im Camp im Kölner Stadtteil Ossendorf nun über die weitere Corona-Entwicklung informiert werden, ließ Sat.1 offen. Das werde man „tagesaktuell je nach Entwicklung der Ereignisse entscheiden“, zitierte die Deutsche Presseagentur den Sender am Mittwoch.

Dass das Virus in den Häusern grassiert, sei ausgeschlossen, hieß es. Nach Angaben von Sat.1 wurden alle neuen, nachgerückten Bewohner vor ihrem Einzug negativ getestet.

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