Trompeter Christian Kappe
„Eine schwer erträgliche Leere“

Ahlen -

Corona bremst die Kultur aus. Trompeter Christian Kappe berichtet, wie sein Alltag jetzt aussieht. Und er hat noch ein Lob parat.

Freitag, 03.04.2020, 20:00 Uhr
So kennen ihn viele Ahlener: Christian Kappe, stets gut gelaunt, mit seinem Instrument
So kennen ihn viele Ahlener: Christian Kappe, stets gut gelaunt, mit seinem Instrument Foto: Archiv

Eine Vollbremsung „von hundert auf null“. Auch ein Profi wie Christian Kappe muss das erst einmal verarbeiten. Das Jazzforum der Volksbank Beckum abgesagt, eine Tournee mit einer brasilianischen Sängerin nach Wien, Rom, Madrid und London abgesagt, ein Trip in die Schweiz mit Konzerten in Zürich, Basel und Luzern, abgesagt, ein Gastspiel in Ahlen seines Trios Cru Sauvage am 23. April in der Stadthalle ebenso abgesagt wie das mit dem Jugendjazzorchester UniJAZZity, dessen Leiter er ist.

„Eine solche Situation habe ich noch nicht erlebt“, erklärt der Musiker, ein Spezialist auf der Trompete und dem Flügelhorn. Bislang war sein Terminkalender mit Unterricht von montags bis freitags proppenvoll und die Wochenenden stets ausgefüllt mit eigenen Konzertterminen. Mit der Schließung der Schulen musste auch die Schule für Musik des Kreises die Schotten dicht machen, an der Christian Kappe unterrichtet. Und auch der Lehrauftrag an der Hochschule für Musik in Münster ruht derzeit.

Fehlender Konzertbetrieb

Auch wenn er nicht wie viele seiner Kolleginnen und Kollegen zu denen gehört, die keine Einnahmen mehr haben und mangels größerer Rücklagen von heute auf morgen vor dem Nichts stehen, ist ihm nicht wohl bei dem Gedanken, die Situation könnte sich länger hinziehen und nicht wie von vielen erhofft am 20. April zumindest gelockert werden. „Der fehlende Konzert- und Unterrichtsbetrieb ist nicht nur wirtschaftlich spürbar, sondern hinterlässt bei uns allen eine schwer erträgliche Leere“.

Nachdem die ersten Tage des staatlich verordneten „Hausarrests“ mit Tätigkeiten wie Schreibtischaufräumen und anderen Erledigungen ausgefüllt waren und die ungewohnte freie Zeit ihren ersten Schrecken verloren hat, ist Christian Kappe dazu übergegangen, die Kurs- und Unterrichtstätigkeit wieder aufzunehmen. Dazu musste die Musikschule nicht nur das passende Konzept entwickeln, sondern auch die Eltern mussten grünes Licht geben. „Online-Unterricht ist natürlich nicht eins zu eins vergleichbar mit dem normalen Unterricht“, stellt der Musiker fest. Es gebe inhaltliche Unterschiede und technische Grenzen, unter anderem wenn die Leitungen nicht so stabil seien. Es sei trotzdem schön, sich wenigstens online wiederzusehen und trotz der begrenzten Mittel per Monitor oder Display miteinander weiter an Musik und den Spielfähigkeiten weiterzuarbeiten.

Online-Unterricht ist natürlich nicht eins zu eins vergleichbar mit dem normalen Unterricht.

Christian Kappe

Wie ist es, wenn er selbst üben oder per Internet unterrichten will? „Bei uns ist momentan zu Hause natürlich besonders viel los, aber zum Glück haben wir tolerante Nachbarn“, gluckst Christian Kappe am Telefon. Seine Ehefrau ist auch Musikerin und hat ihren Unterricht ebenfalls ins Internet verlegt. Außerdem nutzt Christian Kappe das Tonstudio eines Freundes, was den Vorteil hat, dass er nicht nur auf die eigene Wohnung angewiesen ist. Auf diese Weise entgeht er nebenbei auch der Gefahr eines Lagerkollers. Geprobt mit seinen Kollegen wird aber derzeit nicht. „Wir sollten uns und andere nicht unnötig in Gefahr bringen“, ist der Musiker von der Sinnhaftigkeit des gegenwärtigen Kontaktverbots überzeugt.

Was Kultur und Künstler wert sind

Dass er am 23. April mit seinem Trio womöglich nicht in Ahlen auftreten kann, bedauert er sehr. Und spendet zugleich der Kulturgesellschaft und deren Geschäftsführer Christoph Wessels großes Lob, die bereit ist, ein Ausfallhonorar zu zahlen. „Dazu sind längst nicht alle bereit“, hat Christian Kappe in jüngster Zeit erfahren müssen. Dann merkt man erst, was Veranstaltern Kultur und Künstler wert sind. Aber es gibt ja auch ein Leben nach Corona – hoffentlich. Und als kleinen Trost während der „kulturlosen Zeit“ empfiehlt Christian Kappe das Album „Volume 1“ seines Trios Cru Sauvage, welches neuerdings über alle großen Streamingportale ganz einfach angehört werden kann.

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