Berkel
Signal- und Kamberkrebse machen auch hierzulande die Flüsse unsicher

Münsterland -

Drei Krebs-Arten, denen dreierlei gemeinsam ist: Sie stammen allesamt aus Nordamerika, gehören hier nicht hin und fühlen sich aber in Europa ziemlich wohl. Und das auch in den Flüssen des Münsterlandes. Dabei sind sie ziemliche Plagegeister.

Freitag, 25.08.2017, 19:08 Uhr

Groß und aggressiv: Nina Dorenkamp vom Landesfischereiverband und Angler Hubert Rietmann präsentieren einen frisch gefangenen amerikanischen Signalkrebs. Die zugewanderten Tiere machen die Berkel unsicher.
Groß und aggressiv: Nina Dorenkamp vom Landesfischereiverband und Angler Hubert Rietmann präsentieren einen frisch gefangenen amerikanischen Signalkrebs. Die zugewanderten Tiere machen die Berkel unsicher. Foto: Wilfried Gerharz

Wird Hubert Rietmann auf den amerikanischen Signalkrebs angesprochen, bricht der Zorn aus ihm heraus. „Das ist eine Plage“, sagt er erst, um sich dann zu korrigieren. „Ach was, eine echte Katastrophe“. Schon vor Jahren ist der Fremdling aus Übersee in der Berkel heimisch geworden. Abgesehen von Anglern wie Rietmann hat das kaum jemanden interessiert.

Auch wenn die Tiere, wie der ­Vorsitzende des Sportfisch­vereins SFV Coesfeld 1934 e.V. erzählt, alles wegfräßen und die heimischen Krebse längst verdrängt hätten. „Uns hat bisher keiner richtig ­zugehört“, klagt er. Bis die Berkel in der Coesfelder Innenstadt im Rahmen der ­Regionale 2016 sicht- und begehbar gemacht wurde. Seit­­dem ist das Problem ­offenkundig…

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Flusskrebse in der Berkel. Foto: Wilfried Gerharz

Abgesehen von Anglern wie Rietmann hat das kaum jemanden interessiert. Auch wenn die Tiere, wie der ­Vorsitzende des Sportfisch­vereins SFV Coesfeld 1934 e.V. erzählt, alles wegfräßen und die heimischen Krebse längst verdrängt hätten. „Uns hat bisher keiner richtig ­zugehört“, klagt er. Bis die Berkel in der Coesfelder Innenstadt im Rahmen der ­Regionale 2016 sicht- und begehbar gemacht wurde. Seit­­dem ist das Problem ­offenkundig…

Globalisierung

Kamberkrebs, Signalkrebs, Roter Amerikanischer Sumpfkrebs: Drei Arten sind das, denen dreierlei gemeinsam ist. Sie stammen allesamt aus Nordamerika, gehören hier nicht hin und fühlen sich aber, da sie nun einmal da sind, in Europa ziemlich wohl. Die Globalisierung macht natürlich vor Flora und Fauna nicht halt, darum ist die Entwicklung zwangsläufig – aber nicht unbedingt vorteilhaft. „So hat der amerikanische Signalkrebs die Bestände der heimischen Krebsarten an den Rand der Ausrottung gebracht“, sagt Birgit Königs, vom Landesverband des Naturschutzbundes Deutschland (Nabu).

In den Flüssen des Münsterlandes haben sich vor allem der Kamberkrebs und sein Vetter, der Signalkrebs, ausgebreitet. Der Landes­fischereiverband NRW hat schon vor Jahren sein Edelkrebsprojekt aufgelegt, das zweierlei zum Ziel hat. Die heimischen Krebs-Arten vor dem Aussterben retten, indem sie die Ausbreitung ihrer ruppigen Verwandten stoppen. Im Münsterland, das habe das landesweite Monitoring ergeben, hätten die sich vor allem in der ­Berkel breitgemacht, sagt Projektleiter Dr. Harald Groß . Gefunden wurde der Signalkrebs aber auch in der Ems, der münsterischen und der Bocholter Aa. Kamberkrebse haben es sich inzwischen vor allem in der Lippe, der Werse und der Ahse gemütlich gemacht.

Aggressive Zuwanderer

Kommen die Amerikaner , hat die einheimische Verwandtschaft das Nachsehen. Größer seien die Zuwanderer, viel aggressiver, „und sie haben zudem mehr Nachkommen“, sagt Nina Dorenkamp, Bio­­login beim Landes­fischereiverband und Edelkrebs-Projekt-Mitarbeiterin. Am Ende des Weges sind nur noch die Krebse aus Übersee da – in überaus üppiger Mannstärke. Bis zu zehn Tiere je Quadratmeter sind bei den Signalkrebsen möglich, sagt Projektleiter Groß. Da ist nicht mehr viel Platz für anderes Getier, zumal manche der eingewanderten Bestände obendrein die für heimische Arten tödlich Krebspest, übertragen.

Was also tun gegen die Plagegeister? Die Idee, sie wieder loszuwerden, ist abwegig. „Es gibt sie in NRW in fast allen Gewässern“, sagt Nabu-Frau Königs. Möglich sei, die Ausbreitung einzudämmen, indem die Tiere aktiv befischt werden. Der Landesfischereiverband ar­beitet seit geraumer Zeit auch an technischen Lö­sungen. Un­ter Laborbedingungen hat sich eine Art Fischtreppe mit integrierter Krebssperre bewährt, schließlich sieht die EU-Wasser­rahmenrichtlinie die Durchgängigkeit von Flüssen für Fische vor. „Wir möchten die Wirksamkeit gerne in einem Freilandversuch testen“, sagt Groß. Das sei aber erst dann möglich, wenn das NRW- Umweltministerium den Förderantrag bewillige, der dort seit sechs Jahren auf seine Bearbeitung wartet.

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