„Sweet Caroline“: Neil Diamond wird 80
Kuschelrock zum Klammer-Blues

New York/Münster -

Mit manchen Musiker und Sängern verbindet man Jugenderinnerungen. Bei Neil Diamond ist das so. Jetzt wird er 80. Und vor 40 Jahren galt auch in Gartenhütten und Partykellern des Münsterlandes: Keine Fete ohne „Sweet Caroline“ oder „Song Sung Blue“.

Freitag, 22.01.2021, 18:33 Uhr
US-Sänger Neil Diamond tritt bei einem Konzert im Hallenstadion auf. Der Sänger schaffte es aus einfachen Verhältnissen in Brooklyn zum Weltstar. 2018 verließ er aufgrund seiner Parkinson-Krankheit die Bühne.
US-Sänger Neil Diamond tritt bei einem Konzert im Hallenstadion auf. Der Sänger schaffte es aus einfachen Verhältnissen in Brooklyn zum Weltstar. 2018 verließ er aufgrund seiner Parkinson-Krankheit die Bühne. Foto: Steffen Schmidt/KEYSTONE/dpa

Das waren Zeiten! Als in Gartenhütten und Partykellern der 1970er Jahre die ersten Feten für die pubertierenden jungen Leute stiegen. Für die eher temperamentvollen Ausbrüche und fürs Luftgitarrespielen wurden die Vinyl-Scheiben von Status Quo, AC/DC und Deep Purple aufgelegt. Wenn es ruhiger zugehen sollte, dann kam Neil Diamond auf den Plattenteller. Am liebsten mit „Song Sung Blue“, und dann gab es „Klammerblues“, der die zarte Annäherung der Geschlechter unterstützte. Nun gehen die Fetenjünger von einst auf die dritte Lebensphase zu, und Neil Diamond ist ein Senior geworden. Am Sonntag wird er 80!

 

Sein Welthit „Sweet Caroline“, exemplarisch für die Kategorie Kuschel-Rock, ist bis heute ein Ohrwurm von Millionen Menschen weltweit. Diamond schaffte es mit dem Song jüngst sogar in das Verzeichnis bedeutender Tondokumente der US-amerikanischen Library of Congress.

Das Lied kombiniere die „raffinierte Songschreiber-Handwerkskunst“ von Diamond mit seiner „Bühnen-Persönlichkeit“, so wurde die Auswahl begründet. Auch als Song des Baseballteams Boston Red Sox sei „Sweet Caroline“ berühmt geworden – „in guten und schlechten Zeiten, als stärkende Hymne, die die guten alten Zeiten heraufbeschwört, und gleichzeitig versichert, dass bessere in Sicht sind“.

Während der Coronavirus-Pandemie rief Diamond seine Fans zum gemeinsamen Online-Singen des Titels auf. Er habe „Sweet Caroline“ einst in den 1960er Jahren in einem Hotel in Memphis geschrieben, erzählte der Musiker gerade noch einmal dem US-Magazin „Forbes“ – „es hat nicht lange gedauert, es war nur eine Frage von Minuten, zum Herzen des Songs zu gelangen“. Diamonds Erfolg aber ist seitdem fest damit verknüpft.

Rund ein halbes Jahrhundert lang war der Musiker mit den mehr als 100 Millionen verkauften Alben und zahlreichen Auszeichnungen fast ununterbrochen über die Bühnen der Welt getourt, dann zwang eine Krankheit ihn zum Aufhören. „Mit großem Widerwillen und Enttäuschung kündige ich an, dass ich keine Konzerte mehr geben werde“, teilte Diamond Anfang 2018 mit, nachdem Ärzte bei ihm Parkinson diagnostiziert hatten. „Es war mir eine große Ehre, meine Shows in den letzten 50 Jahren der Öffentlichkeit zugänglich zu machen.“ Der Musik aber ist Diamond trotzdem treu geblieben. Er hat gerade erst 14 seiner alten Songs gemeinsam mit den Londoner Symphonikern für ein Album neu aufgenommen.

Die Musik hat Diamond reich und weltberühmt gemacht – dabei ist das Singen für ihn eigentlich eher eine Notlösung. „Ich bin nicht so schlau“, sagte er einmal dem britischen „Telegraph“. „Wenn ich schlau wäre, hätte ich Medizin studiert, wäre jetzt Biologe und hätte ein Heilmittel für Krebs entdeckt.“ Stattdessen begann er schon als Teenager, Songs zu schreiben. „Ich bin besser darin, Dinge zu fühlen, als sie zu verstehen. Weisheit kommt nur nach Jahren des Nachdenkens. Und wenn ich ein bisschen Weisheit habe, dann mache ich einen Song daraus.“

So entstanden über die Jahre zahlreiche Klassiker – neben „Sweet Caroline“ beispielsweise auch „Cracklin’ Rosie“, „You Don‘t Bring Me Flowers“ und „Red Red Wine“. Übrigens: Das Live-Album „Love at the Greek“ und viele andere lagern auch heute noch bei vielen Fetenjüngern von damals im Plattenschrank.

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