Schutzheilige der St.-Peter-und-Paul-Kirche waren ihrer Insignien beraubt worden
Ohne Schwert und Schlüssel

Nienborg -

Zuerst hatte es den Anschein, als hätten sich die Übergriffe von vor zwei Wochen wiederholt: Wie berichtet, waren Unbekannte in die St.-Peter-und-Paul-Kirche auf der Burg eingedrungen, hatten dort neben einiger Unordnung Schmierereien hinterlassen und ein Messglöckchen samt Strang mitgehen lassen.

Samstag, 26.08.2017, 06:08 Uhr

Pater Joy mit dem Schwert des Paulus, das nun wieder an Ort und Stelle ist.
Pater Joy mit dem Schwert des Paulus, das nun wieder an Ort und Stelle ist. Foto: Christiane Nitsche

Gestern folgten Schrecken und Erleichterung kurz hintereinander: Zuerst habe die Küsterin bemerkt, dass an der geschnitzten Holzfigur des Petrus, der mit Paulus, den Altar flankiert, etwas fehlt, wie Pater Joy erklärt. „Jemand muss auf das Geländer gestiegen sein, um Petrus den Schlüssel aus dem Arm zu nehmen“, sagt er. Noch jetzt ist erkennbar, wo der Übeltäter gestanden haben muss.

Ein Kontrollblick auf die Paulus-Figur an der gegenüberliegenden Seite offenbarte, dass auch hier etwas Wesentliches fehlte. Dort, wo sich Paulus mit der linken Hand auf sein Schwert zu stützen pflegt, herrschte gähnende Leere.

Wie schon vor zwei Wochen machten sich die Küsterin und der Pater auf die Suche nach den Insignien der beiden Schutzheiligen ihrer Kirche – mit Erfolg. „Gott sei Dank“, so der Pater. Das Schwert lag auf dem Dach des Beichtstuhls und lieferte den Hinweis darauf, dass der Frevel an den Figuren bereits vor zwei Wochen stattfand. „Wir hatten da schon etwas auf dem Beichtstuhl liegen sehen, aber nicht gleich geschaltet.“

Schließlich entdeckten sie gestern Morgen auch den vermissten Schlüssel: Den hatten die Täter dem Heiligen Antonius von Padua in die Armbeuge gesteckt. Die Figur, die neben dem Kirchenportal in einer Nische steht, wacht über das Gästebuch, in dem sich die bereits vor zwei Wochen entdeckten Hakenkreuz- und andere Schmierereien fanden.

„Da war Kirmessonntag“, erinnert sich der Pater. Er vermutet, dass die Übeltäter die fehlende Glocke auf die Kirmes mitnahmen. „Vielleicht haben sie damit gespielt.“ Darum hoffe er auch noch immer, dass sie sich wiederfindet. „Wir gucken immer und überall“, sagt er.

Der Schaden sei insgesamt nicht groß, erklärt er. Bloß die Kugel, die der Marienfigur neben dem Altarraum abgeschlagen wurde, muss wieder angeklebt werden – das sei indes eine alte Klebestelle, wie er versichert. Womöglich sei dies sogar unabsichtlich geschehen. Bei den abgenommenen und vertauschten Insignien aber ist er sicher: „Das wurde bewusst gemacht.“

Die jüngsten Entdeckungen ändern nichts an seiner Haltung in Sachen offene Kirchentür: „Die bleibt offen“, versichert der Pater. Vielleicht könne man über eine Kamera zur Überwachung des Kirchenraums nachdenken. Aber das sei längst nicht entschieden.

Die Marienfigur werde wieder hergerichtet. „Es war ein Restaurator da, der sich das angesehen hat“, so Pater Joy. „Der schickt jemanden her, der das fachmännisch macht.“ Petrus und Paulus, die beiden Schutzheiligen der Kirche, können indes ihren Dienst wieder unbeschadet tun: Schlüssel und Schwert sind jetzt dort, wo sie hingehören.

Anzeige
http://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/5102313?categorypath=%2F2%2F84%2F61%2F93%2F3814583%2F
Neue Ausstellung im Stadtmuseum zu Münsters Fahrradgeschichte
Ob Steherrad, Schrittmachermaschine für Radrennen oder Klapprad – sie zeigen einen Querschnitt aus Münsters Fahrradgeschichte (v.l.): Museumsleiterin Dr. Barbara Rommé, Kuratorin Dr. Edda Baußmann und Alexander Dahlhaus, Vorsitzender Leezenkultur e.V.
Nachrichten-Ticker