Christo bleibt mit dem Münsterland und seiner Textilindustrie für immer verwoben
Das letzte Projekt wird ein Triumph

Münster -

Der Künstler Christo war dem Münsterland und seiner Textilindustrie stets verbunden. Mit Schilgen in Emsdetten und später mit Setex in Hamminkeln und Greven arbeitete er bei seinen Großprojekten stets vertrauensvoll zusammen. Auch für das letzte Projekt, die Verhüllung des Triumphbogens in Paris, kommen 2021 Industriegewebe aus dem Münsterland zum Einsatz.

Dienstag, 02.06.2020, 18:42 Uhr
Am 3. Mai 2006 besuchten Christo und seine Frau Jeanne-Claude Münster. Nach einem Empfang im Friedenssaal stattete das Künstlerehepaar auch dem Picasso-Museum mit seinem Leiter Prof. Dr. Markus Müller (Mitte) einen Besuch ab.
Am 3. Mai 2006 besuchten Christo und seine Frau Jeanne-Claude Münster. Nach einem Empfang im Friedenssaal stattete das Künstlerehepaar auch dem Picasso-Museum mit seinem Leiter Prof. Dr. Markus Müller (Mitte) einen Besuch ab. Foto: Oliver Werner

Die Welt trauert um den stets etwas monothematisch als „Verpackungskünstler“ titulierten und bisweilen damit auch eingeengten Christo (1935-2020). Doch seine Kunst, die ja stets für den Augenblick gemacht und dann wieder abgebaut wurde, lebt weiter. Es mag in diesem Kontext tröstlich sein, dass Frankreich an der geplanten Verpackung des Triumphbogens in Paris festhält. Die Aktion im Herbst kommenden Jahres werde wie „ein letztes Geschenk dieses Künstlers an diese Stadt“ sein, teilte das Amt von Staatschef Emmanuel Macron schon am Pfingstmontag mit. Macron und zahlreiche weitere Politiker sowie Künstler, Freunde, Fans und Wegbegleiter weltweit trauern um Christo, der, wie ausführlich berichtet, am Pfingstsonntag in New York rund zwei Wochen vor seinem 85. Geburtstag gestorben war.

In Deutschland wurden Christo und seine 2009 gestorbene Ehefrau Jeanne-Claude vor allem durch die Verhüllung des Reichstags in Berlin bekannt. 1995 verdeckten sie das Gebäude mit 100 000 Quadratmetern Spezialstoff. Die Aktion lockte fünf Millionen Besucher an und gilt bis heute als eines ihrer Meisterwerke.

Zum Münsterland hatte Christo immer eine besondere Beziehung. Mit der Emsdettener Firma Schilgen, die 2013 von Setex (Hamminkeln/Greven) übernommen wurde, verband ihn eine produktive Partnerschaft. Schilgen und später Setex lieferten sozusagen das Verpackungsmaterial für die aufwendigen Aktionen Christos. So war es schon bei der Verhüllung des Reichstages in Berlin. Diese Verhüllung habe dem Reichstag „zu neuer Sichtbarkeit“ verholfen und auch „zu der Bedeutung, die der Sitz des Parlaments für uns Heutige hat“, sagt rückblickend Kulturstaatsministerin Monika Grütters aus Münster.

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier zeigt sich betroffen über den Tod Christos. „Mit dem verhüllten Reichstag in Berlin hat Christo uns Deutschen ein Kunstwerk geschenkt, das immer unvergessen bleiben wird. Als Symbol für ein weltoffenes Deutschland hat es sich in unsere Herzen eingebrannt.“ Mit dem verhüllten Reichstag habe Christo Bilder geschaffen, „die bis heute unvergessen sind“, so stimmte Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller in die Nachrufe ein.

Zu anderen berühmten Projekten des Künstlerpaares zählten das „Big Air Package“ getaufte Luftpaket im Gasometer Oberhausen (wo bereits 1999 auch die gestapelten bunten Tonnen des Projekts „The Wall“ begeisterten), die safranfarbenen Tore im New Yorker Central Park („The Gates“), die schwimmenden, mit Nylongewebe bezogenen Stege auf dem Wasser des Iseosees in der Lombardei („Floating Piers“) sowie die verpackte Brücke Pont Neuf in Paris.

Das nächste großes Projekt des in Bulgarien geborenen Amerikaners, der ein Atelier im Süden Manhattans besaß, war eben die Verhüllung des Pariser Triumphbogens. Sie war wegen der Coronavirus-Pandemie bereits um ein Jahr verschoben worden und soll nach bisherigen Planungen nun zwischen dem 18. September und 3. Oktober 2021 stattfinden. Auch hier liefert wieder Setex aus dem Münsterland den Stoff, aus dem die Kunst-Träume sind.

Mitte April berichtete die Deutsche Presseagentur bereits über die Fertigung der riesigen, rund 25 000 Quadratmeter großen Verpackungshülle. Die ersten 6000 Quadratmeter des Materials waren vor Ostern geliefert worden, seither rattern bei den Näherinnen des Unternehmens „geo – die Luftwerker“ in Lübeck die Nähmaschinen. Die Arbeit mit dem dicken Material sei alles andere als einfach, sagte „Luftwerker“-Firmenchef Robert Mey­knecht. „Es besteht aus Polypropylen und wiegt 615 Gramm pro Quadratmeter. Entsprechend groß ist die Last, die die Mitarbeiter beim Nähen auf dem Schoß haben.“ Im Herbst 2021 werden die Stoffbahnen aus dem Münsterland dann den Triumphbogen in Paris verhüllen und Christo posthum noch einen letzten künstlerischen Triumph bescheren.

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