Museum „Religio“ in Telgte
Die „Glatzer Stube“ ist Geschichte

Telgte -

Jahrzehnte erinnerte die Glatzer Stube im Museum in Telgte an Flucht und Vertreibung sowie das religiöse Erbe der Menschen aus der schlesischen Grafschaft Glatz. Nun wurde die Stube aus verschiedenen Gründen aufgelöst. Neben der Integration einiger herausragender Stücke in die Dauerausstellung des Museums „Religio“ wird nun ein passendes Archiv für die Exponate und Schriften der Glatzer Stube gesucht.

Mittwoch, 14.04.2021, 19:10 Uhr
Die Glatzer Madonna hat jetzt direkt ihren neuen Standort in der Wallfahrtsabteilung des Museums „Religio“ gefunden.
Die Glatzer Madonna hat jetzt direkt ihren neuen Standort in der Wallfahrtsabteilung des Museums „Religio“ gefunden. Foto: Religio

Die Glatzer Stube im Heimathaus in Telgte, heute „Religio“, galt über Jahrzehnte als musealer Anziehungspunkt für Vertriebene aus der Grafschaft Glatz in Schlesien. Zumal die Wallfahrt der katholischen Glatzer Jahr für Jahr bis heute in den Marienwallfahrtsort führt und die Ausstellungsstücke im Museum neben der Marienkapelle somit einen Sitz im Leben hatten. Die Geschichte geht weiter, die Erlebnis-Generation schwindet. Und die Glatzer Stube ist nun Geschichte, zumal sie zuletzt kaum noch Besucher zählte.

Was vielleicht den einen oder anderen Glatzer traurig stimmt, weist eine lange Vorgeschichte und einsichtige Gründe auf. Wie Museumsleiterin Dr. Anja Schöne auf Anfrage berichtet, war der Mietvertrag des Vereins „Glatzer Sammlungen“ Ende 2020 nach 25 Jahren ausgelaufen. Zweitens war die Vor­aussetzung für den Weiterbetrieb durch mangelnden Brandschutz im Dachgeschoss nicht mehr gegeben. Drittens sind die beiden maßgeblich für die Betreuung der Ausstellung zuständigen Glatzer, Ludwig Adelt aus Wolbeck und Peter Güttler aus Münster, beide auch im Vorstand des „Vereins Glatzer Sammlungen e. V.“, bereits im fortgeschrittenen Alter und regten deshalb selber an, die Stube in der bisherigen Form aufzulösen.

Ludwig Adelt begrüßt dabei im Gespräch mit unserer Zeitung den Vorschlag von Dr. Anja Schöne, Teile der Exponate mit Bezug zur Wallfahrtstradition der Glatzer zwischen dem schlesischen Albendorf und dem westfälischen Telgte in die Dauerausstellung zu übernehmen, die bis 2024 wiederum aufbereitet und erneuert werden soll. Die Erinnerungsstücke an den seligen Kaplan Gerhard Hirschfelder, den die Glatzer besonders verehren, sollen zudem künftig im Kontext mit Exponaten aus dem Leben des seligen Kardinals von Galen präsentiert werden.

Ludwig Adelt (l.) und Peter Güttler räumten die Exponate aus der Glatzer Stube des Museums Religio

Ludwig Adelt (l.) und Peter Güttler räumten die Exponate aus der Glatzer Stube des Museums Religio Foto: Schöne

Da nun zum Jahreswechsel 2020/21 alles drängte und eilte und zudem ein Büro-Platz für wissenschaftliche Mitarbeiter im Kontext einer geplanten Islam-Ausstellung im „Religio“ benötigt wurde, packten die verantwortlichen Glatzer nun in Abstimmung mit ihrem Großdechanten Franz Jung acht bis zehn große Kartons voll: Schriften, liturgische Textilien, Gebetbücher, Devotionalien. Während einige Exponate laut Adelt bereits dem „Haus Glatzer Bergland“ in Lüdenscheid übergeben wurden, wanderte der Rest ins Ermlandhaus nach Münster, wo die Glatzer neben den Breslauer Katholiken und den Ermländern noch ihre Büros unterhalten.

Wie Ludwig Adelt weiter erklärte, soll entsprechend den Vorschriften des Vereins „Glatzer Sammlungen e. V.“ nach Ende des Corona-Ausnahmezustands in jedem Fall noch ein formeller Beschluss darüber fallen, wo die Archivalien und Exponate für künftige Ausstellungs- oder Forschungszwecke aufbewahrt werden sollen.

Denkbar wäre es, sie der Stadt Telgte oder auch dem Diözesanmuseum in Münster anzuvertrauen. Die Glatzer Wallfahrt und die Verbundenheit der schlesischen Gläubigen mit dem Bistum Münster, zumal mit den Städten Münster und Telgte, war in den vergangenen Jahrzehnten spürbar und ist von historischem Interesse. Zumal es auch den Erinnerungsort „Barackenlager Lette“ gibt, der in einer eigenen Ausstellung im Heimathaus Lette an Flucht und Vertreibung der Schlesier aus der Grafschaft Glatz erinnert.

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