In den Spuren von Johann Sebastian Bach
Leipzig wählt Reize zum Thomaskantor

Münster//Leipzig -

Diese Personalie ist in der Musikwelt von großem Belang. Die Thomaner in Leipzig bilden einen der bekanntesten Chöre der Welt. 2021 wird der Schweizer Andreas Reize (45) das Amt des Thomaskantors übernehmen. Er steht damit auch in einer Reihe der Thomaskantoren seit Johann Sebastian Bach. Der Rat der Stadt wählte Reize am Freitagabend einstimmig.

Freitag, 18.12.2020, 19:08 Uhr aktualisiert: 18.12.2020, 19:11 Uhr
Andreas Reize (45)
Andreas Reize (45) Foto: Theater Solothurn

Seit Freitagabend um 18.10 Uhr ist es amtlich: Neuer Leiter des Leipziger Thomanerchors an der evangelischen Thomaskirche wird der Schweizer An­dreas Reize (45). Der Rat der Stadt Leipzig wählte ihn einstimmig und bestätigte damit den Vorschlag der Auswahlkommission.

Reize wurde 1975 im schweizerischen Solothurn geboren, studierte Kirchenmusik in Bern und Winterthur-Zürich, historische Aufführungspraxis an der renommierten Schola Cantorum Basiliensis und absolvierte ein Aufbaustudium Orchesterleitung in Luzern. Seit 2011 ist er Direktor des Zürcher Bach-Chores sowie seit 2019 Erster Gastdirigent am Theater Biel-Solothurn für den Bereich Alte Musik. Zurzeit leitet er das Cantus Firmus Vokalensemble und das Cantus Firmus Consort-Orchester. Zudem ist er Musikdirektor der Oper Waldegg und seit 2007 außerdem Chef beim ältesten und hoch gelobten Knabenchor der Schweiz, den Singknaben der St. Ursenkathedrale Solothurn. Reize setzte sich unter rund 40 Bewerberinnen und Bewerbern durch. Er ist zudem der erste Katholik seit der Reformation an der Spitze der Thomaner, die an der Evangelischen Thomaskirche in Leipzig zu Hause sind.

Der Musikkritiker Claus Fischer vom Mitteldeutschen Rundfunk sah Reize zunächst eher als Außenseiter im Rennen der 40 Bewerber in der Endrunde, doch der Schweizer überzeugte aber auch gerade durch seinen Umgang mit dem Chor. Aufgrund seiner Referenzen und seines Werdegangs könne in Leipzig nun möglicherweise auch ein historisch informiertes Bachorchester entstehen, so hofft Fischer. Dass der Schweizer Katholik ist, wird offenbar nicht als Problem für das Kantorenamt gesehen. Fischer verwies auf den Protestanten Bach , der wiederum seine h-Moll-Messe für den inzwischen zum Katholizismus konvertierten Hof 1733 komponiert hatte. Traditionell wird sie zum Ende des Leipziger Bachfestes in der Thomaskirche aufgeführt.

Münster dürfte als Ausrichter des Bachfestes 2024 ebenfalls mit Interesse nach Leipzig schauen. Und ,wer weiß: Vielleicht wird der neue Thomaskantor dann ja auch Interesse an Münster entwickeln.

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