Masayuki Miura legte bei Greven an
Wie ein Japaner in den Fuestruper Hafen kommt...

Greven -

Masayuki Miura ist nett, sehr nett sogar. Der ältere Herr mit dem silbernen Schopf strahlt. Er ist begeistert, als er auf Japanisch begrüßt wird. „Kon‘nichiwa“ – also „Guten Tag“ – antwortet er auf selbiges, strahlt und beginnt zu erzählen – wie ein Wasserfall. Leider in Japanisch, er wird sich aber schnell bewusst, dass sein Gegenüber kein Wort versteht.

Dienstag, 19.07.2016, 19:07 Uhr

Masayuki Miura (Mitte), sein Begleiter Shushi Saza und Hafenmeister Klaus Nowacki präsentieren die japanische Flagge und tauschen Wimpel aus.
Masayuki Miura (Mitte), sein Begleiter Shushi Saza und Hafenmeister Klaus Nowacki präsentieren die japanische Flagge und tauschen Wimpel aus. Foto: Peter Beckmann

Aber: Das kennt Herr Miura nur zu gut. Schließlich ist er mit seinem Motorsegler in ganz Europa unterwegs. Und da sprechen nicht eben viele Menschen Japanisch. Deshalb hat sein Begleiter Shu­shi Saza auch immer ein Wörterbuch dabei. Und das zückt er auch, als die Skipper aus Fernost im Hafen in Fues­trup mit ihrer Segeljacht anlegten, um dort zu übernachten.

Herr Miura ist 71 Jahre alt (Fakt), Rentner (Fakt) und durchaus betucht (Vermutung). Er und sein Begleiter passen in manchen Fällen überhaupt nicht in das Bild, das Europäer von Japanern so haben. Klar: Er und sein Kumpel zücken natürlich sofort ihre Kameras und lichten ihr Gegenüber ab. „Sie haben hier im Hafen auch schon alles fotografiert“, berichtet Hafenmeister Klaus Nowacki und zwinkert. Aber er hat sich über den ersten Japaner in seinem Hafen sichtlich gefreut.

Nur: Europa in fünf Tagen – wie bei manchem urlaubenden Landsleuten wohl üblich – kommt für Herr Miura nicht infrage. Seit 2010 ist er in Europa unterwegs. In England hat er sich 2009 den zehn Meter langen Motorsegler „Sigridur“ gekauft. Ein Jahr später ging es – zum Teil in Begleitung von Frau und Tochter – von Poole­ im Süden Englands über den Ärmelkanal nach Cherbourg in Frankreich, anschließend über Paris quer durchs Land bis ans Mittelmeer. In Valence hat er das Boot abgestellt – und kam erst zwei Jahre später wieder. Denn: Bei dem verheerenden Tsunami im Jahr 2011, bei dem auch die Atomreaktoren von Fukushima schwer beschädigt worden sind, war einer seiner Freunde verschwunden. Den suchte er fast ein Jahr – erfolglos.

2012 ging es dann von Südfrankreich über Belgien nach Holland. Besonderen Eindruck hat bei ihm wohl Dijon hinterlassen. Warum? Der Englisch sprechende Deutsche und der Englisch sprechende Japaner finden da irgendwie nicht zueinander. Bis die Blitzidee kommt. „Mustard?“ Herr Miura strahlt. Ja, genau das war es wohl. (Gibt es eigentlich Senf in Japan ?)

2013 ließ ihm der Job (ist er nicht Rentner?) keine Zeit für sein Schiff, 2014 ging es aber übers Ijsselmeer nach Norddeutschland, ein Jahr später nach Schweden und Dänemark, und in diesem Jahr begann die Tour in Bremerhaven.

Sieben Tage waren Herr Miura und sein Begleiter unterwegs, bis sie in Fuestrup ankamen. Von Greven haben sie allerdings nichts gesehen. Trotzdem: Ins akribisch geführte Bordbuch gehört natürlich der Stempel der Fuestruper Marina – und der Name des Autors dieser Zeilen.

Nach einem Tag geht es weiter, Ziel ist der Rhein. „Ich weiß aber nicht, ob die Maschine des Bootes stark genug ist, gegen die Strömung anzukommen“, hat Herr Miura so seine Zweifel. Sechs Knoten schafft sein Schiff.

Aber: Zweifel hin oder her – er muss weiter. Lange Aufenthalte kann sich Herr Miura nicht leisten. Denn sein Visum ist leider immer nur drei Monate gültig.

Und was gefällt ihm an Europa, an Deutschland besonders? Herr Miura spricht von der wunderschönen Natur und von den jungen Leuten, die so gut handwerken können. Dann geht es um japanische Kameras und deutsche Kameras, die so teuer sind – spätestens da sind die Differenzen zwischen deutschem und japanischem Englisch aber unüberbrückbar.

Nur so viel noch: Herr Miuras Traum ist eine Bootsreise im Süd-Pazifik. Aber dafür sei er zu alt, kokettiert er mit einem Lächeln. Aber als ihm Hafenmeister Klaus Nowacki den Hafen-Wimpel überreicht, scheint Herr Miura richtig glücklich zu sein. Und die kommunikativen Fragezeichen in den Gesichtern aller Beteiligten verschwinden zum Schluss auch fast ganz. Entspannung macht sich breit allerorten.

„It was a nice Untertalking. Sayōnara, Shi Miura.“

Der Japaner aus Yokohama steht auf seiner Jacht, versteht und winkt ganz glücklich.

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