Das Konzept des Wolfgang-Borchert-Theaters für den Juni
Eine Premiere – vier Abende

Münster -

Die Kultusminister der Länder haben sich auf Eckpunkte für die Wiedereröffnung der Theater geeinigt. Münsters Borchert-Theater hat bereits einen Plan.

Dienstag, 19.05.2020, 10:58 Uhr aktualisiert: 19.05.2020, 11:28 Uhr
Meinhard Zanger, Intendant des Wolfgang-Borchert-Theaters in Münster
Meinhard Zanger, Intendant des Wolfgang-Borchert-Theaters in Münster Foto: pd

„Wir spielen vier Premieren statt einer“, erzählt Meinhard Zanger und gewinnt der schwierigen Corona-Situation sogar ein ironisches Lachen ab. Denn wenn das Wolfgang-Borchert-Theater am 4. Juni wieder öffnet, steht die neue Inszenierung des Stücks „Momentum“ von Lot Vekemans auf dem Programm. Und weil das Konzept des Theaters nur 32 Zuschauer (mit Masken) anstelle der sonst möglichen 146 vorsieht, wird das Publikum der ausverkauften Vorstellung auf vier Abende verteilt.

Schauspieler auf Abstand

Es gibt allerdings noch weitere Gründe dafür, ein und dasselbe Stück im Juni zunächst von Donnerstag bis Sonntag und in der Woche darauf von Mittwoch bis Samstag zu präsentieren. Einer ist die Zahl der Bühnenwerke, bei denen sich möglichst wenige Schauspieler möglichst berührungslos begegnen – wobei Zanger betont, dass es nur um die einzelnen Szenen geht und deshalb in seinem Haus noch nicht die Zeit der Ein- bis Zwei-Personen-Stücke anbricht. Und andererseits wird das Borchert-Theater seinen Spielbetrieb mit nur wenigen Umbauten zwischen den Spieltagen wiederaufnehmen. Damit spart es, weil keine Aushilfen nötig sind, einige Personalkosten ein. Die in naher Zukunft gezeigten Stücke werden zudem ausschließlich von Ensemblemitgliedern gespielt. Am 28. Juni ist dann der letzte Spieltag dieser Saison.

Datenabfrage beim Kartenkauf

Die Kosten des Theaterspielens vor einem Viertel des Publikums machen sich bei den Modalitäten des Kartenverkaufs bemerkbar. Die Daten der Besucher werden beim Kauf registriert, und es gibt ein spezielles Einlass-Management, damit notfalls Infektionswege nachvollzogen werden können. Deshalb fällt derzeit der Kartenkauf im Internet aus, und wer schwerwiegende Bedenken hat, seine Daten preiszugeben, muss auf den Theaterbesuch vorerst verzichten.

Dass das Wolfgang-Borchert-Theater unter diesen Umständen überhaupt spielt, hängt damit zusammen, dass es sich seinen Förderern verpflichtet weiß – und von denen sowie von Geldspendern gibt es in der Notsituation einige, wie Meinhard Zanger dankbar feststellt. Schon mehr als 60 000 Euro kann das Theater durch unterschiedliche Arten der Spenden verbuchen, hinzu kommt die Soforthilfe des Landes NRW. Dem stehen Ausfälle von bislang 200 000 Euro gegenüber.

Einnahmen durch Gastronomie erhofft

Auch auf die Gas­tronomie hofft Zanger. „Für 32 Leute dürfte das eigentlich kein großes Problem mit den Corona-Schutzbestimmungen sein“, vermutet der Borchert-Theater-Intendant und setzt auf die kurzfristige Erlaubnis für den Betreiber, mit der Öffnung zur Hafenseite auch Außen-Gastronomie anbieten zu können – die Stadt habe den Kulturschaffenden ja unkonventionelle Hilfen in Aussicht gestellt.

Was die nächste Spielzeit für das Theater und seine Besucher bringen wird, vermag Zanger noch nicht zu sagen und verweist auf die Ankündigung des Landes NRW, wonach die „großen Theater“ im September ihren „regulären Spielbetrieb“ wieder aufnehmen dürfen. Was das im Einzelnen bedeutet, möchten gewiss auch all die anderen Theaterleiter wissen. Das Borchert-Theater jedenfalls sieht der Wiedereröffnung gespannt entgegen und will auch bald den Spielplan für die Saison 2020/21 präsentieren.

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