Litauische Malerin Eglé Pakarklyte lebt und arbeitet in Münster
Nachts entstehen bunte Welten

Münster -

Was ihren Lehrern aus dem Gymnasium missfiel, macht heute die Einzigartigkeit ihrer spannend chiffrierten Großformate aus. Die litauische Künstlerin Eglé Pakarklyte setzt auch auf Erotik: „In der Natur ist Erotik überall ganz unauffällig anzutreffen: allein schon in den Blüten.“

Samstag, 21.11.2020, 07:31 Uhr aktualisiert: 23.11.2020, 15:51 Uhr
Auf ihren großformatigen und farbintensiven Buntstiftzeichnungen beschäftigt sich Eglé Pakarklyte mit dem Beziehungsgeflecht zwischen Natur und Zivilisation. Sie spielt mit realen und abstrakten Formen, mit Identitäten und Sehnsüchten, mit Unterbewusstsein und Eros.
Auf ihren großformatigen und farbintensiven Buntstiftzeichnungen beschäftigt sich Eglé Pakarklyte mit dem Beziehungsgeflecht zwischen Natur und Zivilisation. Sie spielt mit realen und abstrakten Formen, mit Identitäten und Sehnsüchten, mit Unterbewusstsein und Eros. Foto: Peter Sauer

Waldspaziergänge sind für Eglé Pakarklyte mehr als nur eine Freizeitbeschäftigung. Die Natur dient der Münsteranerin als wichtige Grundlage für die künstlerische Arbeit. „Viele Pilze sind in ihrer Form einmalig, der Mensch hat wenig Einfluss auf sie. Pilze wachsen wie und wo sie wollen. Ich versuche, die erlebte Energie des Waldes später zuhause in meine Bilder zu leiten.“

Es sind diese organischen Formen von weitläufigen Wurzelgeflechten, feinadrigen Blättern, es ist diese ursprüngliche Harmonie, die Eglé Pakarklyte im scharfen Kontrast erlebt zur Zivilisation, die vom Menschen gesteuert wird. Rational und emotional, mit auferlegten Grenzen und Tabus. Davon erzählen ihre eruptiv-emotionalen Buntstiftzeichnungen. Bei Eglé Pakarklyte gibt es keine Vorzeichnungen. „Schon auf dem Gymnasium in Litauen hatte ich das Problem, Skizzen zu machen. Sie entsprechen für mich nicht der organischen Grundform der Kunst.“ Was ihren Lehrern damals missfiel, macht heute die Einzigartigkeit ihrer spannend chiffrierten Großformate aus. Sie zeichnet diese intuitiv. Die raschen Ereignisse auf dem Bild lenken den Malprozess.

Die Malerin Eglé Pakarklyte

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  • Sehr fotorealistisch erscheint diese Zeichnung von Eglé Pakarklyte eines gründerzeitlichen Hauses am Ring in Münster.

    Foto: Peter Sauer
  • Wie energetisch und pulsierend Beziehungen zwischen Mann und Frau ablaufen können zeigt Eglé Pakarklyte mit dieser Zeichnung.

    Foto: Peter Sauer
  • Bienen-Stilleben von Eglé Pakarklyte. "Natur in all ihrer Vielfalt ist meine ewige Begleiterin. Sie ist aus meiner Kunst nicht wegzudenken.“

    Foto: Peter Sauer
  • Eglé Pakarklyte thematisiert die Janusköpfigkeit des Fliegenpilzes, der früher ein Symbol für Bedrohung und Tod war und heute als positives Glückssymbol dient, zum Beispiel zu Silvester oder zum Valentinstag.

    Foto: Peter Sauer
  • Tanz und Musik sind für Eglé Pakarklyte sehr wichtig, auch um Gefühle frei und natürlich ausdrücken zu können. Auf ihrer Buntstiftzeichnung tanzt im Schutz gebenden Blütenkostüm einer überdimensionalen Rokokofrau ganz vertraut und innig ein Pärchen, umgeben von beeindruckenden Formen und Strukturen aus der Welt der Pflanzen und Organismen.

    Foto: Peter Sauer
  • Eglé Pakarklyte kann es spätestens mit diesem Bild nicht verleugnen: Kaffee ist ihr Lieblingsgetränk.

    Foto: Peter Sauer
  • Im Strudel zwischen sinnlichen Wünschen und verbotenen Früchten ist dieses Buntstiftbild von Eglé Pakarklyte angesiedelt.

    Foto: Peter Sauer
  • Auf ihren großformatigen und farbintensiven Buntstiftzeichnungen beschäftigt sich die Münstersche Künstlerin Eglé Pakarklyte mit dem Beziehungsgeflecht zwischen Natur und Zivilisation. Sie spielt mit realen und abstrakten Formen, mit Identitäten und Sehnsüchten, mit Unterbewußtsein und Eros. Im Lockdown arbeitet sie gerade an neuen Werken für eine neue Ausstellung, die für Frühjahr 2021 geplant ist.

    Foto: Peter Sauer

Pakarklyte ist eine Autodidaktin. Geboren in Klaipėda/Republik Litauen, verpasste sie an der Kunstakademie Vilnius knapp die Aufnahme: „Es gibt pro Jahrgang nur fünf freie Plätze. Ich kam auf Platz sechs.“ Da nahm sie kurzentschlossen privaten Kunstunterricht bei namhaften litauischen Künstlern wie Augustinas Virgilijus Burba (Druckgrafik) und Giedrė Masiulytė–Burbienė (Keramik).

Um Deutsch zu lernen „und meine Kunst mit der Sprache zu verbinden“ wanderte Eglé Pakarklyte 1996 nach Deutschland aus. Seit Längerem wohnt sie in Münster, hatte allein hier bislang vier Ausstellungen. Auch wenn man auf ihren halb-abstrakten Zeichnungen Beziehungen zwischen abgebildeten Menschen entdecken kann, zielen ihre surrealen Werke tiefer in die Welt des Unbekannten, Unterbewussten und Unsagbaren. Pakarklyte: „Erotik ist enthalten, aber nicht geplant. In der Natur ist Erotik überall ganz unauffällig anzutreffen: allein schon in den Blüten.“

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Strich für Strich, mal kraftvoll und farbdeckend, mal hauchzart und transparent tanzen ihre Buntstifte über das Papier. Meistens zur Musik von Whitney Houston. Und meistens in der Nacht. „Die ganze Welt schläft dann, und ich werde nicht abgelenkt oder gestört. Ich vereine mich mit der Kunst.“ Locker von der Hand gehen Pakarklyte dabei saubere und exakte Linien. „Buntstifte spiegeln mein Gemüt wider. Weil ich ein fröhlicher Mensch bin.“

Eglé Pakarklyte vereint gut Ost und West. „In der Kunst geht es in Deutschland mehr um das Thema, um die Botschaft eines Werkes. In Litauen geht es mehr um Gefühle.“ Heimweh hat sie nur nach den litauischen Zeppelinas. „Das sind Kartoffelklöße, die mit einer Quark- oder Fleischmasse gefüllt und zu einem Zeppelin geformt werden. Gegessen werden sie mit einer Butter-Sahne-Sauce oder mit zerlassenem Speck mit ausgelassenen Zwiebeln.“

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