Das Konzertbüro Schoneberg setzt auf die Rückkehr zum Live-Erlebnis im Herbst
Vorfreude auf volle Säle

Münster -

Noch ist in der Corona-Situation keine Öffnung der Konzerthäuser absehbar. Doch die vorausschauenden Veranstalter schmieden wieder Pläne.

Freitag, 30.04.2021, 16:47 Uhr aktualisiert: 30.04.2021, 16:56 Uhr
Gerlind Korschildgen
Gerlind Korschildgen Foto: Andreas Loechte

„Ich gehe hundertprozentig davon aus, dass im September wieder Konzerte stattfinden.“ Till Schoneberg strahlt Optimismus aus – obwohl er die Gefahr der steigenden Coronazahlen vor Augen hat. Doch zugleich setzt er auf das rasche Fortschreiten der Impfungen und hofft, dass im Herbst alles „normal laufen“ müsste, also sogar ohne große Sicherheitsabstände unter den Zuschauern.

Vor einem Jahr, zu Beginn des Lockdown, mussten die Mitarbeiter seines Konzertbüros noch bangen: Durch die Konzertabsagen und mögliche Rückforderungen der Ticketkäufer sah die gesamte Branche Liquiditätsprobleme auf sich zukommen. Mit der Gutscheinregelung indes waren solche Probleme weitgehend vom Tisch. Und wenn er auch kritisch anmerkt, dass diese Lösung für manche Veranstalter zu spät kam („Wir hätten sie sechs Wochen früher gebraucht!“), so lässt er doch keine Zweifel an den enormen Unterstützungen durch die Politik aufkommen – gerade angesichts der November- und Dezemberhilfen oder des Kurzarbeitergeldes. Allein die Gruppe der Soloselbstständigen habe man nicht im Blick gehabt. Till Schoneberg erinnert an Techniker oder Caterer, die für seine Branche unersetzlich sind, an Menschen, die „in Hartz IV gefallen sind“ oder ihre Altersvorsorge anknabbern müssen.

Wie wertvoll das üppige Förderprogramm des Bundes für den „Neustart Kultur“ ist, macht Till Schoneberg am Vorlauf deutlich, den ein Veranstalter benötigt: „Für ein Konzert, das im Dezember stattfindet, beginnt die Arbeit schon im Mai.“ Und damit sind natürlich Kosten verbunden, die eine Branche, die gerade nichts verdient, nicht so einfach schultern kann.

Der Mai ist deshalb für das Konzertbüro Schoneberg ein wichtiger Monat. Die Mitarbeiter kehren aus der Kurzarbeit zurück, die Planungen für den Herbst werden konkret. Zwischendurch finden nur einzelne Open-Air-Veranstaltungen statt, etwa mit Helge Schneider . Aber „nicht vor Autos“, wie der kauzige Musiker im letzten Jahre selbst verkündet hatte. „Von diesen Autokino-Konzerten hört man in diesem Jahr nichts mehr“, bestätigt Schoneberg und fügt mit Emphase hinzu: „Hätte ich Leuten wie Helge Schneider oder Dieter Nuhr sowas angeboten, hätten die mir die Freundschaft gekündigt.“

Auf ein geimpftes Publikum kann Schoneberg insbesondere bei den Meisterkonzerten in Münster hoffen; Sorge bereitet ihm die Gruppe derjenigen, die aus gesundheitlichen Gründen nicht geimpft werden dürfen: Dafür müsse generell eine Lösung gefunden werden. Und natürlich werde es beim Beginn der Konzertsaison 2021/22 zunächst etwas ruckeln, weil die möglichen Zuhörer jetzt noch unsicher sind. Deshalb hofft Schoneberg auf ein klares Signal der Politik im Juni.

Ruckelig ist im Übrigen auch die Planung, aber dennoch nicht komplizierter als in anderen Jahren, weil ja viele Termine frei sind. „Mit der Klassik in kleinen Besetzungen ist man vergleichsweise flexibel“, erklärt Schonebergs Kollegin Gerlind Korschildgen. Im Rock- und Pop-Bereich werde man in nächster Zukunft noch auf Gäste aus den USA verzichten müssen, weil die ihre Tourneen nicht nur national, sondern im europäischen Maßstab planen und derzeit nicht auf den „Flickenteppich Europa“ setzen können. Und deutsche Bands verschieben mitunter lieber ihre Touren, weil sie diese gern mit aktuellen CD-Veröffentlichungen koordinieren.

Keinen großen Unterschied stellen die beiden Konzertplaner im Verhalten ihrer Kunden fest: Einige legen zwar Wert darauf, das Geld für ein ausgefallenes oder verschobenes Konzert zurückzubekommen, viele aber behalten die Karten für einen Ersatztermin oder spenden sogar, falls das nicht möglich ist, das bereits ausgegebene Geld, um sich solidarisch mit den Kulturveranstaltern zu zeigen.

Und wenn nach der Coronakrise alles wieder läuft? „Dann kriegen wir einen riesigen Boom im Jahr 2022“, ist Till Schoneberg überzeugt. Die Menschen wollen ausgehen, wollen die Kultur und das Leben genießen – und die staatliche Hilfen werden sich bezahlt machen: „Die Steuern werden fließen!“

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