Musiker in der Corona-Krise
Pianist und Dirigent Lars Vogt: „Reichtum der Musik herausstellen“

Münster/Nürnberg -

Für Künstler, speziell auch Musiker, geht ein Jahr mit großen beruflichen Einschränkungen zu Ende. Lars Vogt ist einer der ganz wenigen deutschen Pianisten, die weltweit in der ersten Liga der Klavier-Szene spielen, und längst auch ein gefragter Dirigent. Mit ihm sprachen wir über das Corona-Jahr und die Folgen, die es nach sich ziehen wird. Von Gerd Felder
Sonntag, 20.12.2020, 14:30 Uhr
Veröffentlicht: Sonntag, 20.12.2020, 14:30 Uhr
Lars Vogt an seinem Instrument
Lars Vogt an seinem Instrument Foto: Anna Reszniak

Lars Vogt ist einer der ganz wenigen deutschen Pianisten, die weltweit in der ersten Liga der Klavier-Szene spielen, und längst auch ein gefragter Dirigent. 1970 in Düren geboren, lebt er seit 2019 mit seiner zweiten Frau, der polnischen Geigerin Anna Resz­niak, und ihrer gemeinsamen Tochter Emma in Nürnberg. Im Interview äußert Vogt sich zu den Auswirkungen der Corona-Pandemie auf die Musikwelt insgesamt sowie für ihn persönlich.

In Kritiken werden Sie als „Anschlags- und Klangdifferenzierer“ am Klavier gerühmt. Trifft das zu?

Lars Vogt: Der Anschlag ist, glaube ich, tatsächlich eine spezifische Sache bei mir, und ich spreche oft auch mit meinen Studierenden darüber. Ich glaube nicht, dass ein schöner Ton herauskommt, wenn man den Anschlag vertikal von oben nach unten denkt, sondern ich will ihn gleichsam horizontal aus dem Instrument herausholen. Mein Klangideal liegt außerhalb des Klaviers; es ist ein gesanglicher, warmer Anschlag. Martha Argerich erfüllt dieses Ideal; sie ist für mich die Anschlagskünstlerin par excellence. Ihr Spiel grenzt an Zauberei.

Sie spielen als Pianist ein enorm breites Repertoire. Haben Sie Lieblings-Komponisten oder Lieblings-Stücke?

Vogt: Für mich ist stets das Stück, das ich gerade spiele, das Absolute, sei das nun ein Brahms-Trio, das Klavierkonzert von Robert Schumann oder eine Klaviersonate von Franz Schubert. Und wenn ich mir dann Bach vornehme, dann bekomme ich den Eindruck, ich könnte bis zum Ende meines Lebens nur Werke von diesem Komponisten lernen. Glücklicherweise gibt es für Klavier ein so vielseitiges Repertoire, dass es in alle Richtungen immer noch viel zu entdecken gibt. Leider werden die beliebten „Schlachtrösser“ wie zum Beispiel die Tschaikowski- oder Rachmaninow-Klavierkonzerte oft zu reinen Virtuo­sen-Stücken degradiert.

Zum Beethoven-Jahr 2020 haben Igor Levit und Daniel Barenboim Gesamteinspielungen aller 32 Beethoven-Klaviersonaten vorgelegt. Warum haben Sie das noch nicht getan?

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