„SMS für dich“ im Boulevard Münster
Traurigkeit wird weggetanzt

Münster -

Ein Todesfall als Ausgangspunkt einer Komödie? Der Film „SMS für dich“ hat gezeigt, dass das geht. Und das Boulevard Münster zeigt, dass es auch auf der Bühne funktioniert. Mit einem guten Schuss Romantik.

Sonntag, 27.09.2020, 16:00 Uhr
Clara (Franziska Bienek) und Sven (Marc Zabinski) können sich auf die treibenden Kräfte von Katja (Floriane Eichhorn, 2. v. l.) und Heike (Michaela Fleischer) verlassen.
Clara (Franziska Bienek) und Sven (Marc Zabinski) können sich auf die treibenden Kräfte von Katja (Floriane Eichhorn, 2. v. l.) und Heike (Michaela Fleischer) verlassen. Foto: Boulevard Münster

Die Ausgangssituation ist eigentlich alles andere als Stoff für eine romantische Komödie. Claras Freund kam kurz vor der Hochzeit bei einem Autounfall ums Leben. In ihrer Trauer schreibt sie sehnsuchtsvolle SMS an seine alte Handynummer. Die kriegt aber nicht der Tote, sondern Sven, ein Journalist, an den die Telefongesellschaft die Nummer mittlerweile vergeben hat. Und weil der Journalist ein Journalist ist, beginnt er die Sache zu recherchieren. Natürlich kriegen sie sich.

„SMS für dich“ heißt das neue Stück im Boulevard Münster, das am Freitag unter der Regie von Angelika Ober Premiere hatte. Es basiert auf dem gleichnamigen Roman von Sofie Cramer , aus dem Karoline Herfurth später einen erfolgreichen Film machte. Die Theaterfassung wiederum stammt von Oliver Geilhardt, der das Ganze so bearbeitet hat, dass es auch gut über die Bühne geht.

Diese hat Peter Pittermann im Boulevard in zwei Bereiche aufgeteilt – links Claras heimelige Wohnung mit roter Ledersitzgruppe und viel Kunst an den Wänden, rechts Svens nüchternes Redaktionszimmer, in dem er gerade einen Artikel in den Laptop hackt, als Claras erste SMS bei ihm ankommt – die er von sich aus nicht weiter beachtet hätte, wäre da nicht seine Kollegin Heike, die das romantische Potenzial der Situation sofort erkennt. Michaela Fischer und Marc Zabinski geben hier ein erfrischend gegensätzliches Paar ab, das mit seinem verbalen Schlagabtausch schnell die Sympathien der Zuschauer gewinnt.

Aber auch Clara hat mit ihrer Freundin Katja eine treibende Kraft an der Seite. Floriane Eichhorn in der Rolle der Katja ist ein kleiner Wirbelwind – immer für die Freundin da, nie um einen guten Rat verlegen. Und Franziska Bienek als Clara weiß das zu schätzen. Gemeinsam diskutieren und trinken sie die Traurigkeit weg und heimsen mit gelegentlichen Tanzeinlagen sogar noch Szenenapplaus ein.

Zugegeben, ein bisschen schematisch ist das Stück schon aufgebaut. Hier die Liebenden in spe, dort die beiden Freundinnen, die als eine Art Katalysator die Reaktion herbeiführen. Aber das tut dem Ganzen keinen Abbruch. Obers Regie führt sicher durch die Handlung, bei der auch das eine oder andere Missverständnis zu umschiffen ist, während das routinierte Ensemble nicht nur für Komik, sondern nach der Pause auch für gehörig Romantik sorgt. Und wenn am Ende die Protagonisten ihr Happy End und die Darsteller ihren Applaus einfahren, ist beides verdient.

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