Jahresprojekt auf Burg Hülshoff
Visionen einer zukünftigen Literaturszene

Havixbeck -

Wie könnte eine zukünftige, vielfältigere Literaturszene aussehen? Mit dieser Fragestellung beschäftigt sich das Jahresprojekt „The White White West?“ des Center for Literature (CfL) auf Burg Hülshoff.

Freitag, 16.04.2021, 17:52 Uhr
Dr. Jörg Albrecht, Gründungsdirektor des Center for Literatur, bereitet mit weiteren künstlerischen Leitern die Veranstaltungen des Jahresprojekts „The White White West?“ vor.
Dr. Jörg Albrecht, Gründungsdirektor des Center for Literatur, bereitet mit weiteren künstlerischen Leitern die Veranstaltungen des Jahresprojekts „The White White West?“ vor. Foto: Wilfried Gerharz

Das Center for Literature (CfL) auf Burg Hülshoff beschäftigt sich 2021 mit der Frage, wie eine zukünftige, vielfältigere Literaturszene aussehen könnte. Im Jahresprojekt „The White White West?“ macht das CfL gemeinsam mit dem internationalen Autorenkollektiv „foundintranslation“ sowie Autoren und Künstlern die blinden Flecken des Literaturbetriebs sichtbar und entwirft Möglichkeiten, Arbeitsweisen und Visionen für eine mehrsprachige und inklusive Literaturlandschaft.

Der deutsche Literaturbetrieb war lange Zeit der Hort weißer, männlich geprägter Hochkultur, erklärt das CfL in einer Pressemitteilung. Inzwischen werden Positionen, Texte, Formate und Biografien diverser, doch der Weg hin zu einer vielfältigen und auch vielsprachigen Literaturlandschaft ist noch weit. Im Programm der meisten Literaturhäuser spiegelt sich nicht wider, dass viele Menschen in Deutschland auch in anderen Sprachen als Deutsch kommunizieren und schreiben. Die Inklusion von Menschen verschiedener Fähigkeiten spielt so gut wie keine Rolle in literarischen Veranstaltungen. Und doch ist all das da.

Das Projekt „The White White West?“ entwickelt in vier Formaten Texte, Schreib- und Sprechweisen, um die längst vorhandene Vielfalt von Literatur und ihrer Urheber wahrnehmbar zu machen: in einem Laboratorium und daraus entstehenden Performances, einer digitalen Kampagne und einem Festival.

Bei „Westfailure – The Talks“, die vom 27. bis 30. Mai stattfinden, spricht Dr. Jörg Albrecht mit sechs internationalen Künstlern über Visionen einer Welt und Kunst jenseits von Nationalstaaten und Nationalsprachen. Es nehmen die Lyrikerin und Performerin Mette Moestrup, die Roman-Schriftsteller Stefanie de Velasco und Jan Brandt, der Performancekünstler Nástio Mosquito, die Choreografin Olivia Hyunsin Kim, der Opernsänger Shlomi Moto Wagner, der Szenografin Philine Rinnert und dem Filmemacher Ian Purnell teil. Die Künstler haben sich in den vergangenen Monaten regelmäßig in digitale Laboratorien getroffen und Performances für das Festival „Westopia“ konzipiert.

Das Festival „Westopia“ vom 1. bis 5. September fragt, wie wir in einem Land selbstbestimmt leben können, das von wenigen beschrieben, erdacht, erträumt, erschaffen wurde. An fünf Tagen drehen sich Lesungen, Performances, Workshops und Diskussionen darum, wie die längst vorhandene Vielfalt einer mehrsprachigen Literaturwelt sichtbarer werden kann. Im weißen Westen Deutschlands, auf einer westfälischen Wasserburg, die zugleich Geburtsort der bekanntesten deutschen Dichterin des 19. Jahrhunderts ist, präsentieren Künstler und Kulturschaffende wie Michaela Melian, Belo Cipriani, Marleen Krallmann, Andrés Claro, Zweitzeugen, Katy Derbyshire, Ariane von Graffenried, Jake Schneider, Aurélie Maurin und Alia Trabucco Zerán neue Ästhetiken, Formate und Sprechweisen – für eine mehrsprachige Literatur der Zukunft.

Aus dem Festival heraus wird eine Forderung für eine multilinguale, transnationale und diverse Literatur entwickelt, kündigt das CfL an. In vielen Sprachen und in Bildern wird diese digitale Kampagne die Diskussion über einen vielfältigeren und inklusiven Literaturbetrieb vorantreiben.

 

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