Kultur- und Unterhaltungsbranche
Erregte Debatte: Eintrittskarte nur noch mit Covid-Impfnachweis?

Münster/Berlin -

Sollen Geimpfte künftig bei Kulturveranstaltungen Vorteile genießen? Das könnte sich der Ticket-Dienstleister Eventim vorstellen, zumindest bei privaten Veranstaltern. Die Meinungen darüber sind geteilt. Für das Theater Münster etwa, ein städtisches, öffentliches Haus, kann sich Verwaltungsdirektorin Rita Feldmann eine Abweisung nicht geimpfter Gäste auf keinen Fall vorstellen. Die Debatte läuft heiß.

Mittwoch, 03.02.2021, 17:20 Uhr aktualisiert: 03.02.2021, 22:01 Uhr
Kulturbegeisterte Menschen sehnen sich wieder nach Theater und Konzerten. Soll es da Privilegien für Geimpfte und Nachteile für Nichtgeimpfte geben?
Kulturbegeisterte Menschen sehnen sich wieder nach Theater und Konzerten. Soll es da Privilegien für Geimpfte und Nachteile für Nichtgeimpfte geben? Foto: colourbox.de

Der erste Aufschrei in Zeiten der „digitalen Erregungsbewirtschaftung“ kam prompt, dann aber auch wieder das übliche Relativieren nach der Methode „Wenn, dann“: Der Ticketverkäufer CTS Eventim ließ am Mittwoch medial verbreiten, dass Veranstalter die Teilnahme an Konzerten und Veranstaltungen an eine Corona-Impfung binden könnten. „Wenn es genug Impfstoff gibt und jeder sich impfen lassen kann, dann sollten privatwirtschaftliche Veranstalter auch die Möglichkeit haben, eine Impfung zur Zugangsvoraussetzung für Veranstaltungen zu machen“, so äußerte sich Eventim-Chef Klaus-Peter Schulenberg gegenüber der „Wirtschaftswoche“.

Eventim habe bereits die technischen Voraussetzungen geschaffen. „Wir haben unsere Systeme so eingerichtet, dass sie auch Impfausweise lesen können.“ Von solchen selektiven Maßnahmen hält aber zum Beispiel die Verwaltungsdirektorin des Theaters Münster , Rita Feldmann , überhaupt nichts. Mit Blick auf den städtischen, mithin öffentlichen Charakter des Theaters sagt sie auf Anfrage unserer Zeitung: „Da hätte ich höchste Bedenken, ob das mit dem Gleichheitsgrundsatz vereinbar ist.“ Auch das Theater Münster übrigens arbeitet seit vielen Jahren mit dem digitalen Eintrittskarten-Dienstleister Eventim zusammen.

„Impfpflicht durch die Hintertür“

Die Frage aller Fragen lautete in aufschäumenden Internetportalen wie RTL.de so: Kündigt sich mit derartigen Überlegungen der privaten Wirtschaft sowie der Kultur- und Unterhaltungsbranche eine „Impfpflicht durch die Hintertür“ an? Kann also nur derjenige, der sich impfen lässt, künftig so leben, wie er das aus der Zeit vor Corona gewohnt ist?

Kanzlerin Angela Merkel hatte sich in einem Interview mit der ARD am Dienstag ein wenig sibyllinisch-verworren geäußert: „Ich glaube, wenn wir später sehr vielen Menschen ein Impfangebot gemacht haben, und dann sagen manche Menschen, wir haben ja keine Impfpflicht, dann sagen manche Menschen, ich möchte nicht geimpft werden, dann muss man vielleicht schon solche Unterschiede machen und sagen: Okay, wer das nicht möchte, der kann vielleicht bestimmte Dinge auch nicht machen.“

Nur mit Impfnachweis ins Konzert? Eventim kann sich das bei privaten Kultur-Veranstaltern durchaus vorstellen.

Nur mit Impfnachweis ins Konzert? Eventim kann sich das bei privaten Kultur-Veranstaltern durchaus vorstellen. Foto: via www.imago-images.de

Bundesjustizministerin Christine Lambrecht äußerte sich gegenüber dem Redaktionsnetzwerk Deutschland und sieht in der Eventim-Forderung kein Problem: „Es macht einen großen Unterschied, ob der Staat Grundrechte einschränken muss oder ob Private Angebote für bestimmte Personengruppen machen möchten.“ Privatunternehmen dürften im Grundsatz selbst bestimmen, mit wem sie Geschäfte machen wollen. „Wenn zum Beispiel die Restaurants wieder öffnen dürfen und ein Restaurantinhaber dann ein Angebot nur für Geimpfte machen möchte, wird man ihm dies nach geltender Rechtslage schwerlich untersagen können.“

Impfquote in der Bevölkerung

Allerdings, so räumt die Bundesjustizministerin ein, seien noch zu wenig Menschen geimpft, dass sich diese Unterscheidung für die Wirtschaft lohne. „Und je weiter die Impfungen vor­anschreiten, desto eher werden wir alle zur Normalität zurückkehren können. Wir sprechen hier also nur über einen relativ kurzen Übergangszeitraum.“

In die Richtung einer Öffnung, die nach einer entsprechenden Impfquote in der Bevölkerung dann ohnehin für alle wahrscheinlich wird, argumentiert auch die Verwaltungsdirektorin des Theaters Münster, Rita Feldmann: „Ich kann mir nicht vorstellen, dass eine öffentliche Kulturinstitution wie das Theater einen Unterschied zwischen geimpften und nicht geimpften Besuchern machen könnte.“

Beim Thema „Privilegien für Geimpfte“ hat der Bundes-Chef der Jungen Union, Tilman Kuban, eine eigene Meinung: „Was natürlich nicht sein kann, um das ein bisschen flapsig zu sagen, ist, dass im Sommer die Rentner am Strand liegen, aber die junge Generation weiterhin zu Hause sitzt und sich noch mit einer Person treffen darf. Da wird man am Ende keine Akzeptanz für bekommen“, sagte er gegenüber „Rundblick Niedersachsen“. Gerade die jungen Menschen schränkten sich, so der JU-Chef, derzeit aus Rücksicht erheblich ein, obwohl es in dieser Generation weniger schwere Corona-Verläufe gebe.

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