Alexander Krichel begeistert mit Virtuosität und Fantasie in Telgte
Beethovens Ruhe vor dem Sturm

Telgte -

Im Beethoven-Jahr lässt ein Pianist wie Alexander Krichel die Sonaten des Jubilars natürlich nicht aus. Aber bei seinem Konzert in Telgte sorgte auch Werke von Franz Liszt für Begeisterung.

Dienstag, 13.10.2020, 11:50 Uhr
Beim Fototermin ahnte man noch nicht, wie Alexander Krichel in den Liszt-Interpretationen die Saiten glühen lassen würde.
Beim Fototermin ahnte man noch nicht, wie Alexander Krichel in den Liszt-Interpretationen die Saiten glühen lassen würde. Foto: Christoph Schulte im Walde

Es ist schon bemerkenswert, wie viele musikalische Talente man in Münster und im Münsterland in den letzten zehn, zwanzig Jahren hat erleben dürfen, die dann später steile Karrieren auf internationalen Bühnen gemacht haben. Alexander Krichel gehört zu diesen Künstlern. Vor elf Jahren – da war Krichel gerade mal zwanzig Jahre alt – debütierte er bei den „Galeriekonzerten“ in Warendorf, kam dann regelmäßig dorthin zurück, jetzt spielte er im Bürgerhaus in Telgte. Im Gepäck ein Programm, das es in sich hatte: zwei Mal Beethoven, zwei Mal Liszt .

Gar keine Frage, Alexander Krichel gehört längst zur Spitzenliga der Pianisten, was er mit seinem Auftritt in Telgte eindrucksvoll unterstrich. Als sei Beethovens „Sturm“-Sonate gerade eben erst frisch komponiert, so klingt das bei Krichel. Wie improvisiert, sehr frei und ungezwungen, die rezitativischen Momente wie gehaucht, die rauschenden Arpeggien wie von einer Harfe modelliert. Das ist große Kunst! Gleiches gilt für Beethovens „Appassionata“, die Krichel als ganz großen Wurf aus dem Flügel meißelt. Ja, er meißelt. Er schont weder sich noch das Instrument, auch nicht sein Publikum, gönnt diesem allenfalls im sanften „Andante“-Choral etwas Ruhe, die bekanntlich vor dem Sturm kommt. Und der bricht sich spätestens im Finale seine Bahn.

Statt Sturm dann loderndes Feuer: Das hat Franz Liszt entfacht, zuerst in der martialischen „Tarantella“ aus dem Triptychon „Venezia e Napoli“, dann in der „Dante“-Fantasie, in der Alexander Krichel geradezu apokalyptische Bilder entstehen lässt. Das ist absolute Knochenarbeit, sollte (wie hier) aber bloß nicht so klingen. Man reibt sich die Augen angesichts dieser sportlichen Höchstleistung mit nur zehn Fingern auf den Tasten, die Krichel traktiert, bis die Saiten glühen. Gleichwohl hält er alles unter Kontrolle, kommt aus ohne große pathetische Geste oder Virtuosenattitüde. Da erlebt man einen Musiker, der sämtliche spieltechnischen Klippen der Musik locker umschifft. Und einen Pianisten, dem es wunderbar gelingt, Bilder zu malen – in Liszts „Gondoliera“, der betrübten „Canzona“ und im dampfenden Purgatorium der Dante-Vertonung.

Sein Publikum in Telgte hatte Alexander Krichel vom ersten Moment an für sich gewonnen. Und nach dem finalen donnernden Akkord stand es spontan für Ovationen auf den Füßen. Ein grandioser Abend!

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