Nach der Wiedereröffnung des Landesmuseums
Erste Sonderausstellung mit Norbert Tadeusz

Münster -

Kaum ist das Museum für Kunst und Kultur wieder offen, schon zeigt es eine spektakuläre Sonderausstellung. Man kann sie aber erst am Wochenende besuchen.

Mittwoch, 06.05.2020, 17:32 Uhr aktualisiert: 06.05.2020, 21:25 Uhr
Das Gemälde vom Palio in Siena aus dem Jahr 1995 trägt den Titel „Cavalli 3“.
Das Gemälde vom Palio in Siena aus dem Jahr 1995 trägt den Titel „Cavalli 3“. Foto: Wilfried Gerharz

Drei muskulöse Männer hängen turnend an Ringen – tatsächlich ist es wohl derselbe Mann in drei Varianten auf einem Bild. Auf anderen Gemälden hingegen hängen Tiere: geschlachtete Schweine. Aber nicht nur das Hänge-Motiv ist diesen Bildern von Norbert Tadeusz gemeinsam. Sondern vor allem: die farbliche Kraft, die malerische Wucht.

„Diese Bilder muss man im Museum betrachten, das kann kein Internet ersetzen“, sind sich Barbara Rüschoff-Parzinger und Hermann Arnhold einig. Die Kulturdezernentin des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe und der Direktor des Westfälischen Landesmuseums beziehen ihre Einschätzung vor allem auf die Großformate, die der 2011 verstorbene Tadeusz zum Teil auch in Münster gemalt hat: Er war in den 70er und 80er Jahren Professor an der Kunstakademie. Andererseits ziehen die Ausstellungsmacher ihre Lehren aus der Coronakrise und bieten online sowohl Informationen als auch einen Livestream am Samstag um 18 Uhr an, mit dem die Sonderausstellung eröffnet wird. Ein offenbar fruchtbares Zusammenspiel von digitaler und analoger Kunstwelt.

Szenen aus Italien

Norbert Tadeusz wurde 1940 in Dortmund geboren und war, wie Blinky Palermo, Meisterschüler von Joseph Beuys in Düsseldorf. Gerade bei Tadeusz würde man es auf den ersten Blick nicht vermuten: Er war einer der wichtigsten figurativen Maler und wollte nicht mal als „Künstler“ bezeichnet werden. Schon im ersten Bild, mit dem die Sonderausstellung ihre Besucher empfängt, ist seine malerische Klasse offenkundig: In „(Huhn) Hände“ hält ein Mensch zwei Hühnerköpfe fest, als wären sie Figuren eines Puppenspiels. Schön und brutal zugleich ist diese Darstellung vor traumhaft blauem Hintergrund.

Norbert Tadeusz im LWL Museum

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Im selben Raum fasziniert auch eines der fulminanten Großformate: Das Italienbild „Valentano“ zeigt zwar eine Baustelle, erinnert aber die Betrachter an eine Ruinenszenerie à la Pompeji. Italien hatte es Tadeusz, der auch auf Elba und in Florenz lebte, ohnehin angetan. Faszinierend deutlich wird das auf den Bildern vom „Palio“ in Siena, dem berühmten Pferderennen auf dem zen­tralen Platz der Stadt: Museumsdirektor Hermann Arnhold weist auf die Besonderheit hin, drei Pferde und ihre kämpfenden Reiter in ungewöhnlicher Position zu zeigen, mit nichts als gelber Fläche um sie herum.

Arnholds Favoriten hängen allerdings in einem anderen Raum: Unter den Swimmingpool-Bildern findet sich auch ein Seerosenbild, das eben nicht an Maler wie David Hockney oder Francis Bacon erinnert, mit deren Werk Tadeusz oft Berührung hat, sondern – ganz klar bei dem Motiv – an Claude Monet.

Besondere Gemälde

Auf ein besonderes Bild weist Tanja Pirsig-Marshall hin, die die Ausstellung kuratiert hat: Das Gemälde „Neon“ sieht mit seinen farbigen Lichtröhren auf den ersten, ja sogar auf den zweiten Blick wie collagiert aus, scheinbar dreidimensional. und am Ende zeigt ein Video den Künstler – nein: den Maler – bei der Arbeit. Immer fein im Anzug, aber mit Kohle-schwarzen Händen.

Der Raum mit den Pool-Bildern übrigens gehört zu den Besonderheiten, die die Schau in Münster von ihrer Vorläuferin unterscheidet: Ein großer Teil war ja noch vor der Corona-Pause im Düsseldorfer Kunstpalast zu sehen, und durch den glücklichen Umstand, dass die Bilder rechtzeitig nach Münster kamen, ist das Museum jetzt in einer glücklichen Vorreiterrolle: In der Folge von Ausstellungen mit malerischen Positionen wie „Das nackte Leben“ bis zu William Turner kann es jetzt die erste große Sonderausstellung nach der Wiedereröffnung präsentieren.

Zum Thema

Norbert Tadeusz. Ausstellung im LWL-Museum für Kunst und Kultur. Vom 9. Mai bis zum 2. August. Eröffnet wird die Ausstellung am Samstag (9. Mai) um 18 Uhr ohne Besucher, zu sehen per Live-Stream

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