Missklänge an Musikschulen
Klagen über prekäre Arbeitsverhältnisse häufen sich

Münsterland -

Musiklehrer im Münsterland schauen gespannt dem 1. Februar entgegen. Dann nämlich bittet die Gewerkschaft Verdi zu einem Informationsabend für Musikschullehrer und Musikschullehrerinnen um Punkt 20 Uhr ins Hotel Brinck­wirth nach Ochtrup. Grund für die Versammlung: Berichte über schlechte Bezahlung und prekäre Anstellungsverhältnisse von akademisch ausgebildeten Musiklehrern häufen sich; die Schere zwischen fest angestellten Musiklehrern und Honorarkräften klafft weit auseinander.

Freitag, 27.01.2017, 18:01 Uhr

Früh übt sich, wer einmal ein guter Musiker werden will. Die beruflichen Bedingungen für Musiklehrer sind jedoch alles andere als gut.
Früh übt sich, wer einmal ein guter Musiker werden will. Die beruflichen Bedingungen für Musiklehrer sind jedoch alles andere als gut. Foto: colourbox.de

Im Idealfall des Angestelltenverhältnisses sind 36 Euro Stundenlohn und gut 4000 Euro brutto zu erreichen. Im schlimmsten Fall muss eine Honorarkraft für 17 Euro brutto unterrichten und davon auch noch einen Teil der Sozialabgaben abzwacken. Auf dem freien Markt, so heißt es, sind die Stundenpreise für Musikunterricht im freien Fall.

An den meisten Musikschulen keine Lohnfortzahlung im Krankheitsfall

Mittlerweile hat sich auch der Deutsche Tonkünstlerverband in die Debatte eingeschaltet. Ulrike Hühn , die als Vorsitzende im Bezirksverband Münsterland 137 Mitglieder vertritt, sieht die „Lage von Honorarlehrkräften in kommunalen und privaten Musikschulen mit großer Sorge“. „Schlimm“, sei neben der Tatsache geringer Entlohnung vor allem die Tatsache, „dass es an den meisten Musikschulen keine Lohnfortzahlung im Krankheitsfall gibt, die Lehrkraft also keine Absicherung hat“. Ulrike Hühn beklagt: „Mir sind Kollegen bekannt, die nicht den Mut zur eigenen Familiengründung haben. Ein absolut unwürdiger Zustand nach einem jahrelangen anspruchsvollen Studium.“

Unsichere Lebenssituation

Die Vorsitzende des 1100 Mitglieder zählenden Landesverbandes NRW, Cornelia Sokoll (Essen), hat jetzt einen Brief ähnlichen Inhalts an die Parteien des Landtages geschickt. Darin heißt es: „Wir sehen mit großer Sorge, dass an vielen kommunalen Musikschulen ein erheblicher Anteil des Unterrichts nicht von fest angestellten Gesangs- oder Instrumentalpädagogen, sondern von Honorarkräften geleistet wird.“ Für diese entstehe „eine sehr unsichere Lebenssituation, die keine langfristige Lebensplanung ermöglicht“. Auch an Universitäten werde der Gesang- und Instrumentalunterricht der Schulmusiker häufig über Lehraufträge organisiert.

Angst vor einer Klagewelle

Rückenwind bekamen die als Honorarkräfte angestellten Musiklehrer bereits von der Rechtsprechung einiger Sozialgerichte. An etlichen kommunalen Musikschulen, die angesichts klammer Stadtkassen höhere Ausgaben fürchten, geht die Angst vor einer Klagewelle um. Viele stecken freilich auch in einem Dilemma. Kämen deutlich höhere Kosten auf sie zu, wäre ihr kommunaler Status in Gefahr.

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