Die Pläne der Ruhrfestspiele in Recklinghausen
Im Mai soll’s Theater geben

Recklinghausen -

Im vergangenen Jahr gehörten die Ruhrfestspiele zu den Veranstaltungen, die am härtesten von der Pandemie getroffen worden. Für dieses Jahr verkünden sie: „Wir finden statt!“

Donnerstag, 25.03.2021, 16:05 Uhr
Intendant Olaf Kröck freut sich auf die Eröffnung der Ruhrfestspiele mit dem Stück „Die Seidentrommel“.
Intendant Olaf Kröck freut sich auf die Eröffnung der Ruhrfestspiele mit dem Stück „Die Seidentrommel“. Foto: Caroline Seidel (dpa)/Christophe Raynaud de Lage

„Die Ruhrfestspiele 2021 finden statt.“ Ein kühner Satz, mag man angesichts des vergangenen Jahres denken: Da wurde das große Festival erst aufgeschoben und dann aufgehoben. Aber Intendant Olaf Kröck , der gestern in einer digitalen Pressekonferenz sein Programm vorstellte und sich so optimistisch gab, hat mit seinem Team alle erdenkliche Vorsorge getroffen: Unterschiedliche Szenarien können in Kraft treten, wenn die Corona-Schutzverordnung für Anfang Mai große Einschränkungen oder kleine Freiheiten vorgibt.

„Der Lappen muss hoch!“, fordert der Theatermann – zur Not im digitalen Ruhrfestspielhaus, das die Zuschauer bald „betreten“ können. Etwa, um am 2. Mai „Die Seidentrommel“ zu erleben, einen „kleinen, feinen Auftakt“ mit dem 87-jährigen japanischen Darsteller Yoshi Oida . Ein modernes Nō-Theater, dessen Deutschland­premiere im Großen Festspielhaus auf Recklinghausens grünem Hügel, aber auch im Internet stattfinden wird.

Für die Live-Theatererlebnisse geht Kröck zunächst von einer Regelung aus, die jedem Zuschauer einen Radius von 1,50 Metern Freiraum beschert – die optimistischere Variante wäre das bekannte Schachbrettmuster, mit dem man immerhin eine Auslastung von 50 Prozent erreicht. Schon geplant sind auf der anderen Seite Aufführungen, die ausschließlich als Streaming-Angebot möglich sind, etwa in der innovativen Reihe des „Neuen Zirkus“: Das australische „Circa Ensemble“ bleibt in seiner Heimat, präsentiert aber seinen „Sacre“ als Premiere im digitalen Ruhrfestspielhaus.

„Utopie und Unruhe“ haben die Ruhrfestspiele die diesjährige Festspielsaison betitelt, in der sie ihr 75. Bestehen feiern wollen. Olaf Kröck erklärt es so: „Wir befinden uns schon seit geraumer Zeit in einer Phase der Unruhe. Wir sehen weltweite Verwerfungen in politischen Systemen, Kräfteverschiebungen globaler Machtverteilung, ein Verlust der Verständigung über die Frage was Fakt ist und was Fake. Unruhe bedeutet aber auch, etwas ist in Bewegung, in Gang gesetzt. Kunst, Kultur und Theater sind in diesen Zeiten wichtiger denn je. Wir brauchen sie, um neue Blickwinkel zu bekommen, Fremdes wirken zu lassen, Unbekanntes auszuhalten, das Nicht-Verstehen-Müssen als Qualität zu begreifen.“

Dass es ein traditionelles Volksfest zur Eröffnung am 1. Mai nicht geben kann, liegt auf der Hand – lebt das doch von der Nähe der Menschen und hätte unter Corona-Bedingungen „eher ausschließenden Charakter“, findet Kröck. Generell muss das Gemeinschaftserlebnis normaler Ruhrfestspiele gewissermaßen umgekrempelt werden: In vielen, zum Teil neuen Spielstätten wie einem größeren Zelt bis hin zum Stadion Hohenhorst sind die Pläne so gestaltet, dass sich Menschen aus unterschiedlichen Aufführungen möglichst nicht begegnen. Die Ärzte der Stadt Recklinghausen und das Deutsche Rote Kreuz sind an Testkonzepten beteiligt, auf dem Hügel herrscht Maskenpflicht, die Darbietungen sollen möglichst keine zwei Stunden dauern und ohne Pause ablaufen. Alles unter dem Motto: „Wir wollen nicht vorausschauend verschwinden“.

Dass das Traditionsfestival, hervorgegangen aus dem schönen Austausch „Kunst gegen Kohle“, ein Jubiläum begeht, soll übrigens eine Fotoausstellung veranschaulichen. Nicht von den Aufführungen oder gar den Intendanten, sondern als Hommage an das Publikum – also keine Fotokunst im Festspielhaus, sondern Alltagsbilder aus 75 Jahren Theater auf dem Recklinghäuser Hügel.

Die Programmhefte sind gedruckt, der Vorverkauf soll am 19. April beginnen – für die Streaming-Angebote ist an eine Bezahlschranke von 15 Euro für das normale Ticket gedacht. Ob und wie es im Mai und Juni gastronomische Angebote auf dem grünen Hügel geben wird – das ist noch offen, aber nicht ausgeschlossen.

Info-Hotline: 023 61 / 92 180

 

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