Fachkräftemangel bei Fahrlehrern
Hart umkämpfter Markt

Nordwalde -

Die Sorge war erst einmal groß. „Quasi über Nacht hat uns eine Fahrlehrerin verlassen“, erzählt Dieter Erfmann. Ersatz zu finden, ist in der Branche alles andere als leicht. Wer wie Erfmann eine Fahrschule führt, weiß um den akuten Fachkräftemangel.

Donnerstag, 24.08.2017, 18:08 Uhr

Valentin (l.) und Dieter Erfmann wissen nur allzu gut um den Fachkräftemangel in der Fahrlehrer-Gilde. Kürzlich mussten sie selbst auf die Suche nach neuem Personal gehen.
Valentin (l.) und Dieter Erfmann wissen nur allzu gut um den Fachkräftemangel in der Fahrlehrer-Gilde. Kürzlich mussten sie selbst auf die Suche nach neuem Personal gehen. Foto: Pjer Biederstädt

Zu Jahresbeginn gab es in Deutschland 44 610 Fahrlehrer, vor sechs Jahren waren es noch rund 10 000 mehr. Auch die Zahl im Kreis Steinfurt ist gesunken. Derzeit sind laut Führerscheinstelle des Kreises Steinfurt 200 aktive Fahrlehrer registriert.

Dieter Erfmann hat nach dem unerwarteten Abgang sofort reagiert und Werbung geschaltet, um die Lücke im Team zu schließen. Nach vier Monaten hat er einen neuen Mann für den Beifahrersitz gefunden – allerdings über Kontakte innerhalb der Branche, nicht durch die Werbung. Der 62-Jährige bildet nebenbei Berufskraftfahrer in Münster aus und ist auch in den Verbänden gut vernetzt – schließlich ist er seit 1989 Fahrlehrer. Drei Jahre später eröffnete er die Fahrschule an der Amtmann-Daniel-Straße.

Der Mangel an Fahrlehrern ist so groß, dass das Abwerben der Fachkräfte unter den Schulen mittlerweile an der Tagesordnung ist. Für den harten Wettbewerb am Markt spricht auch die Zahl der arbeitslosen Fahrlehrer. Diese liegt laut Agentur für Arbeit Münster-Ahlen im Promillebereich. „Es sind sehr wenig Bewerber auf dem Markt verfügbar“, bestätigt Petra König, Pressesprecherin der Agentur Münster-Ahlen. Und die Situation droht in absehbarer Zeit schlimmer zu werden: Deutschlands Fahrlehrer sind im Schnitt über 55 Jahre alt. Doch warum gibt es keinen Nachwuchs?

Früher hat die Bundeswehr sehr viele Fahrlehrer ausgebildet. Nach der Zeit bei der Bundeswehr machten viele Soldaten als Ausbilder für Fahrlehrer auf dem zivilen Markt weiter. Doch das war einmal, machte kürzlich Dieter Quentin, stellvertretender Vorsitzender der Bundesvereinigung der Fahrlehrerverbände, deutlich. Die Armee habe sich auch hier in der Region fast komplett aus der Ausbildung zurückgezogen, bestätigt Christoph Felix , Leiter der Führerscheinstelle des Kreises Steinfurt. Neben den Arbeitszeiten – Stichwort Nachtfahrten – sind die Ausbildungskosten ein Problem.

„Zunächst muss man fünf unbezahlte Monate Theorieunterricht absolvieren. Danach folgt die fünfmonatige Praxiszeit in einer ausbildenden Fahrschule“, erklärt Valentin Erfmann. Der Sohn von Dieter Erfmann muss es wissen, er hat die Ausbildung vor nicht allzu langer Zeit absolviert. Für die Lehrzeit bekommt man kein Geld, im Gegenteil – man muss zahlen. Und das nicht zu knapp. „Die Kosten für die Ausbildung sind schnell im fünfstelligen Bereich“, sagt Erfmann junior.

Für die Ausbildung zum Fahrlehrer brauchen die Anwärter nämlich neben dem Autoführerschein noch Fahrerlaubnisse für die Motorrad- und Lkw-Klassen – auch dann, wenn sie später nur den Autoführerschein anbieten. „Das wird aber demnächst wohl durch eine Gesetzesanpassung wegfallen“, sagt Dieter Erfmann. Außerdem versucht die Politik mit weiteren Stellschrauben dem Problem entgegenzuwirken. Das Mindestalter für die Fahrlehrer-Ausbildung soll von 22 auf 21 Jahre gesenkt werden. Die Anforderungen an die Auszubildenden werden durch Elektromobilität, Fahrassistenz-Systeme und autonomes Fahren immer komplexer.

Und die Nachfrage bleibt hoch: In Städten verzichten zwar mittlerweile viele Menschen aufs Auto, aber in den ländlichen Regionen bleiben die Zahlen der ausgestellten Führerscheine konstant, wie Christoph Felix bestätigt. In den letzten drei Jahren wurden im Kreis Steinfurt jeweils um die 15 000 Führerscheine ausgestellt. „Das Positive ist, dass der Job allemal zukunftssicher ist“, merkt Valentin Erfmann an.

Der Nordwalder Familienbetrieb hat mit dem 25-jährigen Junior gut vorgesorgt. „Außerdem stößt bald noch einer aus der jungen Garde zu uns. Einer meiner Schüler will die Ausbildung zum Fahrlehrer machen und das Praktikum bei uns absolvieren. Den übernehmen wir danach natürlich gerne“, sagt Dieter Erfmann, der sich zur Zeit in Kooperation mit der zweiten Nordwalder Fahrschule Brömmler einen Lehrer teilt. Doch nicht jede Fahrschule kann darauf hoffen, dass der eigene Nachwuchs über den Fachkräftemangel hinweg hilft.

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