Open-Air-Musical „Sommernachtstraum“ am Eulenturm vor der Musikschule
Elektrisierender Hingucker

Münster -

Eigentlich war die Premiere erst für März nächsten Jahres vorgesehen. Dann kam Corona – und die Westfälische Schule für Musik disponierte um. Shake­s­peares „Sommernachtstraum“ als Open-Air-Spektakel ging bereits am Wochenende erstmals über die Bühne. Im Mittelpunkt: die „Chor’n’Flakes“, der Jugendchor der Musikschule. Knapp 30 Akteure im Alter zwischen 11 und 19 Jahren, samt und sonders hoch motiviert, wenn nicht gar elek­trisiert von dem märchenhaften Stoff, in dem ganz handfest Beziehungskisten verhandelt werden.

Montag, 28.09.2020, 17:42 Uhr aktualisiert: 01.10.2020, 19:04 Uhr
In fantastischen Kostümen spielten Mitglieder des Jugendchors der Musikschule, „Chor’n’Flakes“, Shakespeares „Sommernachtstraum“ vor der Kulisse der Eulenburg – drei Elfen beschützen den Schlaf ihrer Königin „Titania“.
In fantastischen Kostümen spielten Mitglieder des Jugendchors der Musikschule, „Chor’n’Flakes“, Shakespeares „Sommernachtstraum“ vor der Kulisse der Eulenburg – drei Elfen beschützen den Schlaf ihrer Königin „Titania“. Foto: Westfälische Schule für Musik

Eigentlich war die Premiere erst für März nächsten Jahres vorgesehen. Dann kam Corona – und die Westfälische Schule für Musik disponierte um. Shake­s­peares „Sommernachtstraum“ als Open-Air-Spektakel ging bereits am Wochenende erstmals über die Bühne. Im Mittelpunkt: die „Chor’n’Flakes“, der Jugendchor der Musikschule. Knapp 30 Akteure im Alter zwischen 11 und 19 Jahren, samt und sonders hoch motiviert, wenn nicht gar elek­trisiert von dem märchenhaften Stoff, in dem ganz handfest Beziehungskisten verhandelt werden.

Das Ergebnis war in jeder Hinsicht eine echte Sensation: musikalisch, schauspielerisch, atmosphärisch. Der „Eulenturm“ auf dem ehemaligen Zoogelände hinter dem Musikschulgebäude lieferte zusammen mit den alten Bäumen und ihren weit ausschwingenden Ästen die perfekte Kulisse für Göttinnen, Elfen, Bürger von Athen und natürlich die beiden Paare, von denen man erst einmal nicht weiß, wer eigentlich wen liebt. Aber das war am Ende dann geklärt. Köstlich auch die Gruppe der Handwerker bei der Aufführung ihres Theaterstücks.

Einfach zu stemmen war dieses Projekt in Corona-Zeiten nicht. Claudia Runde kürzte die Musik von Oliver Hauser auf 80 Minuten Spieldauer und steuerte eigene Texte bei, Lea Christiansen zeichnete verantwortlich für die Choreografie. Geprobt wurde nach Einhaltung aller Vorschriften, aber äußerst intensiv, an Sprache nicht weniger akribisch als an der Musik. Diese Arbeit hat sich gelohnt und bescherte den rund 100 zugelassenen Personen im Publikum ein temporeiches Geschehen mit viel Witz, aber auch nachdenklichen Momenten. Ein Hingucker: die fantastischen Kostüme für das gesamte Personal, bei dem nicht nur aus dem Fundus von Claudia Runde geschöpft werden konnte, nein, auch die Eltern wurden mit Nadel und Faden aktiv. Das ist längst nicht selbstverständlich.

Gern hätte man die Instrumentalmusik live gemacht – das allerdings war organisatorisch unter den gegebenen Bedingungen nicht möglich. Insofern kam sie über Boxen aus der Konserve, was dem Stück aber keinen Abbruch tat. Insgesamt erwies sich dieser tolle Abend nicht als ein „Provisorium“, sondern als überzeugendes Gesamtkunstwerk, auf das alle Akteure stolz sein können. Großer Applaus!

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