Grevens Natur 2018
Der Star sucht ein Zuhause

Greven -

Der Star hat es schwer, auch in Greven. Andere Tiere des Jahres 2018 und seltene Pflanzen kann man hierzulande aber noch reichlich finden.

Dienstag, 09.01.2018, 09:01 Uhr

Stare haben es immer schwerer, Unterkunft und ausreichend Nahrung zu finden.
Stare haben es immer schwerer, Unterkunft und ausreichend Nahrung zu finden. Foto: nn

Starenkästen? Als gebe es nicht schon genug davon, mögen Autofahrer schimpfen. Ornithologen sehen das anders. „Die Wohnungsnot ist ein Grund für den Rückgang der Stare“, sagt Robert Tüllinghoff von der Biologischen Station Kreis Steinfurt.

Moderne Bauweisen und die energetische Sanierung älterer Gebäude machen es dem Höhlenbrüter und Vogel des Jahrs 2018 auch in Greven immer schwerer, eine geeignete Behausung für die Aufzucht des Nachwuchses zu finden. Und so findet er sich da wieder, wo auch Kiebitz, Feldlerche und andere frühere Allerweltsvögel mittlerweile gelandet sind: auf der Roten Liste der gefährdeten Arten.

Doch zurück zu Starenkästen und Ornithologen: Künstliche Nisthilfen sind für Tüllinghoff eine Möglichkeit, dem Star unter die Schwingen zu greifen. Schwieriger ist es, ihn satt zu bekommen.

„Das Nahrungsangebot ist geringer geworden“, nennt Tüllinghoff einen wichtigen Grund, dass der Star sich rarer macht. Weil das Vieh immer seltener aus dem Stall kommt und es kaum noch Brachen gibt, fehlen Weide- und Blühflächen, die der Vogel nach Insekten und Würmern absuchen kann.

Ein Star kommt übrigens selten allein. Die Vögel sind sehr gesellig. Berühmt sind ihre Schwarmflüge, mit denen sie im Herbst in riesigen Scharen ihre Schlafplätze aufsuchen. Bei einem abendlichen Spaziergang durch die Rieselfelder haben auch Grevener gute Chancen, dieses Schauspiel zu erleben.

Ganz ähnlich wie mit dem Star verhält es sich mit dem Grasfrosch, dem Lurch des Jahres 2018. Auch er ist keine Seltenheit, aber längst nicht mehr so häufig wie früher anzutreffen. Weidetümpel und Viehtränken, in denen er ablaichen kann, sind seltener geworden. Zudem sorgen zunehmend regenarme Frühjahre dafür, dass Gewässer austrocknen, bevor aus Kaulquappen Frösche geworden sind.

„Der Grasfrosch profitiert von neu angelegten Gewässern“, sagt Tüllinghoff. Die gibt es in Greven beispielsweise im Kompensationsflächenpool bei Gut Ostenfelde. Auch in nicht ganz so gründlich geräumten Gräben, in denen das Wasser etwas länger steht, könne man die typischen Laichballen finden, so der Biologe.

Geradezu privilegiert ist Greven bei der Blume des Jahres. Während viele weite Wege in Kauf nehmen müssen, um den Langblättrigen Ehrenpreis zu Gesicht zu bekommen, reicht in Greven ein Spaziergang an der Ems.

Denn die zur Blütezeit im Juli und August durchaus auffallende Pflanze sucht die Nähe größerer Flüsse. In den Auen von Elbe, Weser und Rhein kommt sie vor. Und eben an der Ems.

„Vor allem im Umfeld von Altarmen ist die landesweit stark gefährdete Art in Greven gar nicht so selten“, verrät Dr. Peter Schwartze, Botaniker bei der Biologischen Station und selbst Grevener. Und wer an der Ems unterwegs ist, kann gleich zwei weitere Jahreswesen abhaken.

Der Dreistachelige Stichling ist im Wasser ebenso allgemein verbreitet wie die Skorpionsfliege zu Land. Wobei das Insekt des Jahres ein Blender ist. Der gekrümmte „Stachel“, mit denen echte Skorpione eine manchmal sogar tödliche Dosis Gift injizieren können, ist bei den Männchen der Skorpionsfliege in Wahrheit das Kopulationsorgan und hat damit zumindest auf Fliegenweibchen eine eher anziehende als abschreckende Wirkung.

Bei anderen Jahreslebewesen sieht es in Greven eher mau aus. Verwilderte Hauskatzen gibt es zwar genug, richtige Wildkatzen (Wildtier des Jahres) sind an der Ems mangels ausgedehnter Wälder aber ebenso wenig heimisch wie Zwerglibelle, Torfmoos-Knabenkraut und andere Jahres-Protagonisten.

Und der Baum des Jahres 2018? Kastanien gibt’s doch ganz bestimmt in Greven, trotz des Kahlschlags am Niederort, mag mancher Grevener denken. Recht hat er, aber es ist nicht die Rosskastanie, die das Rennen gemacht hat, sondern die Esskastanie. Und die findet sich in Form von Maronen vielleicht gelegentlich auf Grevener Tellern, aber kaum in freier Wildbahn. Außerhalb von Weinbaugebieten wachsen Esskastanien in Deutschland eher selten.

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