WN-Serie „Mein erstes Mal“: Mareike Katerkamp packt nach dem ersten Mal das Ferienlager-Fieber
Kosmos Schützenhalle

Heimweh? Dieses Wort kommt mir nur selten über die Lippen. Vielmehr ist es das Fernweh, das mich immer wieder packt. Schon von klein auf machte ich mich gerne auf in die große weite Welt – und diese begann für mich schon einige Kilometer vor der eigenen Haustür. Acht Jahre alt war ich, als ich mich das erste Mal für zwölf Tage von meinen Eltern verabschiedete. Mit dem Kolping-Mädchen-Lager (KML) ging es in die Ferienfreizeit.

Freitag, 25.08.2017, 14:08 Uhr

Vor der Fahrt packte Mareike Katerkamp ihren Koffer ordentlich. Im Gruppenraum mit zehn Mädchen entwickelte sich im Laufe der Fahrt das übliche Ferienlager-Chaos.
Vor der Fahrt packte Mareike Katerkamp ihren Koffer ordentlich. Im Gruppenraum mit zehn Mädchen entwickelte sich im Laufe der Fahrt das übliche Ferienlager-Chaos. Foto: privat

Unser Ziel war Olpe im Sauerland, ein kleines Dorf mit großer Schützenhalle. Viel mehr wusste ich dann vor der Fahrt auch nicht. Internet gab es bei uns Zuhause zu der Zeit noch nicht, was mich im Sauerland erwarten würde, konnte ich also nicht mal eben googeln.

Schon die rund drei Stunden Busfahrt waren für mich angehende Zweitklässlerin ein Abenteuer. Selbstredend, dass der Rucksack randvoll war mit Verpflegung. Schokolade, Plätzchen, Obst, ein belegtes Brötchen: Verhungern war keine Option. Irgendwo fand in der Tasche auch noch ein „Lustiges Taschenbuch“ Platz, wenngleich ich es während der Reise kein Mal anrührte.

Denn schon im Bus ging die Trällerei los. Lagerlieder waren ein grundlegender Bestandteil des KML – also haben wir sie direkt auf der Hinfahrt einstudiert.

Zugegeben, ganz ohne familiären Beistand war ich nicht. Meine eineinhalb Jahre ältere Schwester war mit dabei, für sie war es bereits das zweite Mal Ferienlager. Und in ihre Gruppe wurde ich auch gleich aufgenommen. Mit zehn Mädchen haben wir uns dann mit Luftmatratzen und Schlafsäcken in einem Gruppenraum breit gemacht, betreut von einer Gruppenleiterin. Die Betreuerinnen hatten die Schützenhalle vor unserer Anreise mit riesigen Planen in kleine Abteile geteilt, in denen dann jede Gruppe ihren eigenen Rückzugsort hatte.

Die Schützenhalle war für mich in den zwölf Tagen wie ein eigener Kosmos. Morgens holten uns die Betreuerinnen mit einem Wecklied aus dem Schlaf, zum Essen trafen wir uns mit unserem eigenen Plastikgeschirr im Speisesaal, danach ging es gruppenweise zu den Spülfässern.

In der Küche standen die gutwilligen Kochfrauen den ganzen Tag über hinterm Herd, schmierten Brote, kochten Nudeln und backten Kuchen. Wobei die Reibeplätzchen mit Abstand der Höhepunkt waren . . .

Für die kleinen Freuden zwischendurch hatten die Betreuerinnen einen Kiosk eingerichtet, an dem wir uns mit unserem Taschengeld Wasser, Sprudel und kleine Schlickereien holen konnten. Ansonsten blieb nur der Gang zum kleinen Supermarkt ins Dorf, der – so zumindest unser Gefühl – an uns in den zwölf Tagen ein Vermögen verdiente.

20 Minuten zu Fuß entfernt stand übrigens auch die einzige Telefonzelle. Demnach blieben die Anrufe bei den Eltern auf das Mindeste beschränkt – ein durchaus probates Mittel, um Heimweh vorzubeugen. Und natürlich hatten wir jeden Tag Programm: Stadtspiel, Appel gegen Ei, Leitersuchspiel, Bunter Abend, der legendäre Fort-Fun-Besuch – eigentlich waren wir immer auf Achse. Dazwischen: Schlafen, Kassette hören und Einseif-Aktionen für die Nacht aushecken. Abends ging es dann nicht ohne ein gemeinsames Gute-Nacht-Lied in den Schlafsack.

Einmal dabei gewesen, hatte mich das Ferienlager-Fieber gepackt. Unseren Familien-Urlaub planten meine Eltern stets so, dass er nicht mit dem Ferienlagerzeitraum kollidierte und schon im Frühjahr sehnte ich mich wieder nach dem Sauerland-Abenteuer. Um das Ereignis noch ein wenig in die Länge zu ziehen, wurden mit der Zeit auch die Lagernach- und Lagervortreffen immer zahlreicher.

Insgesamt fuhr ich sieben Mal mit ins Ferienlager, die vielen Fahrten haben mich wohl für mein Leben geprägt: Nicht nur, dass ich noch immer gerne und viel unterwegs bin. Auch meine besten Freunde habe ich in genau diesem Ferienlager kennengelernt. Uns verbinden unzählige Erinnerungen an die gemeinsamen Sauerland-Tage – und die werden bei jedem Treffen wieder mit kleinen Anekdoten aufgefrischt.

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